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Merken   Drucken   28.11.2011, 16:36 Schriftgröße: AAA

Euro-Schuldenkrise: EZB durchbricht 200-Mrd.-Schwelle

Von Deutschland verurteilt, von den Finanzmärkten gefordert: Der Kauf von Staatsanleihen durch die EZB ist stark umstritten. Trotzdem wurden bisher über 200 Mrd. Euro für den Erwerb von Bonds aufgebracht - im Vergleich zum Volumen der US-Notenbank dennoch ein Kleckerbetrag.
Die Europäische Zentralbank (EZB) hat in der vergangenen Woche abermals verstärkt Staatsanleihen kriselnder Euroländer gekauft. Sie habe Papiere im Wert von rund 8,6 Mrd. Euro am Sekundärmarkt erworben, teilte das Geldinstitut am Montag in Frankfurt mit. In der Woche davor waren es noch rund 8 Mrd. Euro gewesen. Seit Mai 2010 hat die Zentralbank damit Bonds im Gesamtwert von 203,5 Mrd. Euro aufgekauft.
Allerdings liegt das Volumen der EZB-Käufe noch weit unter dem der US-Notenbank. Die Fed erwarb bisher im Zuge ihrer zwei großen Programme zum Aufkauf von US-Staatsanleihen (Quantitative Easing) Papiere im Wert von rund 1800 Mrd. Dollar. Mithilfe einer weiteren "Operation Twist" kündigte die Zentralbank an, kurzfristige Anleihen gegen langfristige zu tauschen. Das Volumen des Programms soll bis zu 400 Mrd. Dollar umfassen.
Die EZB begründet die Käufe mit der Stützung der Märkte. Mit den Erwerb der Staatsanleihen drückt das Geldinstitut die Zinskosten von Euro-Problemländern wie Italien und Spanien. Allerdings ist das Vorgehen stark umstritten. Vor allem Deutschland lehnt die Käufe der EZB entschieden ab. Auch der scheidende EZB-Chefvolkswirt Jürgen Stark warnte erneut vor den Inflationsgefahren einer fortgesetzten Staatenfinanzierung durch die Zentralbank.
"Wir wissen aus der Wirtschaftsgeschichte, dass es immer zu Katastrophen geführt hat, wenn eine Zentralbank in großem Stil Staaten finanziert hat", sagte er der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung". "Das endet in Inflation", nicht immer kurzfristig, aber mittel- bis langfristig, ergänzte er.
Gegenwärtig sei lediglich keine Inflation zu beobachten, weil die Banken das Geld in der Krise nur sehr verhalten als zusätzliche Kredite herausgäben. Das ändere sich aber, sobald die Wirtschaft wieder besser läuft. "Dann werden die Zentralbanken sehr schnell darauf reagieren müssen", sagte Stark. An den Finanzmärkten und von den schwächelnden Euro-Ländern wird stattdessen ein deutlich stärkeres Eingreifen gefordert.
  • Reuters, 28.11.2011
    © 2011 Financial Times Deutschland,
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