Wegen Verdachts auf Anlegerbetrug und Bilanzfälschung sind die Aktien des einstigen Börsenlieblings vom Handel ausgesetzt. Zahlreiche Investoren klagen. Das Management hat sein Geld offenbar längst in Sicherheit gebracht.
Richard Chandler möchte zu seiner Beteiligung an Sino-Forest nichts sagen. Ein Sprecher des Milliardärs habe jegliche Stellungnahme zum Skandal um den kanadisch-chinesischen Holzproduzenten abgelehnt, berichtet die Nachrichtenagentur Bloomberg. Verständlich, denn für den Fondsmanager ist die Sache ziemlich peinlich: Zwei Tage nach der Aufstockung seines Anteils wurde die Aktie von Sino-Forest in Kanada und den USA wegen Betrugsverdachts vom Handel ausgesetzt. Kurz darauf trat der Vorstandsvorsitzende Allen Chan zurück.
Der Milliardär Richard Chandler bewies schlechtes Timing
Der gebürtige Neuseeländer Chandler, der mit der gleichnamigen Investmentfirma zum viertreichsten Einwohner Singapurs aufstieg, hatte den Vorwürfen gegen Sino-Forest keinen Glauben geschenkt. Als die Aktie Anfang Juni nach einer niederschmetternden Analyse des Leerverkäufers Carson Block abstürzte, stieg Chandler ein.
Noch am 24. August erhöhte er seinen Anteil auf 20 Prozent. Am 26. zog dann die kanadische Börsenaufsicht die Reißleine: Sino-Forest stehe im Verdacht, die Umsätze falsch und seinen Baumbestand in China zu hoch angegeben zu haben. Das Unternehmen galt als einer der größten privatwirtschaftlichen Holzproduzenten der Volksrepublik.
Sino-Manager verkauften große Aktienpakete
Noch sind die Vorwürfe nicht bewiesen - doch zahlreiche Indizien deuten darauf hin, dass Block und die Analysten seiner Firma Muddy Waters mit ihrer Warnung recht hatten. Denn das Management von Sino-Forest glaubte offenbar selbst schon lange nicht mehr an den eigenen Erfolg. Seit Ende 2006 hätten Führungskräfte Sino-Forest-Aktien im Wert von 81 Mio. Kanadischen Dollar (57 Mio. Euro) verkauft, berichtet Bloomberg. Allein der Mitbegründer Kai Kit Poon habe Titel im Gegenwert von rund 30 Mio. Kanada-Dollar abgestoßen. Ex-Vorstandschef Chan nahm mit dem Verkauf von Aktien der eigenen Firma 3 Mio. Kanada-Dollar ein.
Eine im Juni als Reaktion auf die Kritik angekündigte Tour durch die Plantagen des Unternehmens wurde einen Monat später wieder abgesagt. Man wolle zunächst die Ergebnisse der zur Aufklärung der Vorwürfe eingesetzten Untersuchungskommission abwarten, teilte Sino-Forest in einem Brief an Analysten und Investoren mit.
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