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Merken   Drucken   15.06.2011, 17:17 Schriftgröße: AAA

Euro-Krise: Der Euro als Spielball

Die hohen Zinsen für griechische Staatsanleihen kommen durch ein Doppelpassspiel von US-Ratingagenturen und Banken zustande. Doch die EU stellt lieber Trivialdiagnosen.
© Bild: 2011 Reuters/PASCAL ROSSIGNOL
Kommentar Die hohen Zinsen für griechische Staatsanleihen kommen durch ein Doppelpassspiel von US-Ratingagenturen und Banken zustande. Doch die EU stellt lieber Trivialdiagnosen. von Stephan Schulmeister
Stephan Schulmeister arbeitet am Österreichischen Institut für Wirtschaftsforschung in Wien
Die gängige Erklärung der Euro-Krise geht so: Jahrelang haben Länder in Südeuropa über ihre Verhältnisse gelebt, dazu kamen dann noch aufgeblähte irische Banken, die Staatsschuld wuchs, und die Kreditwürdigkeit der Länder schwand dahin. Dies bestraften "die Märkte" mit Risikoprämien. Die hohen Zinsen erzwangen den EU-Rettungsschirm, und wer daruntermusste, für den gilt: Sparen bis zum Umfallen.
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Ein paar Fragen bleiben freilich offen. Warum haben die Märkte das Länderrisiko der Sünder- beziehungsweise Südländer erst ab November 2009 entdeckt? Warum verlief der "Entdeckungsprozess" schubartig, jeweils konzentriert auf ein Land? Warum würdigen die Märkte nicht die drastischen Sparanstrengungen Griechenlands? Was soll ein dem griechischen Staat "vom Markt" verordnetes Zinsniveau von 17 Prozent? Produzieren solche Zinsen nicht genau das, wogegen sie absichern sollen, nämlich den Bankrott? Warum ist das Rating der USA viel besser als der Durchschnitt der Euro-Länder, obwohl die US-Verschuldung viel höher ist?
Zur Abwechslung möchte ich davon ausgehen, dass Märkte keine Subjekte sind. Wir betrachten die wichtigsten (echten) Akteure, ihre Interessen und ihr Verhalten - vielleicht ergibt dies ja einen Sinn.
Die Zinsschübe kommen im Wesentlichen durch eine Art Doppelpassspiel zwischen Ratingagenturen, Finanzalchemiebanken (FAB) und sonstigen Tradern zustande. Die FAB (Goldman Sachs, Deutsche Bank et cetera) dominieren den Markt für "Credit-Default Swaps" (CDS), mit denen man auf die Verschlechterung der Bonität eines Unternehmens oder Staates spekulieren kann. Nur 16 Banken bilden den "Derivatives Dealers' Club".
Einige Standardspielzüge: Die Ratingagentur Moody's stuft die Bonität Griechenlands herab, das FAB-Team übernimmt und erhöht die CDS-Prämien (nicht ohne vorher günstig CDS gekauft zu haben), damit rollt der Ball weiter zu den Anleihehändlern. Die Zinsen steigen, weil ja das Risiko griechischer Staatspapiere gestiegen ist. Nun folgt ein eleganter Rückpass zur Agentur S&P. Sie stuft Griechenland wegen der hohen Zinsen weiter zurück. Nun übernimmt wieder das FAB-Team - und so weiter.
Am besten läuft das Spiel, wenn man sich immer nur auf einen Gegner konzentriert, daher werden Griechenland, Irland, Portugal und derzeit Spanien hintereinander behandelt. Italien und Belgien sind noch auf der Warteliste.
Die USA bleiben aus dem Spiel, einerseits weil die drei Ratingagenturen US-Unternehmen sind, andererseits weil die US-Politik auf Spekulation gegen das eigene Land sehr empfindlich reagiert. Sie hat aber nichts einzuwenden, wenn sie sich gegen andere Staaten richtet: Die Position des Dollar als globale Leitwährung schwächelt, weil die USA seit 30 Jahren ihr Leistungsbilanzdefizit durch "Dollar-Exporte" finanzieren. China fordert sogar eine Aufgabe des Dollar-Standards. Sollte überdies das Regime der Saudis wanken, so wäre auch die Rolle des Dollar als Ölwährung gefährdet. Fazit: Die USA haben ein massives Interesse an einer Schwächung des Euro als Reservewährung.

Teil 2: Wieder eine Krise, die von den USA aus ging

  • FTD.de, 15.06.2011
    © 2011 Financial Times Deutschland,
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Kommentare
  • 06.08.2011 12:27:04 Uhr   Karl_Murx: Johannes Peters:

    "Eine solide Sparquote wäre gut. Wesentlich effizienter wäre es, bei den Profiteuren des ganzen Spiels anzusetzen und die Anforderungen an die Eigenkapitalquoten der Banken, die bei nur 2 % liegen, drastisch zu erhöhen. Denn ein Element des Spiels ist die Geldschöpfung durch Kreditgeld der Privatbanken, die eigentlich in die Hände der Notenbanken gehört."

    Ohnehin hat es das Finanzcasino selbst nach dem Ausbruch der Krise verstanden, weiterreichende Regulierungen des entfesselten Finanzmarktes zu verhindern. Die schwäbischen Hausfrauen in der Politik haben sich den Einflüsterungen des Finanzsektors jedesmal gebeugt, die Verbanklichung des Staates schreitet voran.

    "Wenn die USA gegen den Euro spielen und Saudi-Arabien eine Schlüsselrolle bei der Stützung des Dollars als Erdöl- und Energiewährung zukommt, kann die Antwort nur sein den arabischen Frühling massiv zu unterstützen und dem extrem undemokratischen und autoritärem Regime Saudi-Arabiens jede Hilfe zu entziehen."

    Die Verbreitung eines fundamentalistischen Islams inklusive Moscheenbau und der antiwestlichen Propaganda in Europa wird von den besten Freunden der USA, den Saudis, betrieben. Die meisten Attentäter von 9/11 waren Saudis, ebenso wie Bin Laden.


    "Daher tut uns - genauso wie China - eine Stärkung der Binnennachfrage und Unterstützung bei einer Steigerung der Reallöhne gut. Die Vertreter der Banken werden natürlich vor Zorn erblassen, wenn sie solche Vorschläge hören - sind die notorischen Vorschläge zur "Krisenbewältigung" doch immer wieder eine Senkung der Sozialausgaben und eine Erhöhung der Zinsen und Bankeinkünfte. "

    Also dem, was man neoliberale Politik nennt und was uns inzwischen zum zweitenmal innerhalb von wenigen Jahren an den Rand des Zusammenbruchs des Wirtschaftssystems bringt. Eine deutliche Anhebung der Realeinkommen über die Steigerung der Bruttolöhne und -gehälter in Überschußländern wie Deutschland ist das mittelfristige Ziel; zur Überbrückung sollten fiskalische Maßnahmen zur Schaffung von Kaufkraft getroffen werden.

  • 13.07.2011 21:56:33 Uhr   Johannes Peters: Gegenwehr
  • 20.06.2011 11:16:31 Uhr   surveyor: @ Ramolo: Haushaltsdisziplin
  • 19.06.2011 04:57:20 Uhr   Ramolo: Der Euro als Spielball - Schlaubergers Einnah...
  • 16.06.2011 18:44:04 Uhr   schlauberger: Einnahmen und Ausgaben
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