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Merken   Drucken   19.08.2012, 09:37 Schriftgröße: AAA

Der Wall Streeter: Paul Ryan und der Heilige Gral

Die Ernennung von Paul Ryan zum "Vize" von US-Präsidentschaftskandidat Mitt Romney hat die hartgesottenen Konservativen in der Finanzindustrie verzückt. Es ist bereits vom "Dream-Ticket" die Rede.
© Bild: 2012 AFP/TIMOTHY A. CLARY
Die Ernennung von Paul Ryan zum "Vize" von US-Präsidentschaftskandidat Mitt Romney hat die hartgesottenen Konservativen in der Finanzindustrie verzückt. Es ist bereits vom "Dream-Ticket" die Rede.
von Jens Korte

Die Liberalen seien eingeschüchtert. Das mache Spaß, schrieb ein Blogger im "Wall Street Journal". Ryan sei der einzige Mann mit einem tollen Sixpack, also beeindruckenden Bauchmuskeln, schwärmte ein anderer. Das war's mit Obamas sozialistischer Politik, triumphierte ein weiterer Blogger. Paul Ryan sei der Heilige Gral für die Wall Street, titelte die Finanzpresse.

Mit den Erfahrungen aus seiner Tätigkeit bei der Private-Equity-Größe Bain Capital kann Mitt Romney wohl als der Wall-Street-freundlichste Präsidentschaftskandidat der Geschichte bezeichnet werden. Romney will vor allem die Steuerlast für die vermögendsten Amerikaner begrenzen. Und sein Mitstreiter Ryan macht sich stark dafür, das Sozialsystem in den USA zu privatisieren. Klar, ohne den lästigen Staat wird der freie Markt bestimmt die besten Optionen für Rentner aufzeigen.

Paul Ryan, US-Vizepräsidentschaftskandidat   Paul Ryan, US-Vizepräsidentschaftskandidat

Ryan sieht beim Staatsapparat ohnehin gewaltiges Sparpotenzial. Ab 2050 sollen die Behörden nur noch 3,75 Prozent des Bruttoinlandsprodukts ausgeben dürfen. Das betrifft zwar nicht die großen Blöcke wie die staatliche Gesundheitsvorsorge und das staatliche Rentensystem. Doch von Bildung und Arbeitslosenunterstützung über das FBI, die Gesundheitsbehörde und Infrastrukturmaßnahmen bis hin zum Militär soll alles von diesen 3,75 Prozent bezahlt oder dann eben in private Hände gelegt werden.

Möglicherweise ist ja Ryans Heimatstaat Wisconsin bereits Ende der 70er-Jahre in der Bildungspolitik so verfahren. Denn Rechnen scheint nicht zu den Kernkompetenzen des 42-Jährigen zu gehören. Mitt Romney plant allein für den Verteidigungsetat bereits vier Prozent des BIPs ein. Doch im Wahlkampf geht es ohnehin nicht um nervige Details. Da kann Paul Ryan auf seine Energie, Jugend und seinen Sixpack setzen. Und nicht nur an der Wall Street, auch in der Energieindustrie sammeln Romney und Ryan Freunde.

Ryan glaubt nicht, dass der Mensch für die Klimaveränderung verantwortlich ist, und redet daher Steuererleichterungen für Ölkonzerne das Wort. Auch hat er Programme von US-Präsident Barack Obama kritisiert, erneuerbare Energien mit Zuschüssen zu fördern.

Endlich haut mal jemand auf den Tisch, war nach der Nominierung von Ryan oft zu hören. Zu blöd, dass dabei eventuell das Geschirr herunterfällt.


Jens Korte schreibt als Wall-Street-Korrespondent für die FTD.

 

  • FTD.de, 19.08.2012
    © 2012 Financial Times Deutschland
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Kommentare
  • 19.08.2012 11:48:57 Uhr   DrBalthar: Bitte waehlt MItt Romney

    dann ist die USA nach 4 Jahren absolut abgesoffen und verwandelt sich in eine Civil War zone!

  • 19.08.2012 11:10:37 Uhr   Traumschau: Alles wie gehabt!
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