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02.06.2008, 10:58
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FTD-Zinsumfrage:
EZB brütet über Risiken
Exklusiv
Angesichts einer zu hohen Inflation dürfte die Europäische Zentralbank den Leitzins bis Jahresende bei 4,0 Prozent halten - das ist jedenfalls die Ansicht führender Volkswirte, wie die neue FTD-Zinsumfrage zeigt.
von Mark Schrörs (Frankfurt)
Wie aus einer Zusatzfrage zur monatlichen FTD-Zinsumfrage bei internationalen Banken hervorgeht, erwarten 55 Prozent bis Jahresende einen unveränderten Satz. Erstmals seit Jahresbeginn sind sie damit in der Mehrheit. "Die Inflation bereitet der EZB große Kopfschmerzen", sagte Klaus Baader, Europa-Chefvolkswirt bei Merrill Lynch.
Rund ein Viertel der Befragten prognostiziert aktuell auf Zwölf-Monatssicht einen konstanten Zins. Bei denjenigen, die im ersten Halbjahr 2009 wieder eine Zinsänderung erwarten, teilen sich die Lager gleichmäßig auf in jene, die auf steigende, und jene, die auf sinkende Zinsen setzen. Zusammen mit den 45 Prozent, die prognostizieren, dass der Satz bereits 2008 ein erstes Mal sinkt, sind damit aber weiter jene knapp in der Mehrheit, die als nächsten Schritt der EZB eine geldpolitische Lockerung erwarten.
Seit Juni vergangenen Jahres hält die EZB ihren Zins bei 4,0 Prozent. Zwar liegt die Teuerung inzwischen seit mehr als einem halben Jahr deutlich über dem Preisziel der EZB - was für Zinsanhebungen spräche. Zugleich aber ist die Euro-Zone einem Mix aus Finanzkrise, drohender US-Rezession und Euro-Aufwertung ausgesetzt - was eher Zinssenkungen nahelegte, um einen Konjunkturabsturz zu vermeiden.
Die FTD-Zinsumfrage im Juni
Nachdem sich die EZB Anfang des Jahres erstmals die Tür für Zinssenkungen geöffnet hatte, hatten die von der FTD befragten Volkswirte noch im März mit einer 80-Prozent-Mehrheit erwartet, dass die EZB bereits im Sommer senkt. Seitdem haben sie diesen Termin aber immer weiter nach hinten geschoben - oder sich ganz von dieser Prognose verabschiedet.
Hintergrund ist vor allem die Teuerung. Wie am Freitag bekannt wurde, ist sie im Mai erneut auf 3,6 Prozent geklettert - abgesehen von März dieses Jahres, als der gleiche Wert erreicht worden war, der höchste Stand seit 16 Jahren. Seit November liegt sie über der 3,0-Prozent-Marke. Die EZB strebt knapp unter 2,0 Prozent an.
Die zehn Banken mit den bislang genauesten Prognosen
Zugleich aber nehmen die Anzeichen zu, dass die Euro-Konjunktur mächtig an Tempo verliert. Das Wachstum im ersten Quartal war mit 0,7 Prozent zum Vorquartal zwar überraschend stark. Es war allerdings vor allem getrieben von Deutschland, wo Sonderfaktoren wie der milde Winter für das stärkste Plus seit 1996 sorgten.
Teil 2: Was die Ökonomen für 2009 erwarten
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Aus der FTD vom 02.06.2008
© 2008 Financial Times Deutschland,
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