Japan stemmt sich gegen eine Rezession: Nach dem Einbruch der Wirtschaftsleistung im vierten Quartal will die Notenbank in Tokio weitere 10.000 Mrd. Yen (97 Mrd. Euro) in die Märkte pumpen. Das laufende Programm zum Aufkauf japanischer Staatsanleihen und anderer Wertpapiere werde damit auf insgesamt 30.000 Mrd. Yen (292 Mrd. Euro) aufgestockt, teilte die Bank of Japan am Dienstag mit. Ein parallel zu den Anleihekäufen auf den Weg gebrachtes Kreditprogramm im Volumen von 35.000 Mrd. Yen bleibe unverändert.
Das klassische Instrument zur Stützung der Konjunktur haben die Japaner schon ausgereizt: Wie in den USA und Europa liegt der Leitzins auf einem Rekordtief. Doch auch in einigen Schwellenländern haben die Notenbanken den Geldhahn aufgedreht. Eine Übersicht.
Die japanische Wirtschaft schrumpfte im zurückliegenden Quartal um 0,6 Prozent. Sie leidet unter dem starken Yen : Im vergangenen Jahr kletterte die Devise gegenüber dem Euro um 8,9 Prozent. Als einzige bedeutende Handelswährung legte der Yen auch gegenüber dem Dollar kontinuierlich zu, bis Ende 2011 um insgesamt 5,5 Prozent.
Die Aufwertung erschwert den Absatz japanischer Waren auf dem Weltmarkt und ist deshalb Gift für exportorientierte Unternehmen wie Toyota oder Sony . Hinzu kam, dass Überschwemmungen in Thailand die Produktion in Fabriken und Zulieferbetrieben mehrerer japanischer Konzerne lahmlegte.
Dass der Yen trotz dieser widrigen Umstände weiter zulegte, hängt mit der Wettbewerbsfähigkeit der japanischen Wirtschaft zusammen: Unter den sieben großen Industriestaaten (G7) ist Japan neben Deutschland seit Jahren das einzige Land mit einem Leistungsbilanzüberschuss. Im Lichte der zuletzt deutlich besseren Konjunkturdaten aus den USA könnte sich das Blatt allerdings wenden, seit Jahresbeginn verlor der Yen gegenüber dem Dollar 1,5 Prozent an Wert.
Die starke Währung trägt dazu bei, dass die Preise in Japan sinken. Denn sie drückt die Importkosten der Unternehmen. Während andere Länder gerade in Asien mit hohen Teuerungsraten kämpfen, leidet Japan unter einer Deflation: In Erwartung eines weiteren Preisrückgangs halten sich die Verbraucher mit großen Anschaffungen zurück.
Die Bank of Japan kündigte deshalb am Dienstag an, ihre Geldpolitik solange zu lockern, bis die Inflationsrate auf ein Prozent steige. Im Dezember lagen die Verbraucherpreise 0,2 Prozent unter dem Vorjahresniveau.
Der Leitzins liegt seit Oktober 2010 zwischen 0 und 0,1 Prozent. Bei diesem klassischen geldpolitischen Mittel hat die Bank of Japan also keinerlei Spielraum mehr.
Die Bank of England kündigte in der vergangenen Woche an, weitere 50 Mrd. Pfund (60 Mrd. Euro) auf den Markt zu werfen. In den vergangenen drei Jahren erwarben die Währungshüter um Notenbankchef Mervyn King bereits Wertpapiere im Wert von 275 Mrd. Pfund, davon 200 Mrd. Pfund während der Wirtschaftskrise 2009. Im Lichte von Euro-Krise und Konjunkturabkühlung wurde das Programm im Oktober wieder aufgenommen, die seither ausgegebenen 75 Mrd. Pfund reichen nach Auffassung der Notenbank nicht.
Denn die britische Wirtschaft ist im zurückliegenden Quartal um 0,2 Prozent geschrumpft. Für eine Leitzinssenkung hat die Bank of England kaum noch Spielraum: Der für die Refinanzierung der Geschäftsbanken entscheidende Satz liegt schon seit März 2009 auf dem Rekordtief von 0,5 Prozent.
Das Vereinigte Königreich hat sich von den Krisenjahren 2008 und 2009 noch nicht erholt. Damals schrumpfte die Wirtschaftsleistung um insgesamt 5,6 Prozent. Nach einem Plus von 2,1 Prozent 2010 ging es im vergangenen Jahr nur noch um schwache 0,9 Prozent aufwärts. Die Arbeitslosenquote liegt bei 8,4 Prozent, das ist der höchste Stand seit 15 Jahren.
Trotzdem ist die lockere Geldpolitik umstritten, denn die Inflationsrate liegt mit 3,5 Prozent deutlich über dem von der Bank of England angestrebten Ziel von zwei Prozent. Angesichts der Abkühlung des Wirtschaftswachstums auch in Kontinentaleuropa sowie in den Schwellenländern rechnet die Notenbank aber mit einem Rückgang der Teuerungsraten. Die Inflation wurde aus Sicht der Währungshüter vor allem durch die hohen Weltmarktpreise für Öl und andere Rohstoffe angeheizt. Hinzu kam eine Mehrwertsteuererhöhung Anfang 2011.
Trotz einer Konjunkturbelebung im zweiten Halbjahr 2011 will die US-Notenbank Federal Reserve die geldpolitischen Zügel noch lange nicht anziehen: Der Offenmarktausschuss, das wichtigste Entscheidungsgremiums der Fed, stellte auf seiner jüngsten Sitzung Niedrigzinsen bis Ende 2014 in Aussicht. Seit dem Höhepunkt der Finanzkrise Ende 2008 liegt die Zielspanne für den Satz, zu dem sich die Geschäftsbanken untereinander Geld leihen, auf einem Rekordtief von 0,0 bis 0,25 Prozent.
Fed-Chef Ben Bernanke deutete zudem weitere Konjunkturhilfen an: "Wenn es so weiter geht mit einem sehr, sehr langsamen Rückgang der Arbeitslosigkeit, dann ist es doch nur logisch, dass wir nach Wegen suchen müssen, mehr zu tun", sagte er nach der Sitzung. Das wurde als Hinweis interpretiert, dass die Fed ähnlich wie die Notenbanken in Japan und Großbritannien weitere Wertpapierkäufe starten könnte.
Die US-Notenbank hatte im November 2008 als erste zu diesem Mittel gegriffen. Unter dem Titel "Quantitative Easing", zu deutsch geldpolitische Lockerung, erwarb sie bis Juni vergangenen Jahres Wertpapiere im Volumen von 2300 Mrd. Dollar - darunter 900 Mrd. Dollar an US-Staatsanleihen.
Seit dem Sommer sich die Fed darauf, die Einnahmen aus auslaufenden Papieren in ihrer Bilanz in neue Schuldtitel zu stecken. Zudem werden Anleihen mit einer Restlaufzeit von drei Jahren und weniger gegen Treasuries getauscht, die frühestens in sechs Jahren fällig werden. Damit stützt die Notenbank die Kurse langlaufender Treasuries und senkt die Renditen, an denen sich die Marktzinsen für längerfristige Kredite orientieren. Insgesamt will die Fed Langläufer im Volumen von 400 Mrd. Dollar auf ihre Bilanz nehmen.
Die Europäische Zentralbank (EZB) kauft seit Mai 2010 Staatsanleihen hoch verschuldeter Euro-Staaten. Im Gegensatz zur US-Notenbank Fed bemüht sie sich allerdings, die durch das Kaufprogramm in die Märkte geflossenen Milliardensummen wieder abzuschöpfen. Dazu bieten die Währungshüter den Geschäftsbanken im Wochenrhythmus an, Geld gegen Zinsen auf einem EZB-Konto zu parken.
Erklärtes Ziel der EZB-Käufe ist nämlich nicht die Vermehrung der Geldmenge, sondern eine Beruhigung der Anleihemärkte. Die Kurse von Schuldtiteln der Euro-Sorgenkinder waren im vergangenen Jahr kräftig gefallen, weil ihre Inhaber an der Rückzahlung zweifelten und die Papiere abstießen. Käufer fanden sich nur noch, wenn sie als Ausgleich für das Risiko eine hohe Rendite bekamen. Kursverfall und Renditeanstieg wiederum wirkten auf alle Marktteilnehmer als Alarmsignal. Das führte dazu, dass die betroffenen Staaten bei der Emission neuer Anleihen - also für die Aufnahme frischer Kredite an den Finanzmärkten - höhere Zinsen bieten mussten.
In den vergangenen Wochen sind die Refinanzierungskosten von Staaten wie Italien, Spanien und Portugal wieder leicht zurückgegangen. Die Anleihekäufe der EZB können aber kaum der Grund dafür sein, weil die Währungshüter sie zuletzt deutlich zurückgefahren haben. Vermutet wird, dass ein anderes EZB-Programm den Ausschlag gab: Seit dem Amtsantritt ihres neuen Präsidenten Mario Draghi brachte die Notenbank eine ganze Serie von Erleichterung für die Banken auf den Weg.
Der Leitzins wurde in zwei Schritten von 1,5 auf 1,0 Prozent gesenkt und befindet sich damit nach wenigen Monaten Unterbrechung wieder auf Rekordtief. Zudem erweiterte die EZB die Liste an Wertpapieren, die sie als Pfand für Darlehen an die Geschäftsbanken akzeptiert.
Im Dezember bot die Notenbank den Instituten erstmals einen Kredit mit drei Jahren Laufzeit an. Mehr als 500 Banken nutzten die Gelegenheit, um 490 Mrd. aufzunehmen. Ein Teil dieses Geldes wurde seit Jahresbeginn vermutlich in Staatsanleihen hoch verschuldeter Länder gesteckt - zumal diese Papiere wiederum als Sicherheiten für den nächsten Dreijahrestender Ende Februar genutzt werden können.
Für die Banken ist das kein schlechtes Geschäft: Dreijährige italienische Staatsanleihen beispielsweise bringen derzeit eine Rendite von 3,4 Prozent. Dieser Ertrag fließt weiter an die Inhaber, auch wenn sie die Papiere als Pfand bei der EZB hinterlegen - gleichzeitig bekommen sie dafür einen Dreijahreskredit zu deutlich niedrigeren Zinsen.
In den großen Schwellenländern sind die Leitzinsen noch immer vergleichsweise hoch. Denn anders als viele Industriestaaten erfreuten sie sich im vergangenen Jahr noch kräftiger Wachstumsraten, vordringlich war die Bekämpfung der Inflation. Doch mittlerweile wächst selbst in Boom-Staaten wie China die Sorge vor einer Konjunkturabkühlung. Die Zentralbank in Peking lockerte im November erstmals seit drei Jahren die Mindestreservevorgaben für Banken. Sie müssen jetzt 21 Prozent ihrer Einlagen als Sicherheitspolster bei der Notenbank hinterlegen, zuvor hatte die Quote auf einem Rekordhoch von 21,5 Prozent gelegen.
Ende Januar zog die indische Zentralbank nach und reduzierte die Mindestreservequote von 6,0 auf 5,5 Prozent. Es war die erste Absenkung seit 2009. Die brasilianische Notenbank senkte ihren Leitzins seit August um zwei Prozentpunkte auf 10,5 Prozent. Russland machte im Dezember eine Erhöhung vom Februar wieder rückgängig, der Leitzins liegt jetzt bei acht Prozent.