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Merken   Drucken   24.01.2011, 18:26 Schriftgröße: AAA

Debatte über Mifid-Neufassung: Dunkle Aktiengeschäfte beunruhigen Profi-Investoren

Die Beliebtheit von Dark Pools macht mittlerweile auch der Finanzindustrie sorgen. Ihr Lobbyverband schlägt nach einer Untersuchung Alarm - und fordert mehr Transparenz. von Barbara Schäder  Frankfurt
Die Zunahme intransparenter Geschäfte in sogenannten Dark Pools hat für viele Investoren finanzielle Nachteile. Zu diesem Schluss kommt eine am Montag veröffentlichte Studie des CFA-Instituts, eines Zusammenschlusses professioneller Investoren in mehr als 100 Ländern. Je intransparenter die Märkte, desto schlechter funktioniere die Preisfindung bei Aktien. Deutschland schneidet in der Untersuchung besonders schlecht ab. Die CFA-Experten sprechen sich vor diesem Hintergrund für eine Verschärfung der von der Finanzbranche einst erbittert bekämpften EU-Richtlinie Mifid aus.
Viele Wertpapiere werden abseits etablierter Handelsplätze wie der ...   Viele Wertpapiere werden abseits etablierter Handelsplätze wie der Frankfurter Börse gehandelt
Die Mifid-Richtlinie (Markets in Financial Instruments Directive) wurde am 1. November 2007 eingeführt, um den Wettbewerb unter den Handelsplätzen anzukurbeln. Die Monopolstellung von Deutscher Börse , NYSE Euronext  und London Stock Exchange  wurde tatsächlich geknackt. Alternative Handelsplattformen wie Chi-X und Bats machen den etablierten Börsen Konkurrenz. Laut Zahlen der Europäischen Wertpapieraufsichtsbehörde ESMA gibt es inzwischen 138 solcher Handelsplattformen, genannt Multilateral Trading Facilities (MTF).
Mit der Zahl der Anbieter nahm aber auch der Handel in Dark Pools zu. Sie haben für institiutionelle Investoren den Vorteil, dass sie Aktien in enormer Stückzahl handeln können, ohne dass andere es merken. So lässt sich zum Beispiel vermeiden, dass der Kurs beim Verkauf eines großen Aktienpakets einbricht.
Anders als traditionelle Börsen bieten viele der neuen Handelsplattformen neben einem offenen Orderbuch, in dem die Kauf- und Verkaufsangebote für alle Marktteilnehmer sichtbar sind, auch ein "dunkles" Orderbuch an. Ein Beispiel dafür ist Chi-X Delta. Unter diesem Titel bietet Chi-X Investoren seit Mai 2009 die Möglichkeit, Orders ohne Preisgrenze und Stückzahl der Aktien abzugeben. Diese Aufträge werden dann zu dem Preis abgewickelt, der sich aus dem Mittelwert zwischen Einkaufs- und Verkaufspreisen an einer Börse ergeben, an der die fragliche Aktie notiert ist. Die Ordergrößen und die Preise, zu denen die Geschäfte abgewickelt wurden, werden erst nachträglich von den Handelsplattformen veröffentlicht.
Der Umsatz in solchen dunklen Orderbüchern von MTF-Handelsplattformen ist der CFA-Studie zufolge in den vergangenen zwei Jahren gewaltig gestiegen. Während er sich Anfang 2008 europaweit auf einige hundert Mio. Euro belief, erreichte er im Oktober 2010 18 Mrd. Euro.
46 Prozent der Aktien-Transaktionen im Dunkeln abgewickelt
Daneben gibt es schon seit je her Geschäfte, die abseits von Handelsplattformen direkt zwischen Käufer und Verkäufer abgewickelt werden und damit gar nicht ans Licht der Öffentlichkeit gelangen. Rechnet man diese OTC-Geschäfte ("Over the Counter") mit den dunklen Orderbüchern der MTFs zusammen, so wurden laut CFA in den vergangenen zwei Jahren durchschnittlich 46 Prozent der in Europa gehandelten Aktien im Dunkeln gekauft oder abgestoßen. Dieser Anteil habe sich kaum verändert, könnte bei einer ungezügelten Ausweitung der MTF-Aktivitäten aber deutlich steigen.
Dass dies für die meisten Investoren von Nachteil wäre, zeigt sich nach Ansicht von Studienautor Rhodri Preece am Beispiel Deutschlands. Das Volumen intransparenter Geschäfte mit Aktien der 30 DAX -Unternehmen lag seinen Berechnungen zufolge in den vergangenen zwei Jahren bereits gleichauf mit dem Umfang der Transaktionen, die über Börsen oder transparente Handelsplattformen abgewickelt wurden.
Dies habe die Preisfindung an den regulären Börsen erschwert: Die Spanne zwischen Kauf- und Verkaufsangeboten für DAX-Aktien war im Untersuchungszeitraum von Januar 2008 bis Oktober 2010 größer als bei britischen, spanischen, französischen und niederländischen Aktien. Preece führt dies darauf zurück, dass sich ein vergleichsweise großer Teil des Handels mit Anteilsscheinen deutscher Unternehmen abseits der Öffentlichkeit im Dunkeln vollzog und damit verlässliche Informationen für die Preisbildung fehlten.
Ein Anstieg der dunklen Geschäfte auf mehr als 50 Prozent werde "das Vertrauen der Investoren in die Marktpreise untergraben", folgert der CFA-Experte. Er spricht sich deshalb für Überlegungen der EU-Kommission aus, mit einer Verschärfung der Mifid-Richtlinie für mehr Transparenz zu sorgen. Dazu sollten nach Preeces Auffassung strikte Mindestgrößen für Aufträge festgelegt werden, die über dunkle Orderbücher abgewickelt werden können.
  • FTD.de, 24.01.2011
    © 2011 Financial Times Deutschland,
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