Der Aufkauf von Staatsanleihen durch die EZB ist aus bundesdeutscher Sicht der Anfang eines Schreckens ohne Ende. Für die übrigen Euro-Länder bedeutet er ein Ende des Schreckens. Denn mit dem Versprechen der Europäischen Zentralbank, notfalls die Kapitalmärkte mit EZB-Krediten zu fluten, wäre eines klar: Kein Euro-Land kann mehr pleitegehen. Jede fällig werdende Refinanzierung alter Kredite wäre sichergestellt. Dadurch wiederum würden die privaten Kapitalmärkte schlagartig beruhigt. Die günstigen Zinskonditionen der EZB wären der neue Maßstab aller Kreditgeschäfte. Private Investoren hätten nur noch die Wahl, den Euro-Ländern entweder niedrigere Zinsen als die Zentralbank zu bieten oder auf Kreditgeschäfte mit den Euro-Ländern gänzlich zu verzichten.
Natürlich bleibt es Spekulation, wie sich private Investoren tatsächlich entscheiden würden. Aber es gibt gute Gründe, wieso sich Anleger mit dem Euro-Spatz in der Hand begnügen könnten. Erstens gibt es keine Tauben mehr auf europäischen Dächern, und zweitens wirken außerhalb Europas hohe politische und makroökonomische Risiken abschreckend. Der Euro-Raum bleibt demgegenüber eine hochattraktive Anlageoption. Sobald die Sicherheit durch die EZB garantiert wird, dürfte es somit auch für überschuldete Euro-Länder kein Problem mehr sein, bei privaten Gläubigern Geld einzusammeln. Folglich würde also bereits die reine Ankündigung durch die EZB so sehr für Ruhe auf den Kreditmärkten sorgen, dass große Anleihekäufe durch die Notenbank gar nicht mehr notwendig würden.
Der Aufkauf von Staatsanleihen ist die letzte und zugleich stärkste Waffe der EZB. Ihr Einsatz ist über Nacht möglich. Anders die fiskalpolitische Alternative, die derzeit und absehbar schlicht nicht einsatzfähig ist. Letztlich hat es die Euro-Zone in den vergangenen Monaten nicht geschafft, die Voraussetzung für die fiskalpolitische Strategie - tragfähige Rettungsschirme - zu schaffen. In Deutschland wollte man nicht, in den übrigen Euro-Ländern konnte man nicht ausreichend Mittel in den gemeinsamen Topf einbringen, um private Investoren zu überzeugen, dass kein Euro-Land pleitegeht und damit Kredite an Euro-Länder sicher sind. Im Gegenteil: Der mit Griechenland vereinbarte Schuldenschnitt war mehr als ein Schreckschuss. Er war ein Übergriff auf rechtlich verbindliche Forderungen privater Investoren und damit das klare Signal an sie, dass bei Bedarf weitere Angriffe auf ihr Geld folgen würden.