Was bewegt Märkte? Harte Fakten - und die Psychologie der Anleger. Charttechnisch orientierte Investoren glauben, aus Kursbewegungen der Vergangenheit Aussagen für die Zukunft ableiten zu können. Viele Fundamentalisten sehen es pragmatisch: Wenn Charttechniker bestimmte Marken benennen, muss ich sie wenigstens kennen. In dieser Serie beleuchten wir börsentäglich die Situation im Dax.
Die seit März bestehende Abwärtstrendgerade wurde zum Wochenwechsel durchbrochen, und damit auch die 55-Tage-Linie zurück erobert. Nach einigem Zögern brechen die Notierungen am Montagvormittag nun auch über die eineinhalb Monate alte horizontale Widerstandszone bei 6450 Punkten aus. Es ist unverkennbar, dass knapp über dieser Hürde einige automatische Kauforders platziert waren. Kaum war sie überschritten, schoss der Deutsche Aktienindex (DAX) um weitere 40 Punkte nach oben.
Es ist ein positives Signal, dass Marktteilnehmer erstmals seit Monaten auch oberhalb dieser Chartmarken wieder zugreifen. Eine Fortsetzung des Abwärtstrends wird dadurch zunehmend unwahrscheinlicher. Allerdings bedeutet das im Umkehrschluss nicht automatisch, dass nun ein Aufwärtstrend folgt.
Eine Seitwärtsbewegung ist vorläufig der nächste Schritt, wobei sich als deren Obergrenze der nach wie vor intakte Widerstand bei 6520/90 Punkten erweisen könnte. Dort hätte der Index die Hälfte der jüngsten Abwärtswelle von 7194 (März-Zwischenhoch) auf 5914 Zähler (Juni-Zwischentief) wieder aufgeholt. Erst darüber dreht der Wind dann nachhaltig nach Norden. Bereits stehen die Chancen für eine längere Erholung in Richtung der übernächsten charttechnischen Barriere bei 6850 Punkten gut, vielleicht sogar für einen Anstieg darüber hinaus.
Erst bei Notierungen unterhalb der einzigen noch verbliebenen kurzfristigen Haltezone bei 6080/6100 Punkten würde sich die Prognose wieder verschlechtern, dann ist der Weg nach unten zunächst frei.