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Merken   Drucken   22.11.2011, 12:38 Schriftgröße: AAA

EZB-"Bazooka": Thomas Straubhaar - Das schlafende Gespenst der Inflation

Mit einer beispiellos expansiven Geldpolitik sollen die Euro-Länder vor der Pleite bewahrt werden. Eine Entwertung der Gemeinschaftswährung zeichnet sich jedoch noch nicht ab.
© Bild: 2011 dapd/Philipp Guelland
Kommentar Mit einer beispiellos expansiven Geldpolitik sollen die Euro-Länder vor der Pleite bewahrt werden. Eine Entwertung der Gemeinschaftswährung zeichnet sich jedoch noch nicht ab. von Thomas Straubhaar
Thomas Straubhaar leitet das Hamburgische Weltwirtschaftsinstitut HWWI.
Die deutsche Lösung der Staatsschuldenkrise setzt auf fiskalpolitische Instrumente. Dazu gehören insbesondere die gemeinsamen Rettungsschirme. Euro-Länder, die auf privaten Kapitalmärkten Kredite, wenn überhaupt, dann nur zu horrenden Zinsen erhalten, sollen aus einem gemeinsamen Topf Geld zu günstigen Konditionen leihen können. Als Gegenleistung müssen sie zumindest teilweise auf ihre finanzpolitische Autonomie verzichten. Die Briten jedoch verfolgen einen ganz anderen Ansatz. Sie fordern den Einsatz geldpolitischer Instrumente. Die Europäische Zentralbank (EZB) soll den überschuldeten Euro-Staaten zu günstigen Zinskonditionen jenes Geld geben, das auf privaten Kapitalmärkten nicht mehr zu haben ist.
Eurobonds, jetzt "Stabilitätsanleihen" genannt, sind ...

 

Eurobonds, jetzt "Stabilitätsanleihen" genannt, sind ...

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Der Aufkauf von Staatsanleihen durch die EZB ist aus bundesdeutscher Sicht der Anfang eines Schreckens ohne Ende. Für die übrigen Euro-Länder bedeutet er ein Ende des Schreckens. Denn mit dem Versprechen der Europäischen Zentralbank, notfalls die Kapitalmärkte mit EZB-Krediten zu fluten, wäre eines klar: Kein Euro-Land kann mehr pleitegehen. Jede fällig werdende Refinanzierung alter Kredite wäre sichergestellt. Dadurch wiederum würden die privaten Kapitalmärkte schlagartig beruhigt. Die günstigen Zinskonditionen der EZB wären der neue Maßstab aller Kreditgeschäfte. Private Investoren hätten nur noch die Wahl, den Euro-Ländern entweder niedrigere Zinsen als die Zentralbank zu bieten oder auf Kreditgeschäfte mit den Euro-Ländern gänzlich zu verzichten.
Natürlich bleibt es Spekulation, wie sich private Investoren tatsächlich entscheiden würden. Aber es gibt gute Gründe, wieso sich Anleger mit dem Euro-Spatz in der Hand begnügen könnten. Erstens gibt es keine Tauben mehr auf europäischen Dächern, und zweitens wirken außerhalb Europas hohe politische und makroökonomische Risiken abschreckend. Der Euro-Raum bleibt demgegenüber eine hochattraktive Anlageoption. Sobald die Sicherheit durch die EZB garantiert wird, dürfte es somit auch für überschuldete Euro-Länder kein Problem mehr sein, bei privaten Gläubigern Geld einzusammeln. Folglich würde also bereits die reine Ankündigung durch die EZB so sehr für Ruhe auf den Kreditmärkten sorgen, dass große Anleihekäufe durch die Notenbank gar nicht mehr notwendig würden.
Der Aufkauf von Staatsanleihen ist die letzte und zugleich stärkste Waffe der EZB. Ihr Einsatz ist über Nacht möglich. Anders die fiskalpolitische Alternative, die derzeit und absehbar schlicht nicht einsatzfähig ist. Letztlich hat es die Euro-Zone in den vergangenen Monaten nicht geschafft, die Voraussetzung für die fiskalpolitische Strategie - tragfähige Rettungsschirme - zu schaffen. In Deutschland wollte man nicht, in den übrigen Euro-Ländern konnte man nicht ausreichend Mittel in den gemeinsamen Topf einbringen, um private Investoren zu überzeugen, dass kein Euro-Land pleitegeht und damit Kredite an Euro-Länder sicher sind. Im Gegenteil: Der mit Griechenland vereinbarte Schuldenschnitt war mehr als ein Schreckschuss. Er war ein Übergriff auf rechtlich verbindliche Forderungen privater Investoren und damit das klare Signal an sie, dass bei Bedarf weitere Angriffe auf ihr Geld folgen würden.

Teil 2: Die geldpolitische Strategie ist weder kosten- noch risikolos

  • FTD.de, 22.11.2011
    © 2011 Financial Times Deutschland,
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Kommentare
  • 23.11.2011 16:25:12 Uhr   Andreas: @Illoinen: besser Umverteilung

    In erster Linie sollte endlich umverteilt werden, die Staaten sollten sich über Steuern (bei den Reichen) ihr Geld besorgen. Die einen reden ständig vom Sparen (Was nicht geht, im Gesamtsystem müssen die Schulden steigen.) und die anderen vom Gelddrucken. Der beste Weg ist Umverteilung! Die Guthaben sind bei wenigen gegengebucht, das wird immer wieder vergessen!

  • 23.11.2011 15:09:43 Uhr   Indigo: Unglaublich
  • 23.11.2011 12:28:58 Uhr   Illoinen: Besser das Geschäft macht die EZB als Privat...
  • 22.11.2011 19:27:50 Uhr   ArnoNyhm: @T. Klaver
  • 22.11.2011 14:21:57 Uhr   T. Klaver: Was keiner sagt
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