Den Vorständen ins Depot geschaut: Wenn Topmanager Aktien des eigenen Unternehmens kaufen, ist das ein guter Indikator für steigende Kurse. Der FTD-Insider-Index verrät, wie die Stimmung unter Europas Bossen ist.
FTD-Insiderindex:Wie Topmanager treffsicher am Kurstief ordern
Am Tief kaufen, am Hoch verkaufen - eigentlich scheint es kinderleicht, an der Börse Geld zu verdienen. Doch das richtige Timing ist entscheidend. FTD zeigt, was Sie von Strategien deutscher Insider lernen können.
von Bernd Mikosch
Aus gutem Grund zählt das Abpassen der richtigen Ein- und Ausstiegszeitpunkte, das sogenannte Market-Timing, zu den schwierigsten Disziplinen. Unter den wohl besten Market-Timern finden sich nicht nur Fondsmanager und Vermögensverwalter, sondern auch viele Unternehmensinsider. Oft genug gelingt es Topmanagern und Aufsichtsräten, sich genau am Kurstief mit Aktien ihrer Firmen einzudecken, zeigt eine Auswertung des Frankfurter Analysehauses 2iQ Research für die FTD.
Vorstandschef Axel Heitmann
Gerade das abgelaufene Quartal liefert viele Beispiele für ein gutes Market-Timing deutscher Insider. So orderte Lanxess-Chef Axel Heitmann am 17. März für 120.000 Euro Aktien des Chemiekonzerns - und traf damit just den Tag, an dem die Aktie so billig war wie seit Oktober 2010 nicht mehr. Inzwischen ist Heitmanns Aktienpaket schon um mehr als 20 Prozent im Wert gestiegen.
Dass solche Details öffentlich werden, liegt an der gesetzlich verankerten Meldepflicht. Unternehmen müssen Aktiengeschäfte ihrer Insider bei den Aufsichtsbehörden angeben, und 2iQ Research wertet diese sogenannten Directors' Dealings europaweit aus. Weil die Topmanager tiefe Einblicke in die Bücher ihrer Unternehmen haben, gelten ihre Transaktionen als guter Indikator für die künftige Entwicklung der Aktien.
Unentschlossene Topmanager
Und nicht nur Lanxess-Chef Heitmann nutzte den Kurseinbruch nach dem Erdbeben in Japan aus, auch andere deutsche Insider schlugen zu. Andreas Prüfer, Aufsichtsratschef des Reifenhändlers Delticom, deckte sich Mitte März für mehr als 220.000 Euro mit Aktien seines Unternehmens ein. Inzwischen hat der Kurs um ein Viertel zugelegt. Heinz-Jürgen Bertram, Vorstandschef des Duftstoffproduzenten Symrise, und Fielmann-Aufsichtsratschef Mark Binz taten es ihm gleich. Auch sie schafften es, ihre Order am Tag eines Mehrmonatstief zu platzieren. BASF-Vorstand Andreas Kreimeyer verpasste das Tief im März zwar um einen Tag, klagen muss er aber nicht. Die BASF-Aktie schloss am Freitag nahe dem Rekordhoch.
Stimmung der Insider nach Ländern und branchen
"Insider sind gute Market-Timer", sagt 2iQ-Geschäftsführer Robert Hable. Zwar räumt er ein, dass nicht alle Topmanager bei ihren Aktienkäufen ein glückliches Händchen haben. Außerdem könne nicht ausgeschlossen werden, dass bei deutschlandweit 58 Insiderkäufen im März der eine oder andere Zufallstreffer dabei sei. "Aber die jüngsten Beispiele sind keine Einzelfälle", betont Hable.
Es gibt mehrere Gründe, weshalb die Führungskräfte beim Aktienkauf oft den Tiefstkurs erwischen. "Insider sind antizyklische Investoren: Je tiefer der Aktienindex fällt, umso mehr Topmanager greifen zu. Bei steigenden Kursen halten sie sich dagegen zurück. Schon deshalb fallen viele Käufe mit dem Tiefpunkt des Marktes zusammen", sagt Hable.
Weitere Hinweise liefert eine Studie von H. Nejat Seyhun, einem Finanzprofessor der Universität von Michigan. Er gilt als der Wissenschaftler, der am meisten zum Thema Directors' Dealings geforscht hat. Seyhun verweist darauf, dass bei einem fallenden Markt überproportional viele Verkaufsaufträge im Orderbuch der Börse stehen. Insider würden mit ihren großen Kaufaufträgen in einer solchen Situation oft genug den Ausschlag für eine Trendumkehr geben.
Außerdem erhalte der Markt mit den Insidertransaktionen neue Informationen, die eingepreist werden müssten. Das klingt sehr technisch, ist aber leicht zu erklären: Wenn ein Topmanager einen Batzen Geld investiert, weil er die Aktie seines Arbeitgebers als unterbewertet ansieht, ist das ein gutes Zeichen für steigende Kurse. Hable pflichtet Seyhun bei, ergänzt aber: "Bei dieser Erklärung schwingt ein wenig Magie mit - schließlich weiß zum Zeitpunkt der Transaktion niemand, dass es sich um einen Auftrag eines Insiders handelt. Die entsprechende Pflichtmitteilung wird meist erst einen oder mehrere Tage später veröffentlicht."
Seyhun verweist zudem auf einen anderen Punkt, von dem auch Privatanleger lernen können: Häufig versehen Insider ihre Aufträge mit einem tiefen Limit, setzen sich also eine Preisobergrenze weit unterhalb des aktuellen Kurses. Rutscht - wie nach dem Erdbeben in Japan - die Börse nur kurz ab, kommen die Insider mit solchen "Abstauber"-Orders besonders günstig zum Zug.
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