Ausgewählte globale Schwellenländeraktienfonds
Während den Anlegern der Risikoappetit ohne Frage vergangen ist, steht es um die Gewinnaussichten gar nicht mal so schlecht - zumindest in Relation zu den heftig gefallenen Börsennotierungen, meint Titherington. "Das Kurs-Gewinn-Verhältnis ist so niedrig wie seit mindestens 18 Jahren nicht mehr", sagt er. "In der Vergangenheit waren Schwellenländeraktien auf diesem Niveau immer ein gutes Investment. Das gilt auch jetzt - zumindest für Anleger mit langem Atem." Wilfred Sit, Chefstratege für die Region Asien/Pazifik beim südkoreanischen Vermögensverwalter Mirae Asset, pflichtet ihm bei: "Derzeit sind Schwellenländertitel günstiger als die der Industrieländer - und das trotz eines höheren Wachstums. Dieser Zustand dürfte sich drehen, wenn der irrationale Ausverkauf nach und nach ausklingt."
Titherington zufolge spreche für die Schwellenländer außerdem, dass sie am Aktienmarkt eindeutig unterrepräsentiert seien: "Sie machen 30 Prozent der Weltwirtschaftsleistung aus, aber nur 14 Prozent der Marktkapitalisierung. Das wird sich angleichen, kann aber noch einige Jahre dauern." Wer nicht mindestens fünf Jahre auf sein Geld verzichten könne, sollte es daher woanders anlegen.
Andere Anlagestrategen sind im Hinblick auf Engagements in Emerging Markets vorsichtiger: "Schwellenländeraktien erscheinen uns insgesamt noch zu risikoreich", sagt Frank Naab, Leiter des Portfoliomanagements für Privatkunden beim Bankhaus Metzler. Naab steuert den Anteil der Schwellenländer im Aktienportfolio zwischen null und sechs Prozent, derzeit sind es drei Prozent. "Wir haben also einen Fuß in der Tür, aber für weitere Investments dürfte es noch zu früh sein." Er verweist auf die große Abhängigkeit vieler Schwellenländer vom US-Konsum und das hohe Defizit in der Leistungsbilanz.
Auch Heinz-Werner Rapp, Chefstratege des Bad Homburger Vermögensverwalters Feri, rät zu Geduld. "Momentan ist zu viel im Fluss, in sechs Monaten dürften wir aber klarer sehen." Nur wer das Risiko tragen wolle, dass die Kurse noch einmal um 20 bis 30 Prozent fallen, könne langsam beginnen, sich wieder Schwellenländeraktien ins Depot zu legen.
"Entscheidend wird sein, wie sich China entwickelt", sagt Rapp. "Sobald dort die Schornsteine wieder mehr rauchen als derzeit, werden sich die Rohstoffpreise erholen, was insbesondere Russland und Brasilien zugutekommen wird." Die Bric-Story, benannt nach den vier Hoffnungsträgern Brasilien, Russland, Indien und China, sei nach wie vor intakt. "In den vergangenen Jahren ist viel heißes Geld in diese Länder geflossen. Inzwischen ist die Euphorie verflogen", so Rapp. Mit Blick auf die künftige Entwicklung sei das aber nicht das Schlechteste.