Auf Initiative der Unternehmensberatung Roland Berger soll eine Ratingagentur in Europa entstehen. Doch das Projekt stockt - Experten zweifeln am Finanzierungsplan. von Heinz-Roger Dohms, Frankfurt und Mark Schrörs, Kopenhagen
Die im letzten Sommer gestartete Rating-Initiative der Unternehmensberatung Roland Berger liegt hinter ihrem Zeitplan zurück. Eigentlich sollten die avisierten 300 Mio. Euro Startkapital für den Aufbau einer europäischen Ratingagentur bis Jahresende aufgetrieben sein.
Stattdessen gibt sich Initiator und Berger-Partner Markus Krall nun weitere drei bis vier Monate Zeit: "Wir haben genügend Interessenbekundungen", sagte Krall der FTD. "Nun geht es daran, die grundsätzliche Bereitschaft der Investoren, mitzumachen, in rechtlich verbindliche Zusagen zu verwandeln."
Roland Berger
Unter den vielen europäischen Initiativen gilt das Berger-Projekt in EU-Kreisen noch als das realistischste. In der Branche gibt es jedoch Zweifel, ob Krall die erhoffte Summe zusammenbekommt. Der Businessplan sieht vor, bei rund 30 Banken und anderen Investoren je 10 Mio. Euro einzusammeln.
Das Geld soll in Gestalt sogenannten Mezzanine-Kapitals fließen, eine Mischform aus Eigen- und Fremdkapital. Nach drei bis fünf Jahren soll sich die als Stiftung organisierte Agentur selbst tragen. Die Investoren sollen ihren Einsatz verzinst zurückerhalten. "Die Entscheidung der Investoren, sich zu beteiligen, ist nicht in erster Linie eine ökonomische, sondern eine politische", sagte Krall. "Die Frage ist: Wollen wir eine europäische Agentur oder nicht."
In der Politik, die seit Jahren die Schaffung einer Agentur als Alternative zu S&P, Moody's und Fitch fordert, genießt die Berger-Initiative Sympathien. Einige Europaparlamentarier sprechen sich gar für eine öffentliche Anschubfinanzierung aus. Das geht dem zuständigen EU-Kommissar Michel Barnier jedoch zu weit.
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