Kleiner Einsatz, großer Effekt: Wie Investoren mit CFDs spekulieren
Die am Mittwoch vorgestellte Studie gewährt erste Einblicke in einen bislang sehr unübersichtlichen Markt. Grundlage sind Zahlen der drei Anbieter CMC Markets, ABN Amro Marketindex und IG Markets, die die Untersuchung in Auftrag gegeben haben. Jens Kleine von der Steinbeis Hochschule hat für seine Studie angenommen, dass diese drei Anbieter 85 bis 90 Prozent des deutschen CFD-Marktes abdecken.
2007 bewegten deutsche Anleger über CFDs Basiswerte für 335,2 Mrd. Euro, drei Mal so viel wie 2006. Das Volumen von Knock-out-Papieren betrug Kleines Berechnungen zufolge 2007 rund 820 Mrd. Euro. Allerdings bleiben außerbörsliche Geschäfte außen vor, die bei diesen Derivaten rund 80 Prozent der Umsätze ausmachen dürften. Während sich Anlagezertifikate wegen des schwachen Aktienmarkts derzeit schlecht verkaufen, sind Hebelprodukte nach wie vor gefragt.
10 Mio. Euro pro Jahr
Im Schnitt bewegt jeder Anleger im Jahr mehr als 10 Mio. Euro - das verdeutlicht die Bedeutung des Hebels. Am liebsten ordern die Investoren CFDs auf Aktienindizes, sie machen 81,7 Prozent des Volumens aus. Davon wiederum entfallen vier Fünftel auf den Dax. "Unsere Anleger halten einzelne Positionen höchstens sieben Tage lang", sagte Marketindex-Chefin Sarah Brylewski. 2007 tätigten CFD-Kunden im Schnitt mehr als 3000 Transaktionen. "Unsere Zielgruppe sind aktive Trader, die bislang mit Optionsscheinen und Knock-out-Papieren gehandelt haben", sagte Stefan Risse, Deutschlandchef von CMC Markets.
Risse deutete an, dass die drei Marktführer einen eigenen Verband gründen könnten. Im Deutschen Derivate Verband (DDV), in dem 18 Zertifikateemittenten organisiert sind, werde man als Konkurrent wahrgenommen. "In den DDV können nur Emittenten und Förderer des Derivatemarkts aufgenommen werden", sagte DDV-Geschäftsführer Lars Brandau. CFDs würden den Markt zwar bereichern, seien aber konkurrierende Produkte. Trotzdem erscheine es "durchaus vorstellbar, dass sich beide Bereiche aufeinander zubewegen".
Die Zertifikatebranche beobachtet die neue Konkurrenz genau, weiß aber auch um ihre Schwächen. "CFD-Anbieter haben eine große Hürde zu überwinden: Der Kunde muss ein Konto bei ihnen eröffnen", sagte der Vertriebschef eines großen Emittenten, der nicht genannt werden wollte. "Wenn diese Hürde genommen ist, lassen sich CFDs einfacher und schneller handeln als Zertifikate." Einen großen Erfolg traut er den Produkten nur zu, wenn wie die Postbank weitere Banken CFDs anbieten und über bestehende Kundenkonten abwickeln.
"Als Nachteil der CFDs bleiben die schlechte Vergleichbarkeit der Angebote und die höheren Finanzierungskosten", sagte er. Bei Knock-Out-Papieren liegen diese Kosten im Branchenschnitt rund zwei Prozent über dem Geldmarktsatz, bei CFDs zum Teil deutlich darüber. Heiko Weyand, Zertifikateexperte bei HSBC Trinkaus, nennt einen weiteren Vorteil der etablierten Hebelpapiere: "Zertifikate nehmen dem Anleger das Risiko ab, Geld nachschießen zu müssen." Mit einigen CFD-Wetten können Anleger mehr Geld verlieren, als sie ursprünglich eingesetzt haben.