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FTD-Serie: Das Bankenbeben

Die Finanzkrise verändert die weltweite Bankenlandschaft rasant. Pleiten, Fusionen, Ausverkäufe - die Finanzwelt wird von einem Beben erschüttert, bei dem kaum ein Stein auf dem anderen bleibt.
Merken   Drucken   04.12.2008, 23:55 Schriftgröße: AAA

Die Ereignisse vom 4. Dezember: US-Renditen auf 50-Jahrestief

So wenig haben US-Staatsanleihen seit Jahreszehnten nicht abgeworfen: Der späte Kursrutsch an der Wall Street hat die Investoren en masse in die Papiere getrieben. Der Ölpreis gibt nochmals fast 7 % nach. Schon im Januar könnte der europäischen Leitzins weiter sinken, glauben Volkswirte. FTD.de protokolliert die Ereignisse der Finanzkrise.

23.52 Der späte Kursrutsch an der Wall Street hat die Anleger in sichere Staatsanleihen fliehen lassen. Durch die Käufe sank die Rendite der Papiere deutlich. Zeitweise warfen sie so wenig ab wie seit 50 Jahren nicht mehr. Davon waren sowohl Staatsanleihen mit 10- wie mit 30-jähriger Laufzeit betroffen.

22.06 Zu Beginn der letzten Handelsstunde an der Wall Street sind die US-Börsen kräftig ins Rutschen geraten: Nachdem sich die Standardwerte im Dow Jones  zuvor auf Vortagesniveau gehalten hatten, verlor der US-Leitindex bis Handelsschluss 215 Zähler oder 2,5 Prozent auf 8376 Punkte. Zwischenzeitlich hatte das Minus sogar gut 300 Punkte betrage. Auch der breit gefasste S&P 500  gab deutlich nach und verlor fast drei Prozent auf 845 Zähler. Vom Abwärtssog wurde auch der Composite-Index  der Computerbörse Nasdaq erfasst: Er beendet den Handel bei 1446 Zählern und damit 3,1 Prozent unter dem Vortagesniveau.

20.58 Die Ölnotierung sind wegen der weltweiten Konjunktursorgen weiter abgerutscht. Für ein Fass (159 Liter) US-Leichtöl der Sorte WTI SPOT wurden zeitweise nur 43,67 $ bezahlt. Das sind 3,12 $ oder 6,7 % weniger als am Vortag.

19.31 Nach der größen Zinssenkung in der Geschichte der Europäischen Zentralbank (EZB) erwarten Ökonomen in den kommenden Monaten noch weitere Schritte im Kampf gegen die Wirtschafts- und Finanzkrise. Bei einer Reuters-Umfrage am Donnerstag direkt im Anschluss an den Beschluss des EZB-Rats rechneten 44 von 51 befragten Volkswirten mit einer neuerlichen Zinssenkung im Januar. Die Mehrheit erwartet sogar eine Senkung um 50 Basispunkte. Die EZB hatte den Leitzins am Nachmittag um 75 Basispunkte auf 2,50 Prozent gesenkt - so stark wie noch nie seit dem Start des Euro vor zehn Jahren. Den Tiefpunkt der Zinssenkungen prognostizieren die von Reuters befragten Experten nun am Ende des zweiten Quartals 2009 bei 1,5 Prozent. In der zweiten Jahreshälfte wird der Leitzins dann nach Meinung der Experten verändert bleiben.

18.25 Berg-und-Talfahrt an der Wall Street: Nachdem der Dow Jones mehrere Male im Handelsverlauf das Vorzeichen gewechselt hatte, gräbt er sich zuletzt tief in der Verlustzone ein. Er rutscht auf das Tagestief von 8476 Zählern, ein Minus von 1,3 Prozent oder 115 Punkten. Auch S&P 500 und Nasdaq Composite notieren inzwischen deutlich negativ.

17.56 Der CEO Economic Outlook Index ist in den USA auf den tiefsten Wert seiner sechsjährigen Geschichte gefallen. Von 78,8 Punkten im dritten Quartal stürzte das Konjunkturbarometer auf nur noch 16,6 Punkte im vierten Quartal. Ein Wert unter 50 zeigt an, dass die Befragten mit schrumpfenden Geschäften rechnen. Die Firmenchefs, die zusammen zehn Millionen Menschen beschäftigen und jährlich 5000 Mrd. $ umsetzen, blicken so skeptisch in die Zukunft wie noch nie: 60 Prozent von ihnen erwarten im kommenden halben Jahr Stellenstreichungen, 52 Prozent wollen Ausgaben kürzen. Fast die Hälfte rechnet mit rückläufigen Verkäufen.

17.47 Selbst mit der höchsten Zinssenkung seit der Einführung des Euro vor zehn Jahren hat die Europäische Zentralbank (EZB) die Anleger nicht zurück an den deutschen Aktienmarkt gelockt. Der Dax  schloss nach einem umsatzarmen Handel am Donnerstag mit 4564 Punkten rund 0,1 Prozent unter dem Vortagesschluss.

17.41 Die Absatzkrise in der Automobilindustrie greift auch in Schwellenländern weiter um sich: In Brasilien brach der Verkauf neuer Autos und Lastwagen im November um mehr als ein Viertel ein. Der Verband der Autobauer, Anfavea, warf deshalb am Donnerstag seine bisherigen Wachstumserwartungen für 2008 über Bord. Die Branche rechnet nun im Gesamtjahr nur noch mit einem Absatzplus von rund 14 Prozent statt bisher rund 24 Prozent.

17.09 Die isländische Währung hat deutlich gegen den Euro aufgewertet. Die Krone gewann am Mittwoch sieben Prozent im Inlandshandel. Island hatte erstmals neue Regeln angewandt, wonach einheimische Banken verstärkt als Primärhändler auftreten konnten. Der Kurs der Krone zum Euro stieg auf 175:1. Am Vortag mussten für einen Euro noch 187 Kronen gezahlt werden. In der Vorwoche hatte Island den Geldfluss stark eingeschränkt und so den Offshore-Handel mit Kronen effektiv zum Erliegen gebracht. Die Währung hat in diesem Jahr zwei Drittel ihres Werts gegen den Euro verloren. Seit Mitte Oktober hatte die Zentralbank im Zuge der Finanzkrise mehrfach erfolglos versucht, den Wechselkurs zum Euro zu fixieren.

16.11 Die Auftragslage der US-Industrie hat sich im Oktober weiter verschlechtert. Die Bestellungen seien im Vergleich zum Vormonat um 5,1 Prozent gesunken nach einem revidierten Minus von 3,1 Prozent im September, teilte das Handelsministerium mit. Analysten hatten mit einem Minus von 4,0 Prozent gerechnet. Die üblicherweise stark schwankende Nachfrage nach Zivilflugzeugen fiel um 4,8 Prozent. Im gesamten Transportbereich ergab sich damit insgesamt ein Minus von 11,2 nach einem Plus von 5,5 Prozent im Vormonat. Ohne diesen Sektor sank der Auftragseingang um 4,2 Prozent.

15.56 Die Richtung im Dax bleibt unklar: Der deutsche Leitindex verbucht zwischenzeitlich einen Gewinn von rund 0,9 Prozent. Kurz zuvor drehte der Wert ins Minus und reagierte damit empfindlich auf die Zinssenkung der EZB.

15.41 Der Dow Jones  geht mit einem Abschlag in den Handel: Der US-Leitindex verlor in den ersten Handelsminuten 74 Zähler auf 8517 Stellen. Besonders die Nachricht über den Stellenabbau bei dem US-Telekommunikationskonzern AT&T drückte den Wert. Der Konzern will 12.000 Stellen streichen. Das entspreche rund vier Prozent der Gesamtbelegschaft, teilte das Unternehmen mit.

14.59 Die Zahl der US-Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe fiel unerwartet um 21.000 auf 509.000, teilte das US-Arbeitsministerium mit. Der weniger schwankungsanfällige Vier-Wochen-Durchschnitt stieg allerdings um 6250 auf 524.500 Erstanträge und kletterte damit auf ein 16-Jahreshoch.

Weiter: 14.24 Uhr bis 12.39 Uhr

  • FTD.de, 04.12.2008
    © 2008 Financial Times Deutschland
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