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Merken   Drucken   25.10.2004, 11:30 Schriftgröße: AAA

Das Kapital: Aus Google wird man nicht mehr schlau  

Wenn man nicht gar so diszipliniert wäre, müsste man Google glatt von der Beobachtungsliste streichen. Ein weiteres Thema in diesem Kapital: Ericsson.
Die Firma hat im dritten Quartal einen Pro-forma-Gewinn vorgelegt, der um rund 38 Mio. $ über der Konsenserwartung lag. Dafür haben die Anleger dem Unternehmen einen zusätzlichen Marktwert von 6,3 Mrd. $ eingeräumt. Und wenn es nach den neuen Kurszielen etlicher Analysten geht, wäre mindestens noch einmal das Doppelte draufzupacken. Der einfache Erdenbürger ist da sprachlos.
Genial ist zunächst, dass das Pro-forma-Ergebnis, das Google  selbst ausweist, mit 45 Cent je Aktie unter der Konsenserwartung von 56 Cent gelegen hat. Allerdings haben sich die Analysten nicht foppen lassen und addierten die aktienbasierten Vergütungsbestandteile in Höhe von 68 Mio. $, die Google in der G+V erfasst, postwendend auf den Pro-forma-Gewinn zurück; wer wird schon so pedantisch sein, die schleichende Enteignung der Altaktionäre zu berücksichtigen, die sich aus der Vergabe von Mitarbeiteroptionen ergibt. Insgesamt errechneten die Analysten so einen - nennen wir ihn - Pro-forma-pro-forma-Gewinn von 70 Cent je Aktie. Gemäß G+V waren es 19 Cent.
Kommen wir zum Wachstum. Die Fantasie kennt hier keine Grenzen. Laut CSFB verbringen die US-Verbraucher über 30 Prozent der Zeit, in der sie Medien konsumieren, mit dem Internet; bei den werbetechnisch wichtigen jüngeren Bevölkerungsschichten sind es über 50 Prozent. Die Werbung im Internet macht hingegen erst rund vier Prozent der Gesamtausgaben aus. Wuff, das sitzt.
Aber einmal davon abgesehen, dass die Internetwerbung - zumindest ganz generell - schon jetzt oft kaum mehr an Penetranz zu überbieten ist, lässt selbst das Wachstum von Google eindeutig nach. Im dritten Quartal des Vorjahres hat Google noch um 27 Prozent gegenüber Q2 zugelegt. Heuer waren es 15 Prozent. Im letztjährigen Weihnachtsquartal ist Google gegenüber Q3 um 30 Prozent gewachsen. Jetzt wäre schon die Hälfte davon famos. Nebenbei bemerkt ist auch die Onlinewerbung zyklisch, wie etwa ein Blick auf Yahoo eindrucksvoll belegt.
Nett auch Googles Kapitalflussrechnung. Nach neun Monaten hat die Firma operative Mittelzuflüsse von 609 Mio. $ verzeichnet. Nicht schlecht bei einem Umsatz von knapp 2,2 Mrd. $. Von den 609 Mio. $ gehen jedoch 364 Mio. $ auf aktienbasierte Vergütungsprogramme und damit verbundene Steuervorteile zurück. Ohne die gerechnet, hätte die Firma einen Mittelüberschuss nach Anlageinvestitionen von rund 104 Mio. $ erzielt - statt der ausgewiesenen 349 Mio. $.
Aber gut, Google wächst ja - und sucht ständig nach neuen Einnahmequellen. Vertrauen wir also den Analysten und gestehen der Firma auch künftig noch ein mittleres Wachstum von 30 Prozent zu. Soll der Aktienkurs um zehn Prozent jährlich zulegen, müsste der Gewinn je Aktie - genauer gesagt, der Pro-forma-pro-forma-Gewinn je Aktie - allerdings bis 2013 um jährlich 30 Prozent steigen, damit das KGV endlich auf unter 20 fällt. Dafür müsste Google - grob gerechnet - einen Umsatz von 33 Mrd. $ erzielen, eher mehr. 2003 haben TV, Radio, Außenwerbung, Internet, Magazine und Zeitungen in den USA insgesamt Werbeeinnahmen von 156 Mrd. $ erlöst. Wer will es einem da verübeln, dass jetzt jegliche Disziplin erschöpft ist?

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02:33:33 Kursinformationen und Charts
Name aktuell  absolut  
Ericsson 6,911 EUR   +2,31%  0.156
Google 603,66 USD   -0,95%  -5.8
  • FTD, 25.10.2004
    © 2004 Financial Times Deutschland,
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