Was bewegt Märkte? Harte Fakten - und die Psychologie der Anleger. Charttechnisch orientierte Investoren glauben, aus Kursbewegungen der Vergangenheit Aussagen für die Zukunft ableiten zu können. Viele Fundamentalisten sehen es pragmatisch: Wenn Charttechniker bestimmte Marken benennen, muss ich sie wenigstens kennen. In dieser Serie beleuchten wir börsentäglich die Situation im Dax.
Von Mitte März bis Anfang Juni hat der Deutsche Aktienindex (DAX) fast 1300 Zähler verloren, eine Gegenbewegung zurück nach oben kommt daher nicht überraschend. Doch ob sich aus der freundlichen Tendenz der vergangenen beiden Wochen auch ein vollwertiger neuer Aufwärtstrend entwickelt, ist alles andere als gewiss.
Aktuell stoppt die Erholung exakt an der Stelle, an welcher der Index 38,2 Prozent der vorangegangenen Abwärtswelle wieder aufgeholt hat. Dieses bei rund 6275 Punkten verlaufende Fibonacci-Retracement ist ein beliebtes Kursziel unter Charttechnikern. Der größere Verkaufsdruck dürfte aber um 6450 Zähler anstehen, hier treffen die seit Beginn der Korrektur bestehende Abwärtstrendgerade und die ebenfalls stark beachtete 55-Tage-Durchschnittslinie zusammen.
Ein Sprung über diese Hürde wäre bereits ein relativ sicheres Signal für einen Umschwung der mittelfristigen Bewegungsrichtung von abwärts zu seitwärts. Kurzfristig hat der Index diesen Schritt mit der Rückeroberung der Barriere bei 6230/6300 Punkten schon vollzogen.
Mit einer erhöhten Abgabebereitschaft im Falle einer stärkeren Erholung ist dann auch noch bei 6525 bis 6590 Zählern zu rechnen, hier liegt das 50-Prozent-Retracement der zuvor genannten Abwärtsbewegung, der DAX hätte dort also die Hälfte der angefallenen Verluste wieder aufgeholt. Damit zusammen fällt ein schwächerer horizontaler Widerstand. Werden auch diese Hürden übersprungen, bessert sich die Prognose noch einmal deutlich. Allerdings ist aus heutiger Sicht die Wahrscheinlichkeit für dieses Szenario noch eher gering.