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Merken   Drucken   06.10.2011, 11:43 Schriftgröße: AAA

Dünne Sicherheitspolster: EU-Aufsicht rechnet Kapitalbedarf der Banken nach

Die Regierungen diskutieren über Staatshilfen für die angeschlagene Branche. Der Internationale Währungsfonds hält bis zu 200 Mrd. Euro für nötig. Die Europäische Bankenaufsicht EBA arbeitet drei Monate nach dem letzten Stresstest an einer neuen Diagnose zum Zustand der Geldhäuser.
© Bild: 2010 Jerry Lampen / Reuters
Die Regierungen diskutieren über Staatshilfen für die angeschlagene Branche. Der Internationale Währungsfonds hält bis zu 200 Mrd. Euro für nötig. Die Europäische Bankenaufsicht EBA arbeitet drei Monate nach dem letzten Stresstest an einer neuen Diagnose zum Zustand der Geldhäuser. von Barbara Schäder  Frankfurt
Angesichts der Warnungen vor einer neuen Bankenkrise überprüft die Europäische Aufsichtsbehörde EBA die Kapitalausstattung der Geldhäuser. Das bestätigte eine Sprecherin am Donnerstag der Nachrichtenagentur Reuters. Nur drei Monate nach dem jüngsten Stresstest der European Banking Authority (EBA) hinterfragt die Behörde damit ihre eigene Diagnose. Laut einem Bericht der Financial Times (FT) prüft die EBA diesmal auch die Folgen möglicher Staatspleiten in der Euro-Zone. Bei dem Stresstest im Sommer war dieses politisch brisante Szenario noch ausgeklammert worden.
Die EBA wolle prüfen, wie sich Abschreibungen auf Staatsanleihen hoch verschuldeter Länder auf die Bilanzen der Banken auswirken würden, schreibt die FT. Bislang haben die meisten Institute lediglich einen Teil ihrer griechischen Staatsanleihen wertgemindert. An den Märkten werden aber längst auch Schuldtitel Portugals und Irlands mit hohen Abschlägen gehandelt. Italienische und spanische Papiere haben in den vergangenen Monaten ebenfalls kräftig an Wert verloren.
Bislang werden nur wenige Anleihen zum Marktpreis bilanziert
In den Bankbilanzen schlägt sich das bislang nur eingeschränkt nieder: Die Institute müssen eine Bewertung zu Marktpreisen nur bei Anleihen vornehmen, die sie im sogenannten Handelsbuch halten - also zwecks Weiterverkauf. Staatsanleihen im sogenannten Bankbuch dagegen werden in der Regel bis zur Fälligkeit gehalten, also bis das fragliche Land seine Schulden zurückzahlt. Da bislang stets alle Euro-Staaten den vollen Betrag erstattet haben, werden diese Papiere normalerweise zum Nennwert bilanziert.
Griechenland soll ein Teil seiner Schulden erlassen werden - deshalb haben die meisten Banken bereits Abschreibungen auf Hellas-Bonds vorgenommen. Die Wertminderung von 21 Prozent gilt aber als unzureichend, weil die Euro-Staaten von den Banken mittlerweile einen höheren Schuldenerlass fordern. Über den im Juli mit der Finanzbranche vereinbarten freiwilligen Schuldenschnitt von 21 Prozent müsse noch einmal geredet werden, sagte Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) diese Woche nach einem Treffen mit seinen EU-Kollegen.
Wenn weitere Länder ihre Schulden nicht mehr vollständig zurückzahlen könnten, hätte das gravierende Folgen für die europäischen Banken. Denn insbesondere die Außenstände Spaniens und Italiens sind weitaus höher als die Griechenlands. Der Internationale Währungsfonds (IWF) schätzt das Abschreibungsrisiko der Banken auf 200 Mrd. Euro, wenn neben griechischen Staatsanleihen auch Schuldtitel aus Irland, Portugal, Italien, Spanien und Belgien einbezogen werden. Rechne man die Schulden der Banken in diesen Ländern bei anderen Kreditinstituten in Europa hinzu, steigt das Verlustrisiko laut IWF auf 300 Mrd. Euro.

Teil 2: EU-Staaten bereiten Kapitalspritzen vor

  • FTD.de, 06.10.2011
    © 2011 Financial Times Deutschland,
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