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  Südafrika 2010 FTD-Serie: WM am Kap der guten Hoffnung

Bei der Fußballweltmeisterschaft in diesem Jahr hofft Deutschland wieder auf den Titel. Doch etliche andere Nationen haben mindestens so gute Voraussetzungen wie die DFB-Elf. FTD.de analysiert in einem Spezial die Chancen, verfolgt alle Spiele rund um die WM und präsentiert Fakten, Neuigkeiten und Hintergründe.

Merken   Drucken   18.06.2010, 10:29 Schriftgröße: AAA

Deutschlands WM-Gegner im Wirtschaftstest: Serbien ist angeschlagen

Vor den Spielen Deutschlands checkt die FTD, wie gefährlich unsere Gegner sind. Wo liegen wirtschaftliche Stärken und Schwächen? Zum zweiten Gruppenspiel von Jogis Elf: Serbien. von Mathias Ohanian, Berlin
Mit einem geschätzten Marktwert von 188 Mio. Euro gehört das serbische Team zu den wertvolleren Mannschaften bei dieser Weltmeisterschaft. Konjunkturell könnte sich das krisengebeutelte Land in diesem Jahr aber deutlich schlechter entwickeln als bislang offiziell angenommen. "Serbiens Erholung verläuft zögerlicher als erwartet", sagte Albert Jäger, Delegationsleiter beim Internationalen Währungsfonds (IWF), kürzlich in Belgrad. Bislang gehen Fonds und serbische Regierung für 2010 von einem Wachstum von rund anderthalb Prozent aus.
Die Teams im Vergleich   Die Teams im Vergleich
Doch nach Ansicht der Experten der Unicredit Bank und des Wiener Instituts für Internationale Wirtschaftsvergleiche (WIIW) könnte die Wirtschaft auch schwächeln. "Das Wachstum könnte am Ende nur ein Prozent betragen", sagte Vladimir Gligorov, Forscher am WIIW. Auch Stagnation sei 2010 nicht auszuschließen. Noch einen Schritt weiter geht Goran Saravanja, Chefökonom für Südosteuropa bei Unicredit . "Wir erwarten, dass die Wirtschaft auch 2010 weiter schrumpfen wird", sagte er. Unicredit rechnet mit einem Minus von 0,5 Prozent. 2009 sank das Bruttoinlandsprodukt (BIP) um drei Prozent.
Nach dem Zusammenbruch der US-Bank Lehman Brothers im September 2008 stieg mit der weltweiten Verunsicherung auch das Misstrauen der serbischen Bevölkerung. Immer mehr Bürger brachten ihre Ersparnisse in Sicherheit. Insgesamt hoben die Haushalte fast zwei Prozent ihrer Bankeinlagen ab. Im Herbst 2008 handelte die serbische Regierung und beantragte Hilfe beim IWF. Insgesamt wurden Kreditlinien von rund 3 Mrd. Euro in mehreren Tranchen für den maladen Balkanstaat vereinbart.
Und tatsächlich war die Verunsicherung der serbischen Sparer nachvollziehbar. Denn neben einer Verschuldung von 64 Prozent der Wirtschaftsleistung in 2008 war die Volkswirtschaft von einem massiven Leistungsbilanzdefizit gekennzeichnet. Das Minus lag 2008 bei 17 Prozent des BIPs. "Dafür sorgten in den Jahren zuvor hohe Kapitalzuflüsse und ein starkes Kreditwachstum", so Saravanja von Unicredit.
Für diese Entwicklung sind die Serben mitverantwortlich. Viele arbeiten im Ausland und transferieren einen Teil ihres Verdiensts in die Heimat, wo es vor allem in den Konsum fließt oder zum Bau von Altersdomizilen verwendet wird.
Mittlerweile ist das externe Defizit auf rund sechs Prozent gefallen. "Die Importe sind eingebrochen", so Saravanja. Und auch künftig dürfte die Binnennachfrage bescheiden sein. "Der Konsum bleibt gedämpft", so WIIW-Experte Gligorov. Das liegt nicht zuletzt am IWF-Programm, das unter anderem ein Einfrieren der öffentlichen Gehälter und Pensionen vorsieht. Ferner verlangt der Fonds, dass das Haushaltsdefizit 2011 bei vier Prozent liegen soll - angesichts eines Fehlbetrags von 4,5 Prozent in 2009 eine wohl lösbare Aufgabe. Und auch das größte Problem, das Leistungsbilanzdefizit, könnte Serbien in den Griff bekommen. "Die serbischen Exporte erholen sich, und die Handelsbilanz wird gestärkt", sagte IWF-Kontrolleur Jäger.
Hoffnungen für die WM können sich die Serben laut Ökonomen auch machen. Zwar prognostizieren die Experten der Danske Bank mithilfe eines Regressionsmodell anhand von Faktoren wie Einkommensniveau, Fußballhistorie und Einwohnerzahl, dass Serbien das Vorrundenspiel gegen Deutschland verliert. Als Gruppenzweiter dürfte Serbien am Ende aber ins Achtelfinale einziehen.
03:04:25 Kursinformationen und Charts
Name aktuell  absolut  
Unicredit 2,518 EUR   -0,71%  -0.018
  • Aus der FTD vom 18.06.2010
    © 2010 Financial Times Deutschland,
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