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  FTD-Serie: FTD-Insider-Index

Den Vorständen ins Depot geschaut: Wenn Topmanager Aktien des eigenen Unternehmens kaufen, ist das ein guter Indikator für steigende Kurse. Der FTD-Insider-Index verrät, wie die Stimmung unter Europas Bossen ist.

Merken   Drucken   15.01.2012, 19:38 Schriftgröße: AAA

FTD-Insider-Index: Topmanager starten hoffnungsvoll ins Jahr

Die Führungskräfte in Europa sehen am Aktienmarkt noch viel Potenzial. Sie selbst kaufen eifrig die Papiere ihrer Unternehmen.
© Bild: 2012 FTD.de
Die Führungskräfte in Europa sehen am Aktienmarkt noch viel Potenzial. Sie selbst kaufen eifrig die Papiere ihrer Unternehmen. von Thomas Strohm
Die Führungskräfte europäischer Unternehmen rechnen mit weiteren Kursgewinnen am Aktienmarkt. Das legt jedenfalls die jüngste Auswertung von 2iQ Research für die FTD nahe. Das Frankfurter Analysehaus beobachtet europaweit, ob die Insider die Aktien der eigenen Unternehmen kaufen oder verkaufen. "Obwohl die Notierungen zuletzt bereits gestiegen sind, zeigen sich die Manager weiter sehr optimistisch und kaufen eifrig", sagt Geschäftsführer Patrick Hable: "Nach den Kursgewinnen wäre eigentlich etwas Zurückhaltung zu erwarten gewesen." Das Verhältnis von Käufen zu Verkäufen, die sogenannte Buy-Sell-Ratio, ist jedoch verglichen mit dem Monat Dezember in den ersten beiden Januarwochen gestiegen. Auch der FTD-Insiderindex spiegelt in den ersten Wochen des Jahres mit einem Stand von 74,6 Punkten die nach wie vor bullishe Stimmung der Führungskräfte wider.
Zuversichtliche Topmanager   Zuversichtliche Topmanager
Wertpapiergeschäfte von Insidern gelten als guter Indikator für die Kursentwicklung. Schließlich kennen die Führungskräfte die Lage der eigenen Unternehmen und wissen zudem um die Stimmung in der Branche. "Sie können gut abschätzen, ob die Aktien ihrer Firmen gerade unter- oder überbewertet sind", sagt Hable. Wenn die Manager mit ihrem Privatvermögen Anteilscheine ihres Arbeitgebers kaufen, ist das ein starkes Bekenntnis zum Unternehmen; schließlich hängen sie bereits mit ihrem Gehalt vom Wohlergehen der Firma ab. Sie müssen sich ihrer Sache also schon sehr sicher sein. Dabei agieren die Manager antizyklisch: Bei fallenden Kursen steigen sie ein, ziehen die Notierungen an, wechseln sie auf die Verkäuferseite. Wichtig ist für die Insider wie für andere Value-Investoren etwa auch ein Blick auf das Kurs-Buchwert-Verhältnis: Je geringer dieses ist, desto eher ordern sie Aktien. Die Firmen müssen die Transaktionen von Insidern wie Topmanagern, Aufsichtsräten oder Großaktionären binnen wenigen Tagen an die Aufsichtsbehörden melden. 2iQ Research wertet diese Directors' Dealings europaweit aus.
Den Insidern ins Depot geschaut
Stimmungsindikator Der FTD-Insiderindex wird mithilfe der Buy-Sell-Ratio berechnet, die das Kaufvolumen der Manager zum Verkaufsvolumen ins Verhältnis setzt. 2iQ Research vergleicht die aktuelle Buy-Sell-Ratio mit dem Schnitt aus drei Jahren. Erreicht die Quote ein Drei-Jahres-Hoch, steigt der Index auf 100 Punkte.
Optimisten Die Manager aus dem Sektor Grundstoffe trauen ihren Unternehmen an der Börse besonders viel zu. Gedämpft ist die Stimmung bei den Führungskräften aus dem Bereich Gesundheit. Die Aktien ihrer Unternehmen haben sich vom Einbruch Mitte 2011 wieder erholt wie Branchenindizes zeigen - die Insider werden vorsichtig. Besonders optimistisch sind die Belgier, im krisengeplagten Italien sind die Insider hingegen skeptisch.
Stimmung der Insider nach Ländern und Branchen   Stimmung der Insider nach Ländern und Branchen
Etliche wissenschaftliche Studien zeigen, dass die Insider ein glückliches Händchen bei der Wahl des richtigen Einstiegszeitpunkts haben. Das haben sie in Europa im vergangenen Jahr einmal mehr unter Beweis gestellt, als beispielsweise das deutsche Börsenbarometer DAX  unter die Marke von 5000 Punkten rauschte. Nach dem Kurssturz, der Ende Juli begann, haben die Manager im großen Stil eingekauft, zugleich aber kaum Wertpapiere veräußert. Für die Monate August, September und auch noch Oktober ermittelte 2iQ Research eine äußerst hohe Buy-Sell-Ratio. "Die Insider haben auf dem niedrigen Niveau beherzt zugegriffen - während andere in pure Panik verfielen, ihre Aktien abgestoßen haben und in Cash, Bundesanleihen und Gold  geflohen sind", sagt Hable. Im Oktober war das Tief überwunden, die Manager agierten bei den nun wieder steigenden Kursen zwar etwas vorsichtiger, ihre grundsätzlich optimistische Einstellung hielt jedoch an.
Dieses antizyklische Verhalten in der zweiten Hälfte des vergangenen Jahres war quer durch die Branchen zu beobachten. Besonders auffällig war der Optimismus jedoch bei Energieunternehmen und Finanzwerten sowie bei Titeln aus den Sektoren Gesundheit und Grundstoffe. Bei den Aktien vor allem von Energiekonzernen, aber auch von Pharmaunternehmen ging die Rechnung der Insider bereits auf, sie können sich über satte Kursgewinne freuen. Die Führungskräfte aus den Branchen Finanzen und Grundstoffe müssen hingegen noch darauf warten, dass sich ihr Einstieg auszahlt. Das zeigt ein Blick auf die Entwicklung der entsprechenden europäischen Branchenindizes.
Bei der Buy-Sell-Ratio stechen vor allem südeuropäische Problemländer wie Griechenland und Italien heraus. Dort lag das Volumen der Käufe weit über dem der Verkäufe; die dortigen Manager verkauften zu den einbrechenden Kursen keine Anteilscheine. In Deutschland bewegte sich das Verhältnis von Käufen zu Verkäufen in den vergangenen zwölf Monaten dagegen eher unter dem europäischen Schnitt. "Der hiesige Aktienmarkt ist verglichen mit den Börsen in anderen Ländern bis zur Jahresmitte schon gut gelaufen", erläutert Hable: "Die Manager deutscher Unternehmen agierten deshalb etwas zurückhaltender."

Teil 2: Gewinner und Pechvögel

  • Aus der FTD vom 16.01.2012
    © 2012 Financial Times Deutschland,
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