Dieser Posten hat Tradition: Der nächste Amtsinhaber wird Nummer 120 sein. Im Wortsinn bombensicher ist der Arbeitsplatz, schließlich sitzt man auf den 7,3 Mrd. Pfund betragenden Goldreserven des Vereinigten Königreichs. Und abwechslungsreich wird es auf jeden Fall für den neuen Gouverneur der nach Schweden zweitältesten Zentralbank der Welt.
Die 318 Jahre alte "Dame von der Threadneedle Street", wie das Gebäude im Herzen der Londoner City genannt wird, erhält vom neuen Jahr an erweiterte Kompetenzen. "The Governor" ist dann nicht mehr nur für die Zinspolitik verantwortlich, sondern nach 15-jähriger Pause auch für die Aufsicht über den wichtigsten Finanzplatz der Welt.
Da wollte Finanzminister George Osborne ausnahmsweise keine Kosten scheuen. Erstmals hat die Regierung im feinen Wirtschaftsmagazin "Economist" eine Anzeige geschaltet. Wem der Text dort zu klein gedruckt ist, kann sich die Version auch in Großdruck oder gar in Blindenschrift besorgen. Außer Kenntnissen in Nationalökonomie und Managementfähigkeiten soll der neue Chef - oder die Chefin "gute zwischenmenschliche Fähigkeiten" haben. Den bis Juni amtierenden, bisweilen spröden Amtsinhaber Mervyn King darin zu übertreffen dürfte nicht sonderlich schwer sein.
Eingeladen zur Bewerbung, heißt es in Osbornes Haus, seien ausdrücklich auch Ausländer, "sofern diese legal hier arbeiten dürfen". Da Großbritannien der EU angehört, wartet hier eine schöne Aufgabe auf den als Bundesbankpräsidenten doch deutlich unterbeschäftigten Jens Weidmann.
Bei den Buchmachern kann man tatsächlich auf einen Ausländer wetten: Mark Carney dient seiner Heimat Kanada noch als Zentralbankgouverneur. Während er dementiert, lassen Vizegouverneur Paul Tucker oder Adair Turner, Leiter der in Auflösung befindlichen Finanzaufsichtsbehörde FSA, keinen Zweifel an ihren Ambitionen.
Allesamt sind sie Engländer, Absolventen von Oxford oder Cambridge und Ökonomen, was bisher als Qualifikation ausreichte. Der Spitzenbeamte Gus O'Donnell kann zudem seinen Spitznamen einbringen: Seinen Initialen entsprechend heißt er im Regierungsviertel nur GOD.
Auf göttliche Eingebung muss das Dreiergremium hoffen, das die Shortlist zusammenstellt und zu Interviews einlädt. Noch ist Zeit für eine Bewerbung: Die Frist läuft erst am 8. Oktober ab, pünktlich um 8.30 Uhr.