Nordkoreas Fußballnationalmannschaft verfügt - so ist in diesen Tagen aus allen nicht nordkoreanischen Medien zu erfahren - lediglich über zwei Trikotsätze. Einen roten und einen weißen, in Heimarbeit bestickt mit dem heimischen Wappen.
Wen diese Ausrüstung an selige E-Jugend-Zeiten bei den Sportfreunden Habbelrath erinnert, der hat das Phänomen erfasst: Willkommen im Siegeszug der Amateure! Nach Jahren, in denen die Welt dem Professionalismus huldigte, setzt sich wieder der olympische Geist durch. Ein 19-jähriger, des Singens weitgehend unkundiger Teenager erobert Europa, ein Kunstsammler kauft Karstadt, und Guido Westerwelle leitet das deutsche Außenministerium.
Im Gegensatz dazu verlassen die Profis in atemberaubender Geschwindigkeit die öffentlichen Bühnen. Der Politprofi
Roland Koch ist weg, der Seelsorgeprofi Margot Käßmann hat sich selbst entsorgt, und die Energieprofis von
BP scheitern seit Wochen daran, ein schwarzes Loch im Golf von Mexiko zu stopfen - und dürften daher in Bälde darin verschwinden. Der klassische Fachmann ist den Problemen dieser Welt offenkundig nicht mehr gewachsen.
Das Modell der Amateure aber ist so erfolgreich, dass mittlerweile gezielt Dilettanten gezüchtet werden, man nennt das Verfahren Casting-Wettbewerb.
Es ist folgerichtig, dass sich gegen die Berufung des Berufspolitikers
Christian Wulff zum Bundespräsidenten nun Widerstand erhebt. Auf den Halbprofi Horst Köhler muss ein echter Amateur folgen. Was macht eigentlich Verona Pooth?