Nein, beklagen wolle er sich nicht. "Wehe uns", sagt Kevin Warsh, Gouverneur der US-Notenbank Fed, vergangene Woche im edlen Exchequer Club in Washington sogar, um diesen Eindruck gar nicht entstehen zu lassen. Seine Einschätzung steht aber im Raum - und sie gewährt Einblicke in die aktuelle Gefühlslage eines Notenbankers: "Das könnte die größte Prüfung für Zentralbanken seit einer Generation sein."
Worauf Warsh abzielt, ist der Mix an "Herausforderungen", mit denen er die Notenbanker konfrontiert sieht: die massiven Marktunruhen, unzureichendes Wirtschaftswachstum, historische Hauspreisrückgänge, dramatische Anstiege der Rohstoffpreise, das Risiko einer Umkehr globaler Inflationstrends, scharfe Wechselkursbewegungen.
"Die Wahl, vor der Zentralbanker stehen - mit zunehmendem Inflationsdruck bei anfälligen Finanzkonditionen und abkühlendem Wirtschaftswachstum weltweit - stellt eine einmalige Herausforderung dar", sagt auch Bruce Kasman, Chefvolkswirt bei JP Morgan Chase.
Es ist vor allem die erneute Preisrally beim Öl, die das Dilemma der Notenbanken verstärkt. Vergangene Woche kostete ein Barrel (159 Liter) mehr als 135 $. Zwischen 2000 und 2003 hatte der Preis im Schnitt bei 25 $ gelegen. Viele Beobachter fühlen sich erinnert an 1970 bis 1973 und 1978/79, als sich der Ölpreis von 3,5 $ auf 35 $ verzehnfachte, und die Inflation in wichtigen Regionen der Welt teils zweistellige Raten erreichte. Letztlich brachen die Notenbanken diesen Trend erst, als sie die Zinsen deutlich anhoben - und eine Rezession in Kauf nahmen.
"Das Inflationsgespenst meldet sich zurück", schrieben die Investmentstrategen von ING vergangene Woche. Die Commerzbank erwartet, dass die Inflation in den USA in den nächsten Monaten deutlich über sechs Prozent klettern wird und im Euro-Raum vier Prozent erreicht.
Trichet warnt vor alten Fehlern
Die Notenbanker haben bereits den Ton verschärft. Jean-Claude Trichet, Präsident der Europäischen Zentralbank (EZB), warnte jüngst davor, die Fehler der 70er-Jahre zu wiederholen. Damals hatten einige Notenbanken erst versucht, die Folgen der Ölschocks auf die Wirtschaft durch eine lockere Geldpolitik zu mildern - was zusammen mit hohen Tarifabschlüssen und steigenden Staatsausgaben die Teuerung befeuerte. "Die Folge war Massenarbeitslosigkeit", sagte Trichet.