Aus Gründen des Wettbewerbs wäre es in der Tat begrüßenswert, wenn die Macht der großen drei - Standard & Poor's, Fitch und Moody's - geschmälert würde und auch andere Agenturen zum Zuge kämen. Zudem sind die großen drei zu Recht in der Kritik. Ihre euphorischen, ungerechtfertigten Bewertungen von Risikopapieren verschärften die Finanzkrise 2007/08 und die Folgen der Lehman-Pleite. Hinzu kommt der Interessenkonflikt, dass sie oft von jenen Unternehmen bezahlt wurden, deren Produkte sie bewerteten.
Allerdings haben die Ratingagenturen auch aus ihren Fehlern gelernt. Ihre teils hektischen Herabstufungen von Euro-Staaten geschahen nicht zuletzt deshalb, weil sie sich nicht mehr vorwerfen lassen wollten, Risiken zu spät erkannt und zu spät vor ihnen gewarnt zu haben.
Die Finanzmärkte haben sich daher längst wieder mit der Marktmacht der großen drei abgefunden. Banken, Versicherungen und anderen Investoren ist dagegen noch nicht klar, was sie von der Förderung einer neuen Agentur hätten. Die Startinvestitionen würden sich erst nach vielen Jahren auszahlen. Und dass mehr Ratingagenturen zu einem insgesamt besseren Bewertungssystem führen, ist unbewiesen.
So mag sich zwar gerade die Politik über die Ramschbewertungen für Griechenland, Portugal oder Irland aufregen. Doch auch wenn die Abwertungen der Schuldenstaaten deren Lage zeitweise verschärfte - an der Einschätzung selbst, dass diesen Ländern die Pleite droht, kann kaum jemand etwas aussetzen.
Wenn die Politik das Oligopol brechen will, so liegt es bei ihr, die Rahmenbedingungen für neue Ratingagenturen zu erleichtern - wie etwa durch das von der EU-Kommission vorgeschlagene Rotationssystem. Vor allem aber darf sie sich nicht einerseits über die Macht der Ratingagenturen beschweren - und andererseits immer gleich hektisch mit EU-Gipfeln reagieren, wenn einer der großen drei mal hustet.