FTD.de » Finanzen » Aktien + Märkte » Dirk Müller sieht das Finanzsystem am Ende

Merken   Drucken   19.10.2011, 12:17 Schriftgröße: AAA

Börsenstar im Interview: Dirk Müller sieht das Finanzsystem am Ende

Der Bestsellerautor ist sich sicher, dass es zu einem Neustart an den Märkten kommt - inklusive einer gewaltigen Umverteilung von oben nach unten. Er sagt: "Staatspleiten sind seit Jahrhunderten Teil des Systems. Wobei ich sie eher Reset nennen würde."
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Interview Der Bestsellerautor ist sich sicher, dass es zu einem Neustart an den Märkten kommt - inklusive einer gewaltigen Umverteilung von oben nach unten. Er sagt: "Staatspleiten sind seit Jahrhunderten Teil des Systems. Wobei ich sie eher Reset nennen würde." von Jochen Mörsch
Herr Müller, die europäische Schuldenkrise erreicht immer neue Dimensionen. Nichts scheint mehr ausgeschlossen: eine Insolvenz Griechenlands, ein gewaltiger neuer Rettungsschirm und weitere Banken, die verstaatlicht werden müssen. Welchen Ausweg sehen Sie aus dem Schuldenschlamassel?
Dirk Müller: Keinen. Unser Finanzsystem ist am Ende. Aus meiner Sicht – das klingt jetzt aggressiv –, sind Staatspleiten seit Jahrhunderten Teil des Systems. Wobei ich sie eher Reset nennen würde.
Reset?
Müller: Wir haben in Deutschland 2000 Mrd. Euro Staatsschulden, aber knapp 5000 Mrd. Euro Geldvermögen der privaten Haushalte. Also, Geld ist da. Das Problem ist aber, dass es sich im Lauf der Jahrzehnte bei ganz wenigen zusammengeballt hat - und die Masse muss die Erträge erwirtschaften. Für den Bürger spielt es dabei überhaupt keine Rolle, wo im System die Schulden sind. Die privaten Schulden muss er bezahlen. Die Schulden, die der Staat gemacht hat, muss er über seine Steuern bezahlen. Und die Schulden, die Unternehmen gemacht haben, zahlt er über die Produkte, die er kauft. Das heißt, alle belasten ihn am Ende.
Und Sie glauben, dass das nicht gut geht.
Müller: Die Bürger müssen immer mehr Gas geben, immer mehr Jobs annehmen, kriegen aber immer mehr Leistungen gekürzt – und irgendwann geht es nicht mehr. Dann können die Bürger und damit auch der Staat die Belastungen aus diesem Schuldendienst nicht mehr leisten. Und dann kommt es immer wieder zum gleichen Ergebnis.
Und das sieht wie aus?
Müller: Eine Umverteilung von oben nach unten. Sie kann ganz unterschiedliche Formen annehmen. Es ist mal eine Währungsreform, mal eine Schuldenstreichung. Es wird den Wenigen, die Ansprüche an den Staat haben – etwa Anleihen – etwas weggenommen. Dadurch wird die Masse entlastet, denn sie müssen jetzt weniger von ihrem Einkommen über Steuern an Zinsen bezahlen.
Ist das Ihr Ernst?
Müller: Mein voller Ernst. Es gibt auch noch andere Varianten, wie etwa in Amerika in den 30er-Jahren der New Deal unter US-Präsident Franklin D. Roosevelt. Auch das war nichts anders als eine Umverteilung von oben nach unten. Er kassierte die Edelmetalle ein, erhob extrem hohe Steuern auf große Einkommen. Und im Gegenzug wurden große Straßenbauprojekte verwirklicht, Staudämme gebaut und es gab sogar kostenlos unabhängige Einkommen für Künstler.
Ist das eine sinnvolle Lösung für das hoch verschuldete Griechenland?
Müller: Ich spreche nicht nur von Griechenland. In Deutschland hat eine SPD-Abgeordnete im Bundestag Anfang dieses Jahres eine Wiedereinführung des Lastenausgleichsgesetzes gefordert. Viele haben gar nicht verstanden, was das bedeutete. Doch sie sagte sinngemäß: ‚Wir hatten in Deutschland in den letzten 100 Jahren bereits zweimal erfolgreich ein Lastenausgleichsgesetz. Wir sind in einer Situation, in der wir das wieder thematisieren sollten.’

Teil 2:

Gefunden bei: capital.de

  • capital.de, 19.10.2011
    © 2011 Financial Times Deutschland,
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