Aufatmen an den Finanzmärkten: Nach dem Wahlsieg der Befürworter eines Sparkurses in Griechenland rechnen Banken und Brokerhäuser zur Eröffnung der Märkte am Montag mit einem gut zweiprozentigen Plus beim Leitindex DAX . Am Freitag hatte er 1,5 Prozent höher bei 6229 Punkten geschlossen.
Der Euro legte deutlich zu. Er kostete mit 1,2706 Dollar einen knappen US-Cent mehr als zum New Yorker Freitagsschluss. In Tokio zog der Nikkei -Index am Montag 1,8 Prozent auf 8721 Zähler an. Beim breiter gefassten Topix betrug das Plus 1,7 Prozent auf 781 Stellen. Die Umsätze blieben aber vergleichsweise gering. Auch andere asiatische Börsen legten zu: So stieg der Hang Seng in Hongkong um 1,2 Prozent. Für den Kospi in Seoul ging es um 1,8 Prozent nach oben. "Das schlimmste Szenario ist fürs erste abgewendet", sagte Hiroichi Nishi von SMBC Nikko Securities der Agentur Kyodo.
Analysten bewerten den Wahlsieg der griechischen Konservativen positiv. "Das Wahlergebnis sollte die Hoffnung am Leben halten, dass Griechenland im Euro bleibt", sagte Taisuke Tanaka von Deutsche Securities. Dominic Schnider von der UBS erwartet eine eher kurzfristige Reaktion der Märkte: "Ich denke nicht, dass wir eine langanhaltende Rally sehen werden. Die Probleme sind nach wie vor da, es gibt noch immer große finanzielle Schwierigkeiten und das betrifft eben nicht nur Griechenland, sondern auch Spanien und andere."
Ähnlich äußert sich Masayuki Doshida, Marktanalyst bei Rakuten Securities: "Die Frage ist, ob es eine nachhaltige Erholung ist", sagte er. "Schließlich gibt es immer noch eine Menge, das in Ordnung gebracht werden muss: Die Haushaltsprobleme der Euro-Zone und die spanischen Banken."
Entsprechend kritisch bleibt die Lage Spaniens am Kapitalmarkt. Zehnjährige Staatsanleihen rentierten zuletzt mit 6,86 Prozent immer noch auf einem kritischen Niveau. Etwas entspannter stellen sich dagegen die Möglichkeiten Italiens zur Refinanzierung dar: Die italienischen zehnjährigen Papiere warfen zuletzt 5,87 Prozent ab.
Erstmalig seit sieben Handelstagen gab der Goldpreis leicht nach. Am Morgen wurde die Feinunze (31,1 Gramm) des Edelmetalls mit einem Abschlag von 0,3 Prozent bei 1622 Dollar gehandelt. Händler rechneten aber nicht damit, dass sich der Goldpreis signifikant bewegt, bevor die US-Notenbank am Mittwoch ihre neuesten Markteinschätzungen bekanntgibt. Falls die Federal Reserve Hinweise auf eine dritte Runde der geldpolitischen Lockerung (QE3) gibt, dürfte die Notierung anziehen.
Einige Marktanalysten verweisen auf das gute Abschneiden der extremen Linken. So sagt Daragh Maher, Währungsexperte von HSBC : "Was hervorsticht, ist, wie stark Syriza abgeschnitten hat. Man kann also davon ausgehen, dass es gegen die Sparmaßnahmen weiterhin eine starke Opposition gibt." Syriza ist die Partei des linken Polit-Shootingtstars Alexis Tsipras, der die Sparauflagen der Euro-Gemeinschaft klar ablehnt.
Andere Analysten sind unsicher, ob der Aufwärtstrend andauern wird, und verweisen auf die andauernden Sorgen über die Finanzlage Spaniens. "Es gibt ein kurzfristiges Aufatmen", sagte Belinda Allen, Investmentanalyst bei Colonial First State Global Asset Management in Sydney der Wirtschaftsnachrichtenagentur Bloomberg. "Wir alle wissen, dass Griechenland noch einen langen und harten Weg vor sich hat und die Probleme Europas durch diese Wahl nicht gelöst sind", so Allen.
Bei den Parlamentswahlen in Griechenland war die konservative Nea Dimokratia am Sonntag nach Auszählung fast aller Stimmen mit knapp 30 Prozent stärkte Kraft geworden. Zusammen mit der sozialistischen Pasok würde sie über eine Mehrheit im Parlament verfügen. Beide Parteien haben sich für die Beibehaltung des Sparkurses und einen Verbleib Griechenlands in der Euro-Zone ausgesprochen.
Für den Fall eines Wahlsiegs der Reformgegner waren schwere Verwerfungen an den Finanzmärkten befürchtet worden. Von Tokio bis London hielten sich die Zentralbanken bereit, um bei Bedarf Geld in den Markt zu pumpen und Turbulenzen abzufedern. Als Notfallmaßnahme wurde zudem darüber nachgedacht, die Summe der Abhebungen an Geldautomaten zu beschränken, Grenzkontrollen einzurichten und den Kapitalverkehr in der Euro-Zone zu kontrollieren.