Jens Korte schreibt als Wall-Street-Korrespondent für die FTD. Schwöre die größte europäische Volkswirtschaft der Gemeinschaftswährung ab, würde der Euro noch stärker fallen - und die verbliebenen Länder könnten mit China konkurrieren. Das ist doch ein Plan. China würde das sicher auch gefallen. Denn, so die Logik weiter, Griechen, Spanier oder Franzosen würden anstelle von Mercedes, BMW oder Volkswagen billigere Importautos aus Fernost kaufen.
Auf den einschlägigen Finanzforen ging der Blödsinn noch weiter. Die ständig miesen Nachrichten aus Griechenland würden die Stimmung an den Märkten verderben und Kursverluste die Amerikaner zig Milliarden Dollar kosten. Da wäre es doch viel billiger, Griechenland einfach aufzukaufen und als 51. Stern auf das US-Sternenbanner zu sticken.
Die teils ernst, teils weniger ernst gemeinten Kommentare haben etwas gemeinsam: Niemand gibt mehr einen Pfifferling auf Athen. John Taylor, einer der einflussreichsten Hedge-Fonds-Manager in New York, erwartet bereits kommenden Monat das Aus für Griechenland. Athen werde die Sparpläne revidieren, die Troika aus EU, EZB und IWF stellte die Zahlungen ein, und im Juni ginge dem Land das Geld aus, so Taylor.
Ohne einen genauen Termin zu nennen, beziffert die Citigroup die Wahrscheinlichkeit, dass Griechenland ausscheidet, mit 75 Prozent. Vor den Wahlen lag die Quote noch bei 50 Prozent. Der griechische Staat gibt immer noch mehr aus, als er einnimmt. Die Differenz tragen derzeit die EU und der Internationale Währungsfonds.
Doch auch IWF-Chefin Christine Lagarde scheint langsam die Geduld zu verlieren. Im kleinen Kreis stöhnt Lagarde darüber, dass sich keinerlei Verbesserungen abzeichneten. Auch die Geduld des IWF scheint endlich. "Kann mir mal jemand erklären, warum der Austritt Griechenlands ein Melodrama sein soll?", lautete eine Frage auf einem Finanzforum. Die Banken zumindest hätten die griechischen Schulden doch längst abgeschrieben. Wie war das noch: lieber ein Ende mit Schrecken als ein Schrecken ohne Ende.