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Merken   Drucken   27.09.2011, 13:35 Schriftgröße: AAA

Aufsicht: Wir brauchen Kopfgeldjäger und Spitzel für die Finanzbranche

Die Regulierung der Finanzmärkte dauert zu lange. Als Zwischenlösung könnten Insider  den Aufsehern helfen. Das ist keine schöne Vorstellung, aber ein notwendiges Übel.
© Bild: 2011 Getty Images/None
Kommentar Die Regulierung der Finanzmärkte dauert zu lange. Als Zwischenlösung könnten Insider den Aufsehern helfen. Das ist keine schöne Vorstellung, aber ein notwendiges Übel. von Uta Harnischfeger
Die Krise der letzten Monate wirkt wie eine Neuauflage des Lehrstücks "wild gewordene Finanzmärkte". Sie zeigt vor allem eines: wie langsam die Regulierung vorankommt. Wieder profitieren Hedge-Fonds wie etwa Universa, der mit Wetten auf fallende Märkte sein Kapital in diesem Jahr bereits verzehnfacht haben soll. Wieder wurden innerhalb weniger Stunden Banken an den Rand des Ruins getrieben. Versuche neu geschaffener paneuropäischer Institutionen, etwa der Wertpapieraufsicht ESMA, mit Leerverkaufsverboten einzugreifen, belächeln die Akteure nur milde. Sogar Wertkonservative wie Frank Schirrmacher fragen sich plötzlich, ob die Linke nicht doch recht hatte mit ihrem Verdacht, dass der freie Markt mehr Regulierung und Kontrolle durch den Staat braucht.
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Was also tun? Regulieren und zum Beispiel Leerverkäufe verbieten? Das ist für Händler eher eine Lachnummer. Denn Wertpapierhändler haben einen großen Instrumentenkasten: Keine Leerverkäufe mehr? Dann setze ich eben Put-Optionen oder verkaufe meine Futures. So läuft die Regulierung ins Leere. Außerdem, so die Kritiker solcher Verbote, solle man doch lieber diejenigen bestrafen, die falsche Gerüchte in Umlauf bringen.
Ja, richtig, auch gegen die Gerüchte müsste man vorgehen. Nur wer und wie und wann? Überall, wo die Regulierenden auch hinsehen, finden sie viel zu viele Lücken, die gnadenlos ausgenutzt werden. Etwa in der Bonusdiskussion: Da berichten Aufseher, dass Banken plötzlich weniger sogenannte "Risikoträger" ausweisen, also Mitarbeiter, die bestimmte Geschäftsrisiken verantworten - nur weil bei deren Entlohnung inzwischen in der Öffentlichkeit genauer hingeschaut wird. So hat Regulierung in Wirklichkeit die Vergütung weniger transparent gemacht.
Neue paneuropäische Aufseher wie die ESMA können die Masse an neuen Regulierungsvorhaben personell kaum stemmen. Und dauernd kommen neue Bereiche hinzu, die reguliert werden müssen: Während man sich zunächst auf Themen wie Boni und Bankinsolvenzen stürzte, wendet man sich als Nächstes Schattenbanken, dem Hochfrequenzhandel und börsengehandelten Fonds (ETFs) zu. Letztere sind rasant gewachsen und systemisch relevant vor allem durch das Gegenparteirisiko - das Zahlungsproblem eines Marktteilnehmers kann hier zum Liquiditätsproblem für den ganzen Markt werden.
Die Liste des Regulierungsbedarfs könnte fortgesetzt werden. Klar ist: Wir brauchen mehr Regulierung. Aber sie dauert zu lange, sie kommt zu zögerlich, und sie wird auf dem Weg zu sehr verwässert. Kommen dann, wie derzeit, noch Rezessionsängste hinzu, schreien die Lobbyisten wieder lauter als je zuvor. Der globale Lobbyverband der Banken IIF rechnet uns die Misere gern vor: Die neuen Basel-III-Kapitalvorschriften würden dafür sorgen, dass es bis 2015 etwa 7,5 Millionen weniger Stellen und 3,2 Prozent geringeres Wirtschaftswachstum gibt. Aus Rücksicht auf die Banken verschob der englische Premierminister David Cameron bis mindestens 2015 die Umsetzung des Vorschlags der Bankenkommission, das Privatbankengeschäft vom Investmentbanking abzuzäunen und von Ersterem mehr Eigenkapital zu verlangen. Wo die Regulierung nicht zerredet wird, macht man sie eben zum Buhmann.

Teil 2: Was also tun?

  • FTD.de, 27.09.2011
    © 2011 Financial Times Deutschland,
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Kommentare
  • 27.09.2011 22:47:38 Uhr   John Doe: @Autor

    Es handelt sich um einen Kabarettisten, war mir schon beim Schreiben des Beitrages bekannt. Die Reaktion darauf: es ist ja nur ein Kabarettist, deshalb hat er Unrecht, war von mir erwartet worden. Ändert sich dadurch etwas an seiner Aussage? Wenn ja, was ist falsch an seiner Aussage?

    Eine grundsätzliche Frage: Halten Sie die ganze Vorstellung der Finanzindustrie für eine gelungene Vorstellung? Wenn ja, woran machen Sie das Gelingen fest?

    Was hat meine Weltanschauung, und bitte welche, mit Fakten zu tun? Werden Fakten durch die richtige Weltanschauung erst wahr, ansonsten sind sie, wegen der Weltanschauung, falsch? Merkwürdige Einstellung.

  • 27.09.2011 21:14:22 Uhr   Autor: @John Doe
  • 27.09.2011 21:01:21 Uhr   Autor: Hexenjagd
  • 27.09.2011 18:11:21 Uhr   John Doe: @Haderlump
  • 27.09.2011 17:25:21 Uhr   TooBigToFail=TooBigToExist : Liest sich alles wie...
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