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Merken   Drucken   14.09.2011, 13:12 Schriftgröße: AAA

Finanzkrise: Wer Lehman vergisst, riskiert alles

Der Untergang der US-Bank Lehman Brothers vor drei Jahren entlarvte die Mängel der globalen Finanzmärkte auf schmerzhafte Weise. Doch Politik und Wirtschaft verdrängen die Lehren daraus.
© Bild: 2010 AP
Kommentar Der Untergang der US-Bank Lehman Brothers vor drei Jahren entlarvte die Mängel der globalen Finanzmärkte auf schmerzhafte Weise. Doch Politik und Wirtschaft verdrängen die Lehren daraus. von Gustav Horn
Gustav Horn ist Professor für Volkswirtschaft und Direktor des Instituts für Makroökonomie und Konjunkturforschung in der Hans-Böckler-Stiftung
In diesen Tagen jährt sich zum dritten Mal ein Ereignis, das in der globalen Wirtschaftsgeschichte einmal einen ähnlichen Rang einnehmen dürfte wie der Schwarze Freitag 1929: der Bankrott des Investment-Bankhauses Lehman Brothers um den 15. September 2008. Wie 1929 wurde dadurch eine Weltwirtschaftskrise ausgelöst, die in beiden Fällen zuvor schon länger schwelte. Anders als vor gut 80 Jahren konnte 2008 allerdings der Absturz in eine Depression vermieden werden. Im Gegenteil: Die Weltwirtschaft erholte sich überraschend schnell, insbesondere in Deutschland.
Gustav Horn   Gustav Horn
Erstaunlich ist, dass diese dramatische Phase der Wirtschaftsgeschichte nur drei Jahre später eine so geringe Rolle spielt. Während derzeit Spekulationen über Staatsbankrotte im Euro-Raum die Schlagzeilen dominieren, geraten die Lehren aus den Jahren 2008 bis 2010 leicht in den Hintergrund. Eine gefährliche Vergesslichkeit breitet sich aus. Gefährlich, weil die heutige Lage auf diesem Weg weder verstanden noch bewältigt werden kann.
Es lohnt also, sich daran zu erinnern: Die aktuelle Staatsschuldenkrise ist untrennbar verbunden mit dem 15. September 2008. Und der globalen Finanzkrise. Denn diese wurde durch einen zu wenig regulierten Finanzsektor ausgelöst, was vor allem in den USA und Großbritannien dazu führte, dass hohe und riskante Privathaushaltsschulden angehäuft wurden. Erfolgreich bekämpft wurde sie durch den massiven Einsatz öffentlicher Mittel seitens der Finanzpolitik und eine weltweit extrem expansive Geldpolitik.
Kommt ein zweites Lehman auf uns zu?

 

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Von diesem Kern der Ereignisse zu unterscheiden sind die Kollateralschäden der Krise, die wir heute so heftig spüren. Finanzmarktkrisen zeichnen sich gerade dadurch aus, dass sie von Panikanfällen der Investoren begleitet werden. Sie überprüfen akribisch sämtliche finanziellen Engagements und stoßen sie im Zweifel ab. Viele Befürchtungen mögen übertrieben sein, aber wenn man unter jeden Stein schaut, entdeckt man immer etwas.
So geriet der Euro-Raum ins Visier der Finanzmärkte. Denn nunmehr wurde an den Märkten registriert, was von Anfang an ein Problem war, aber von der europäischen Wirtschaftspolitik konsequent vernachlässigt wurde: Dem Euro-Raum fehlt es an institutionellen Vorkehrungen, mit internen Inflationsdifferenzen umzugehen.
Denn diese Gefälle, die im Kern Ausdruck unterschiedlicher Wettbewerbsfähigkeit der Mitgliedsländer sind, führten zur hohen Verschuldung jener Länder, die heute im Fokus der Krise stehen.
Dabei kann die Verschuldung sowohl aus einer skandalös unsoliden Haushaltspolitik des Staates folgen - was in Griechenland der Fall war. Sie kann aber auch entstehen, wenn der Staat, wie in Spanien und Irland, die Implosion einer zuvor überschießenden privaten Investitionsblase abfängt.

Teil 2: Wichtige Lehren aus der Krise werden missachtet

  • FTD.de, 14.09.2011
    © 2011 Financial Times Deutschland,
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Kommentare
  • 15.09.2011 09:49:50 Uhr   Finanzmarktkenner: Entwaffnet die Märkte!

    "Entwaffnet die Märkte" war vor Jahren eine Überschrift in der französischen Zeitung "Le Monde Diplomatique" und trifft den Kern der Sache. Eine solche Entwaffnung, für die ja auch Herr Horn zurecht spricht, ist der Politik aber nicht gelungen. Wir bräuchten dringend eine Regulierung und Einschränkung des derivaten Marktes und der Hedgefunds. Aber die Briten und Amerikaner schützen ihre Finanzplätze, d. h. die Regierungen und Parlamente in Großbritannien und USA verweigern bisher eine Regulierung. Das Unheil kommt also vor allem aus den USA und Großbritannien. In den gigantisch verschuldeten USA waren zuletzt Demokraten und Republikaner wegen der kommenden Präsidentschaftswahlen nauch icht zu notwendigen Reformen bereit und konnten zur Anhebung der Schuldengrenze nur einen Minimalkompromiss erzielen. Auch Obamas Führungsstärke muss man anzweifeln.

  • 15.09.2011 00:42:44 Uhr   Erdling: Der Euro
  • 14.09.2011 21:30:10 Uhr   ivan: Guter Artikel
  • 14.09.2011 20:41:50 Uhr   Sven: Den Blick auf die Staatsverschuldung zu veren...
  • 14.09.2011 15:20:17 Uhr   Gast: Dem Ganzen ...
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