Und Sie glauben, dass das nicht gut geht.
Müller: Die Bürger müssen immer mehr Gas geben, immer mehr Jobs annehmen, kriegen aber immer mehr Leistungen gekürzt – und irgendwann geht es nicht mehr. Dann können die Bürger und damit auch der Staat die Belastungen aus diesem Schuldendienst nicht mehr leisten. Und dann kommt es immer wieder zum gleichen Ergebnis.
Und das sieht wie aus?
Müller: Eine Umverteilung von oben nach unten. Sie kann ganz unterschiedliche Formen annehmen. Es ist mal eine Währungsreform, mal eine Schuldenstreichung. Es wird den Wenigen, die Ansprüche an den Staat haben – etwa Anleihen – etwas weggenommen. Dadurch wird die Masse entlastet, denn sie müssen jetzt weniger von ihrem Einkommen über Steuern an Zinsen bezahlen.
Ist das Ihr Ernst?
Müller: Mein voller Ernst. Es gibt auch noch andere Varianten, wie etwa in Amerika in den 30er-Jahren der New Deal unter US-Präsident Franklin D. Roosevelt. Auch das war nichts anders als eine Umverteilung von oben nach unten. Er kassierte die Edelmetalle ein, erhob extrem hohe Steuern auf große Einkommen. Und im Gegenzug wurden große Straßenbauprojekte verwirklicht, Staudämme gebaut und es gab sogar kostenlos unabhängige Einkommen für Künstler.
Ist das eine sinnvolle Lösung für das hoch verschuldete Griechenland?
Müller: Ich spreche nicht nur von Griechenland. In Deutschland hat eine SPD-Abgeordnete im Bundestag Anfang dieses Jahres eine Wiedereinführung des Lastenausgleichsgesetzes gefordert. Viele haben gar nicht verstanden, was das bedeutete. Doch sie sagte sinngemäß: ‚Wir hatten in Deutschland in den letzten 100 Jahren bereits zweimal erfolgreich ein Lastenausgleichsgesetz. Wir sind in einer Situation, in der wir das wieder thematisieren sollten.’