Die Herabstufung des Euro-Sorgenkinds Spanien sorgt an den Börsen für Unruhe. Der DAX brach zum Handelsstart um 1,2 Prozent ein und notierte am Vormittag noch 0,3 Prozent im Minus. Der spanische Leitindex Ibex verlor 1,5 Prozent.
Die Ratingagentur Standard & Poor's (S&P) hatte die Bonitätsnote des Landes am Donnerstagabend um zwei Stufen von "A" auf "BBB+" herabgesetzt. Zur Begründung verwies die Agentur auf die schlechte Wirtschaftslage. Es sei möglich, dass das südeuropäische Land dem Bankensektor erneut unter die Arme greifen müsse, was die Staatsschulden in die Höhe treiben würde. Der Euro rutschte nach Veröffentlichung des Ratings im asiatischen Handel unter die Marke von 1,32 Dollar.
Die Kurse spanischer Staatsanleihen gaben nach der Herabstufung kräftig nach. Die Renditen von Zehnjahrespapieren, die sich entgegengesetzt zu den Preisen bewegen, übersprangen kurzzeitig die Marke von sechs Prozent. Auch die Renditen italienischer Staatsanleihen zogen an. Zehnjahresläufer kletterten zeitweise um 0,11 Prozentpunkte auf 5,75 Prozent.
Die Renditen sind ein Indikator für die Refinanzierungskosten, mit denen Staaten bei der Emission neuer Anleihen rechnen müssen. Italien und Spanien können sich derzeit noch selbständig an den Märkten finanzieren. Mit dem Anstieg der Zinsen wächst aber die Gefahr, dass die dritt- und viertgrößte Volkswirtschaft der Währungsunion die Euro-Partner um Hilfe rufen müssen.
Die Furcht vor einer Verschärfung der Euro-Krise drückte auch die Rohstoffpreise. Brent-Öl verbilligte sich um 0,4 Prozent auf rund 119 Dollar pro Barrel (159 Liter).
Den DAX drückte neben den Sorgen um Spanien auch der Streit beim Rückversicherer Munich Re , dessen Aktienkurs um fast sechs Prozent einbrach. Kleinaktionäre hatten das Management auf der Hauptversammlung in München am Donnerstag scharf angegriffen. Sie kritisierten immer wieder, dass die Negativ-Schlagzeilen rund um die Lustreise für Vertreter der Ergo-Einheit Hamburg-Mannheimer die Reputation zerstört hätten und daraus nicht die richtigen Konsequenzen gezogen würden. Die Debatte überschattete den überraschend hohen Gewinn im ersten Quartal 2012.
BASF -Titel verbilligten sich nach einem schwächeren Jahresauftakt um mehr als zwei Prozent. Auch die Aktien von Daimler und Deutsche Börse gaben nach Veröffentlichung der Quartalsberichte nach. Der Gewinn des Börsenbetreibers brach gegenüber dem Vorjahr um 31 Prozent ein. Grund waren der verhaltene Handel an den Finanzmärkten und die Kosten für die gescheiterte Fusion mit der New Yorker Börse.