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Merken   Drucken   07.12.2012, 11:55 Schriftgröße: AAA

FTD-Rentner Rolf Lebert: "250 Mio. Miese, schon machen die schlapp"

Rolf Lebert ist der erste und einzige Rentner, den die FTD hervorbrachte: Im Oktober verabschiedete er sich in den Ruhestand. Lebert über Weicheier, Abfindungen und das Leben danach.

Rolf Lebert, 65, ist ein Mann der ersten FTD-Stunde und Urgestein der Frankfurter Finanzszene. Ein Vollprofi, zugleich uneitel und unangepasst - kurzum: ein liebenswertes Fossil.


FTD Und Rolf, was sagste jetzt?

Rolf Lebert Weicheier halt, bei Gruner + Jahr. 250 Mio. Euro Miese in zwölf Jahren, und schon machen die schlapp. Der Lehman hat von einem Tag auf den anderen die halbe Weltwirtschaft ruiniert, und die Griechen gibt's immer noch.

Keine vier Wochen nach deiner Abschiedsparty ist klar: Die FTD wird eingestellt. Das kann doch kein Zufall sein!

Lebert Vermutlich haben die Großstrategen am Baumwall gemäß der Devise des sechsten deutschen Bundeskanzlers gehandelt: "Entscheidend ist, was hinten rauskommt" - und darauf gespitzt, meine Abfindung zu sparen.

Rolf Lebert   Rolf Lebert

Welches Gefühl überwiegt bei dir: Ärger, weil du zu früh pensioniert worden bist und keine Abfindung kassierst? Oder Erleichterung, weil du dich nicht mehr um einen neuen Job kümmern musst?

Lebert Ad 1: Nachdem der famose Verlag mir zwölf Jahre lang keinen Pfennig Gehaltserhöhung gezahlt hat, wäre eine fette Abfindung nur recht und billig gewesen. Aber sei's drum. Ad 2: Hier kommen wir zur Gnade der frühen Geburt, die offenbar selbst elementare Grundsätze der klassischen Logik außer Kraft zu setzen vermag. Wer kann schon von sich behaupten, der erste und der letzte Rentner zugleich gewesen zu sein, den die FTD jemals hervorgebracht hat. Und zwar punktgenau mit 65. Allein das war es mir schon wert.

Keiner wusste so viel wie du über die sexy Themen Basel III, IFRS 9 und das Niederstwertprinzip. Siehst du einen Nachfolger?

Lebert Diese Themen sind die richtige Strafe für jemanden, der Mutter und Vater erschlagen hat. Wer sich letzte Menschheitsthemen wie die bohrende Frage, warum das Eigenkapital mitunter auf die falsche Seite der Bilanz gerutscht ist, als sogenannte Kernkompetenz andrehen lässt, der hat nichts Besseres verdient.

Gibt es überhaupt eine Zeitung, die der FTD das Wasser reichen kann?

Lebert Ich sag's mal so: Es gibt da draußen genügend Schlipsträger und Teetrinker, die mit Blei und Fraktur bis an das Ende ihrer Tage glücklich und zufrieden sein werden. Und es gibt andere, die mögen halt solche, wie wir es waren. Das eine kann das andere nicht ersetzen.

Was wirst du vermissen, wenn die FTD nicht mehr da ist?

Lebert Eine freche Klappe hat die FTD schon gehabt. Wie wir wissen, hat der eine oder andere Nadelgestreifte das nicht unbedingt genossen. Eine solche Stimme wird künftig im deutschen Zeitungsmarkt fehlen, speziell in der Wirtschafts- und Finanzpresse.

Du hast alle Wirtschafts- und Finanzkrisen der vergangenen 35 Jahre hautnah miterlebt. Welche Lehren ziehst du daraus?

Lebert Jetzt wird's ja richtig ernst. "Die Negation der kapitalistischen Produktion wird durch sie selbst, mit der Notwendigkeit eines Naturprozesses, produziert. Es ist Negation der Negation", schrieb der Mann mit dem Bart. Noch Fragen?

Nur eine noch: Gibt es eigentlich ein Leben nach der FTD?

Lebert Ich sag's mal mit Trapattoni: "Ich habe fertig." Obwohl, der trainiert ja Irland, wenn ich das richtig sehe...

Interview: Tim Bartz

  • Aus der FTD vom 07.12.2012
    © 2012 Financial Times Deutschland
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