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Merken   Drucken   07.12.2008, 17:30 Schriftgröße: AAA

Aufstrebende Volkswirtschaften: Mut wird in Schwellenländern belohnt

Dossier Langfristig spricht vieles für die aufstrebenden Staaten. Kurzfristig gewinnen Anleger nur, wenn der Risikoappetit zurückkehrt. Das Wichtigste ist das Timing. von Bernd Mikosch
Die Börse, so scheint es, straft die Falschen ab. Der Ursprung der Finanzkrise liegt in den USA, doch die höchsten Kursverluste sind in den Schwellenländern zu verzeichnen. In Dollar gerechnet liegt der MSCI Emerging Markets Index seit Jahresbeginn fast 60 Prozent im Minus, das US-Börsenbarometer S&P 500  dagegen nur gut 40 Prozent. Mit Aktienfonds, die auf Titel aus den aufstrebenden Volkswirtschaften setzen, haben Anleger im Euro-Raum in diesem Jahr bis zu 70 Prozent verloren. Wer die niedrigen Kurse für Investments nutzt, könnte durchaus belohnt werden, meinen jetzt Experten. Andere raten aber noch zu etwas Geduld.
"Investments in Schwellenländern waren, sind und bleiben riskant", sagt Richard Titherington, Chefstratege für Schwellenländeraktien bei JP Morgan Asset Management. Die Emerging Markets hätten vor allem mit zwei Problemen zu kämpfen: Zum einen seien die Institutionen schwach. "In manchen Ländern versagt die Politik, in anderen funktioniert der Börsenhandel nicht richtig", so Titherington. Zum Zweiten fehlten einheimische Investoren. "Es gibt - anders als in Europa oder den USA - nur wenige natürliche Käufer wie Pensionsfonds oder Versicherungen. Das Geld kommt aus dem Ausland, und ausländische Investoren agieren eher opportunistisch." Die Kursbewegungen an den Schwellenländerbörsen hängen demnach nicht nur von den Ertragsaussichten der Unternehmen ab, sondern mindestens genauso stark von der Risikofreude westlicher Investoren.
Ausgewählte globale Schwellenländeraktienfonds   Ausgewählte globale Schwellenländeraktienfonds
Während den Anlegern der Risikoappetit ohne Frage vergangen ist, steht es um die Gewinnaussichten gar nicht mal so schlecht - zumindest in Relation zu den heftig gefallenen Börsennotierungen, meint Titherington. "Das Kurs-Gewinn-Verhältnis ist so niedrig wie seit mindestens 18 Jahren nicht mehr", sagt er. "In der Vergangenheit waren Schwellenländeraktien auf diesem Niveau immer ein gutes Investment. Das gilt auch jetzt - zumindest für Anleger mit langem Atem." Wilfred Sit, Chefstratege für die Region Asien/Pazifik beim südkoreanischen Vermögensverwalter Mirae Asset, pflichtet ihm bei: "Derzeit sind Schwellenländertitel günstiger als die der Industrieländer - und das trotz eines höheren Wachstums. Dieser Zustand dürfte sich drehen, wenn der irrationale Ausverkauf nach und nach ausklingt."
Titherington zufolge spreche für die Schwellenländer außerdem, dass sie am Aktienmarkt eindeutig unterrepräsentiert seien: "Sie machen 30 Prozent der Weltwirtschaftsleistung aus, aber nur 14 Prozent der Marktkapitalisierung. Das wird sich angleichen, kann aber noch einige Jahre dauern." Wer nicht mindestens fünf Jahre auf sein Geld verzichten könne, sollte es daher woanders anlegen.
Andere Anlagestrategen sind im Hinblick auf Engagements in Emerging Markets vorsichtiger: "Schwellenländeraktien erscheinen uns insgesamt noch zu risikoreich", sagt Frank Naab, Leiter des Portfoliomanagements für Privatkunden beim Bankhaus Metzler. Naab steuert den Anteil der Schwellenländer im Aktienportfolio zwischen null und sechs Prozent, derzeit sind es drei Prozent. "Wir haben also einen Fuß in der Tür, aber für weitere Investments dürfte es noch zu früh sein." Er verweist auf die große Abhängigkeit vieler Schwellenländer vom US-Konsum und das hohe Defizit in der Leistungsbilanz.
Auch Heinz-Werner Rapp, Chefstratege des Bad Homburger Vermögensverwalters Feri, rät zu Geduld. "Momentan ist zu viel im Fluss, in sechs Monaten dürften wir aber klarer sehen." Nur wer das Risiko tragen wolle, dass die Kurse noch einmal um 20 bis 30 Prozent fallen, könne langsam beginnen, sich wieder Schwellenländeraktien ins Depot zu legen.
"Entscheidend wird sein, wie sich China entwickelt", sagt Rapp. "Sobald dort die Schornsteine wieder mehr rauchen als derzeit, werden sich die Rohstoffpreise erholen, was insbesondere Russland und Brasilien zugutekommen wird." Die Bric-Story, benannt nach den vier Hoffnungsträgern Brasilien, Russland, Indien und China, sei nach wie vor intakt. "In den vergangenen Jahren ist viel heißes Geld in diese Länder geflossen. Inzwischen ist die Euphorie verflogen", so Rapp. Mit Blick auf die künftige Entwicklung sei das aber nicht das Schlechteste.
13:25:07 Kursinformationen und Charts
Name aktuell  absolut  
S&P500 1295,22    -0,74%  -9.64
  • Aus der FTD vom 08.12.2008
    © 2008 Financial Times Deutschland,
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