Das schwarze Loch der Investmentbranche hatte eine starke Anziehungskraft. Im Dezember wollten Anleger den Herald US Absolute Return massenhaft kaufen. Der Fonds versprach acht Prozent Rendite ohne Schwankungen. So wie der für Neuanlagen geschlossene Thema Hedged US Equity Fund. Von dem riesigen Schneeballsystem, das sich hinter dem Namen Madoff verbarg, hat Anfang Dezember niemand etwas geahnt. Der Name Bernard Madoff tauchte offiziell in keinem Dokument auf.
Die Verlockung einer stabilen Rendite über dem Geldmarktzins war für viele Investoren groß. Besonders Dachfonds mit einem Absolute-Return-Ansatz sahen die Produkte, die sich jetzt als Madoff-Fonds entpuppten, als ein ideales Instrument für ihr Portfolio. Ein großer Fan war zum Beispiel der Dachfondsmanager Bernd Greisinger, der von dem "Schneeballsystem alter Machart" überrascht wurde. In seinen fünf Fonds betrug die Madoff-Quote durchschnittlich 40 Prozent. Greisinger zählte auch zu den Investoren, die im zweiten Halbjahr 2008 Herald-Fonds kauften und nun versuchen wollen, "die Vermögenswerte zurückzuholen".
Dachfonds wie der BG Global Dynamic und der Carat Global One mit einem sehr hohen Anteil an Herald- und Thema-Fonds haben ihre Preisfeststellung ausgesetzt, als die Depotbank
HSBC den Handel stoppte. Andere Dachfonds mit einem geringeren Anteil an den vermutlich wertlosen Papieren schrieben diese ab und mussten damit am 16. Dezember einen Kursrückgang ausweisen. Betroffen von dem Skandal sind nicht nur kleinere Dachfonds, sondern auch der renommierte UBS Sauerborn-Vermögensstrategie I mit einem Volumen von mehr als 500 Mio. Euro.
Die Verluste gehen in die Milliarden. Das allein ist schlimm genug, doch das Geld vieler Anleger war im System noch gar nicht angekommen. Anfang Dezember lagen offensichtlich Kauforders in Millionenhöhe vor - mehr als 100 Mio. Euro, vermutet ein Insider. Allein beim Finanzdienstleister Carat waren es rund 1,2 Mio. Euro.
Die von der Affäre betroffenen Thema- und Herald-Fonds wurden nur zweimal im Monat gehandelt. Das ist für Fonds mit einem alternativen Ansatz oder Hegde-Fonds durchaus üblich. Das Geld für den Ordertermin Mitte Dezember wurde an die Depotbank in Luxemburg, eine Tochter von HSBC, überwiesen. Doch diese stornierte angesichts der dann publik gewordenen Madoff-Affäre alle Aufträge. Von den gar nicht investierten Beträgen fehlt jedoch jede Spur.
Die Verluste im System Madoff innerhalb der Thema- und Herald-Fonds sowie ausstehende Rücküberweisungen der stornierten Geschäfte sind ein Drama für die Investmentbranche. Das Prinzip Fonds basiert auf einer Arbeitsteilung zwischen Kapitalanlagegesellschaft und Depotbank, die das Vermögen treuhänderisch verwahrt. Im Fall der von Madoff betroffenen Fonds waren als Depotbanken die Ableger von HSBC in Luxemburg und Irland verantwortlich. Von ihnen ist bislang nichts zu hören. Daher planen die betroffenen Fondsgesellschaften, einzuschreiten.
Das Schweigen der Depotbanken lässt Raum für Spekulationen, was in den Fonds tatsächlich passiert ist. Die Rechenschaftsberichte geben keinen Aufschluss, da die Stichtagsbetrachtung nicht erklären kann, was der Fondsmanager macht. Im jüngsten Jahresbericht des Thema US Equity finden sich mehr als 90 Prozent US-Staatsanleihen. Tatsächlich wurde die Kursentwicklung über Optionsgeschäfte und Derivate erzielt - oder vorgegaukelt.
Die Fondsbranche und die Anleger hoffen jetzt darauf, dass die Depotbank erklärt, wo das Geld geblieben ist, und den Schaden ersetzt. Könnte sich HSBC in dem Fall aus der Verantwortung stehlen, wäre das Prinzip der treuhänderischen Verwaltung beschädigt. "Die Fondsgesellschaften bereiten rechtliche Schritte vor", sagt Karl Stäcker, Geschäftsführer von Frankfurt Trust.
Der jüngste Betrugsfall in der Fondsbranche ging glimpflich aus. Die Deutsche Bank entschädigte 1996 Investoren für Luftbuchungen ihres Managers Peter Young. Das Loch bei Madoff dürfte schwieriger zu stopfen sein.
Der vollständige Beitrag steht in der aktuellen Ausgabe des Anlegermagazins "Börse Online".