Seit sich eine große Zahl von Erdenbürgern verspekuliert hat, überdenkt mancher Ökonom sein Menschenbild. Offenbar handeln Anleger doch nicht ganz so rational, heißt es. Affekte seien größer, Motive vielschichtiger. Kurz: alles nicht so einfach.
Diese These vertreten Psychologen schon länger. Damit haben sie zwar noch keine globale Eselei verhindert. Doch sie fanden heraus, wer rationalem Handeln am nächsten kommt: In Testreihen trafen Depressive vernünftigere Entscheidungen als Versuchspersonen mit normalem Gefühlshaushalt.
Niederschmetterndes Ergebnis? Im Gegenteil. In der Krise bedeutet die Weisheit der Traurigen die Rettung. All die überdrehten Aktienhändler müssen emotional nur etwas heruntergedimmt werden, und schon ist Schluss mit Fehlinvestitionen. Die Handelssäle dieser Welt sind unverzüglich schwarz zu streichen. Beschallt werden sie künftig mit einem Klangteppich aus Radiohead, The Cure und dem ein oder anderen Requiem. Statt Businesslunch gibt es Lesungen aus dem neuen Houellebecq-Roman. Wer immer noch gute Laune hat, bekommt nach Art römischer Feldherren einen Einflüsterer zur Seite gestellt, der ihn an seine Sterblichkeit erinnert.
Völlig neu bewertet werden muss zudem das Problem der Staatsverschuldung. Schließlich gilt mit Portugal ausgerechnet ein Land als nächster Pleitekandidat, dessen Bewohner für einen besonders starken Hang zur Schwermut bekannt sind. Portugiesen brauchen keine Sparpakete. Gebt ihnen nur allen ein dickes Aktienpaket.