Den Vorständen ins Depot geschaut: Wenn Topmanager Aktien des eigenen Unternehmens kaufen, ist das ein guter Indikator für steigende Kurse. Der FTD-Insider-Index verrät, wie die Stimmung unter Europas Bossen ist.
Ereignisreich waren die vergangenen drei Monate. Die Schuldenkrise bei Europas Sorgenkindern hielt die Finanzmarktakteure in Atem. Manch ein Privatanleger zog sich verunsichert zurück. Auch Europas Führungskräfte trauen anscheinend dem Markt nicht. Diesen Schluss lässt eine Auswertung des Analysehauses 2iQ Research zu, das die Aktientransaktionen von Unternehmensinsidern beobachtet. 2iQ meldete für das vergangene Quartal ein sehr niedriges Kaufvolumen im Vergleich zu den Vormonaten. Deckten sich die Firmenchefs im zweiten Quartal 2012 noch für insgesamt rund 612 Mio. Euro mit Aktien ihrer eigenen Unternehmen ein, gaben sie im dritten Quartal nur noch 155 Mio. Euro aus. Auch der Oktober scheint keine Wende zu bringen: Bislang lag das Kaufvolumen bei nur 22,6 Mio. Euro.
Unternehmensinsider wie Topmanager, Aufsichtsräte oder Großaktionäre müssen ihre Wertpapiergeschäfte offenlegen. Weil sie tiefe Einblicke in Firmenzahlen und Auftragslage haben, gelten die Transaktionen als guter Indikator für die künftige Kursentwicklung.
Derzeit signalisieren die Insider eher Pessimismus - und kommen so zu einer anderen Markteinschätzung als Analysten. Die raten seit Wochen zum Aktienkauf, halten europäische Toptitel für unterbewertet. Doch statt sich mit Wertpapieren einzudecken, stoßen Europas Topmanager ihre Positionen ab, was auf ein baldiges Ende des Kursanstiegs hindeutet. "Die Verkaufsvolumen sind sehr hoch", sagt Robert Hable, Geschäftsführer von 2iQ. "Auch für die kommenden Monate gehen wir wegen der Feiertage von weiteren Verkäufen aus."
Die skeptische Haltung der Manager spiegelt sich im Insiderindex wider, den 2iQ für die FTD berechnet. Der Index wird aus dem Verhältnis von Aktienkäufen zu -verkäufen errechnet, also auf Basis der sogenannten Buy-Sell-Ratio. Derzeit liegt der Index bei neutralen 43 von 100 möglichen Punkten, zwischenzeitlich war er sogar auf rund zehn Punkte abgestürzt. Auch die Buy-Sell-Ratio lässt auf Zurückhaltung unter den Insidern schließen. Die Rate liegt im Quartalsschnitt bei 0,2 - so niedrig wie seit drei Jahren nicht mehr.
Folgt man der Stimmung der Firmenchefs, sollten Anleger also vorsichtig mit ihren Aktienkäufen sein. Zahlreiche Studien belegen, dass die Insider am Kapitalmarkt ein glückliches Händchen beweisen. Investoren, die sich ihnen anschließen, konnten den breiten Markt regelmäßig schlagen. Dies bestätigt eine aktuelle Untersuchung der Deutschen Bank. Auf Basis der 2iQ-Zahlen hat sie ein Portfolio erstellt, das einen Anteil von 25 Prozent Insider-Aktien enthielt. Tatsächlich konnte so der Markt geschlagen werden. Doch die Studienautoren warnen auch: Anleger sollten sich nicht zu sehr auf die Insider verlassen, nicht alle Transaktionen brächten Mehrwert. "Manche Firmenchefs sind besser informiert als andere", schreiben sie. Bei einigen Wertpapiergeschäften würden auch bloß Aktien an den Ehepartner übertragen oder an Mitarbeiter. Das sei also nicht marktrelevant.
Hable rät, hauptsächlich auf die TecDAX-Werte zu achten - und zu schauen, was deren Finanzvorstände machen. Die hätten meist einen besseren Überblick über die Bücher und fänden nicht so viel Beachtung auf dem Markt. "Es sollte möglichst ein technisches Unternehmen sein, das viel forscht und entwickelt", sagt er. Da stecke besonders viel Insiderwissen drin - und damit ein renditeträchtiger Informationsvorsprung.
Hendrik Leber, Geschäftsführer des Fondshauses Acatis, investiert auf Basis der 2iQ-Insiderdaten. "Ich bin damit immer gut gefahren", sagt er, aktuell beispielsweise mit dem Pharmaunternehmen Biofrontera und dem Onlinewettanbieter William Hill. Derzeit folgt er den Insidern jedoch nur vereinzelt. Seiner Meinung nach senden die Topmanager aktuell nicht die richtigen Signale aus: "Sie halten sich zu sehr zurück. Der Markt wird weiter gut laufen."
| Den Insidern ins Depot geschaut |
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| Stimmungsbild Der FTD-Insiderindex wird mithilfe der Buy-Sell-Ratio berechnet, die das Kaufvolumen der Manager ins Verhältnis zum Verkaufsvolumen setzt. 2iQ vergleicht die aktuelle Buy-Sell-Ratio mit dem erreichten Schnitt aus drei Jahren. Erreicht die Quote ein Drei-Jahres-Hoch, steigt der Index auf 100 Punkte. Derzeit steht er bei 43 Punkten, sprich im neutralen bis bearishen Bereich. |
| Optimisten Griechische Manager glauben weiterhin an ihre Unternehmen und kaufen Aktien. Doch die positiven, relativen Zahlen täuschen darüber hinweg, dass sich der Kaufrausch abgeschwächt hat. Blickt man auf das reine Kaufvolumen, zeigt sich, dass es sich im dritten Quartal im Vergleich zu den Vormonaten nahezu halbiert hat. Die deutschen Manager gehören im Vergleich zu ihren ausländischen Pendants noch zu den Optimisten. |
| Gewinner Ein besonders glückliches Händchen hatten zwei Insider von Heiler Software: Wolfgang Köstler, Finanzvorstand, und Dirk Häußermann, Aufsichtsratsmitglied. Sie deckten sich Anfang August mit Aktien ein - und machten seitdem einen Gewinn von 193 Prozent. Ende September hat das Unternehmen seine Übernahme durch einen amerikanischen Konkurrenten bekannt gegeben. |