FTD.de » Finanzen » Aktien + Märkte » Das Kapital: Bei Conti kann man die Schlaglöcher nur erahnen

Merken   Drucken   31.03.2005, 23:47 Schriftgröße: AAA

Das Kapital: Bei Conti kann man die Schlaglöcher nur erahnen  

Was macht man mit einer Aktie wie Continental, die billig und teuer zugleich ist? Weitere Themen im Kapital: Cesky Telecom und Enel.
Kursinformationen und Charts
  Continental 67,68 EUR  [0.03 +0,04%
Mit Blick auf die herkömmlichen Bewertungskennziffern kann man jene schon verstehen, die Continental  sogar jetzt noch ein Kurspotenzial von einem Drittel zutrauen. Das KGV liegt im niedrigen zweistelligen Bereich, der Mittelüberschuss ist hoch, die Wachstumsaussichten sind verhältnismäßig solide, und auch in Sachen Unternehmensstrategie lässt sich kaum ein Haar in der Suppe ausmachen.
Die Frage ist, wie lange ein Autozulieferer eine operative Umsatzmarge von 9,5 Prozent halten kann. Im Segment Autosysteme zählt Conti zehn große Konkurrenten auf; anders als in Europa hat es die Firma selbst im Wachstumsmarkt für Bremssysteme in Amerika gleich mit fünf Rivalen zu tun. Zudem dürfte der ohnehin vorherrschende Preisdruck umso stärker werden, desto schlechter es den Abnehmern in der gebeutelten Autoindustrie geht. In Amerika lassen die Vorgänge bei GM nichts Gutes erahnen, zumal die Verbraucher aus dem letzten Loch pfeifen. Und in Europa sieht es ob des ökonomischen Schlamassels nicht viel besser aus.
Fürs Erste mag Conti gute Karten haben, da die Ausstattungsraten bei Fahrzeugsicherheits- und Komfortsystemen in Amerika und Asien noch recht niedrig sind und die Firma etliche Neuaufträge verbuchen kann. Dazu kommt, dass das zyklische Lkw-Reifen-Geschäft vorläufig noch brummt. Einen gewissen Charme hat die Aktie insofern nach wie vor. Von nun an gilt es indes, sich vor Schlaglöchern vorzusehen - und zwar nicht nur wegen der üblichen Makrorisiken.
Cesky Telecom
Und wieder läuten die Hochzeitsglocken. Cesky Telecom scheint ihren Traumprinzen endlich gefunden zu haben, wobei Spaniens Telefónica  der heißeste Kandidat ist. O2 ist das ewige Objekt der Begierde, aber angesichts der derzeitigen Bewertung muss man sich schon fragen, ob die liederlichen Gerüchte um den britischen Mobilfunkbetreiber ein Aprilscherz sind.
Ernster ist da schon die jüngste Wende im verwickelten Liebesleben TeliaSoneras. Vergangene Woche wollte das skandinavische Unternehmen weitere 27 Prozent von Turkcell kaufen und damit die Kontrolle über den führenden Mobilfunker der Türkei übernehmen. Das junge Glück wurde allerdings durch ein Konkurrenzgebot von Alfa Telecom aus Russland gestört. Alfa streitet sich mit TeliaSonera um das russische Unternehmen Megafon und will wohl auf diesem Umweg seine Verhandlungsposition verbessern.
In all dem zeigt sich auch so etwas wie ein allgemeiner Trend. Für europäische Verhältnisse scheinen bemerkenswert viele Telekomfirmen den Gang vor den Altar wenigstens zu erwägen. Das geht vor allem auf die Angst zurück, leer auszugehen; zumindest sind die strategischen und finanziellen Vorteile ziemlich verschwommen. Die Bewertung von Cesky zum Beispiel reflektiert die Knappheit von osteuropäischen Übernahmezielen. Falls das übergeneröse Gebot im derzeitigen politischen Tumult Bestand hat, wird Telefónica vermutlich anführen, dass Cesky die Abhängigkeit vom wankelmütigen Lateinamerikageschäft mindert. Den anderen Buhlern Swisscom und Belgacom ging es bei Cesky vor allem um Bilanzoptimierung. Ihre Anleger dürften kaum unglücklich sein, wenn sie vorläufig Jungfern bleiben. Enel Wie kann Enel-Chef Paolo Scaroni die Anleger bei Laune halten? Seit seinem Amtsantritt im Mai 2002 hat der italienische Versorger für 9 Mrd. Euro Konzernteile verkauft und damit einen steten Fluss von Sonderdividenden ermöglicht. Getreu diesem Motto wurde am Donnerstag, kurz vor dem Analystentreffen, die letzte Tranche von Terna veräußert. Die Dividendenankündigung korrespondiert mit einer Rendite von ganzen sieben Prozent.
Doch sobald die Randgeschäfte verkauft sind, muss neue Fantasie her. Enel will die Kosten daher um weitere 400 Mio. Euro senken. Die kostspielige Öl- und Gaserzeugung, die bisher ein Drittel der Produktion ausmacht, soll einstampft werden. Und in der Verteilung sollen bis zur nächsten regulatorischen Überprüfung in drei Jahren Stellen abgebaut werden. Was das organische Wachstum anbelangt, hofft Enel, bis 2009 den Anteil von zehn Prozent an Italiens Gasmarkt zu verdoppeln.
Da ist allerdings noch ein anderer, delikater Aspekt: Übernahmen. Enel hat viel Geld. Bis 2009 will die Firma Mittelüberschüsse von 15 Mrd. Euro erzielen, ohne die Telekomsparte Wind. Bei der derzeitigen Ausschüttung würden 4 Mrd. Euro übrig bleiben. Und dereinst dürfte Wind verkauft werden.
Falls das Verhältnis von Nettoschulden zu Ebitda bei 2,2 bleiben soll, könnte ein Verkauf von Wind im besten Fall weitere 9 Mrd. Euro freisetzen. So umsichtig Scaroni bei Übernahmen zu sein scheint: Die damit einhergehenden Risiken sollte er offener ansprechen.
02:37:31 Kursinformationen und Charts
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Continental 67,68 EUR   +0,04%  0.03
  • Aus der FTD vom 01.04.2005
    © 2005 Financial Times Deutschland,
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