FTD.de » Finanzen » Aktien + Märkte » Warum das Gewinnpendel zurückschwingt

Merken   Drucken   09.04.2007, 20:14 Schriftgröße: AAA

Das Kapital: Warum das Gewinnpendel zurückschwingt  

Des einen Leid ist des anderen Freud. Während sich die Ökonomen über die ausufernden globalen Leistungsbilanzungleichgewichte grämen, bejubeln die Aktienanleger der Welt sie geradezu, freilich ohne dessen gewahr zu sein.
Reale Rendite auf 10-jährige US-Staatsanleihen   Reale Rendite auf 10-jährige US-Staatsanleihen
Ohne die Defizite der meisten angelsächsischen Länder wäre das jetzige Niveau der Firmengewinne kaum denkbar. Die zugrunde liegende Überlegung ist so etwas wie das fundamentale Gegenstück zum Standardargument. Danach treibt die aus dem US-Leistungsbilanzdefizit - der Mutter aller Defizite - folgende Anhäufung von Devisenreserven in Asien und im Nahen Osten die globale Liquidität in ungeahnte Sphären. Denn die Notenbanken dieser Regionen neutralisieren die damit einhergehende (Zentralbank)-Geldmengenausweisung ja nur unzureichend.
Grob gesagt, sind die Firmengewinne derweil das Produkt aus hoher Nachfrage und niedrigen Lohnkosten. Doch wo kommt die Nachfrage her, wenn die Löhne doch nachhinken? Hier kommen die Leistungsbilanzdefizte ins Spiel: Der Kniff ist, Schulden zu machen, wie es die Defizitländer tun. Und in der globalisierten Welt kann die Nachfrage in einzelnen Ländern eben vorübergehend schneller als das Angebot von Gütern und Diensten steigen, ohne Inflation heraufzubeschwören.
Die Letzten ...
Die Früchte der Globalisierung gehen also zunächst mal zu einem Gutteil an die Firmen. Die Formel dafür lautet in etwa wie folgt: Globalisierung gleich niedrige Importpreise plus Lohnmäßigung, gleich niedrige Inflation plus niedrige Konjunkturschwankungen, gleich niedrige Realzinsen, gleich niedrige Kosten plus hohe aggregierte Nachfrage, gleich exorbitante Gewinne in den Industrieländern. Doch falls das bisher zugetroffen habt, neigt sich für die Firmen die Erntezeit dem Ende zu.
Das Problem ist, dass die preisdämpfende Wirkung der Globalisierung langsam nachlassen dürfte. Das ist ein Grund, warum selbst die sonst so kecke Fed neuerdings nervös ist.

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