Nach den Hilfspaketen für Griechenland und Irland gilt Portugal als wahrscheinlichster Kandidat für eine weitere Rettungsaktion durch die Euro-Partner. Die Renditen auf zehnjährige Staatsanleihen des Landes haben sich seit Mitte Dezember verdoppelt und liegen derzeit nahe 7,5 Prozent. Das ist ein klares Alarmzeichen: Die Hilferufe Griechenlands und Irlands erfolgten jeweils wenige Wochen, nachdem die Zinsen auf ihre Staatsanleihen ein vergleichbares Niveau erreichten.
Zwar hat die Regierung in Lissabon das Haushaltsdefizit im vergangenen Jahr nach eigener Aussage von 9,3 Prozent auf rund sieben Prozent verringert. 2011 will Ministerpräsident José Socrates die Neuverschuldung mittels Gehaltskürzungen im öffentlichen Dienst und Steuererhöhungen auf 4,6 Prozent senken. Doch der Sparkurs droht das ohnehin schwache Wachstum abzuwürgen.
Eine Flucht unter den Rettungsschirm lehnt Portugals Premier José Socrates ab
Nach Einschätzung der portugiesischen Zentralbank wird die Wirtschaftsleistung in diesem Jahr um 1,3 Prozent schrumpfen. Die Währungshüter begründeten ihre Prognose unter anderem mit den Sparbemühungen der Regierung, die neben den Investitionen der öffentlichen Hand auch den Privatkonsum einschränkten.
Die Folgen seien bereits deutlich sichtbar, sagte Zentralbankchef Carlos Costa Mitte Februar in einem Zeitungsinterview: "Man kann sagen, dass wir uns in einer Rezession befinden." Im vergangenen Jahr war die portugiesische Wirtschaft noch um 1,4 Prozent gewachsen, den Einbruch um 2,5 Prozent im Krisenjahr 2009 konnte dies aber nicht ausgleichen.
Lissabon wirbt verzweifelt um Vertrauen
Die meisten Experten gehen vor diesem Hintergrund davon aus, dass Lissabon die hohen Refinanzierungskosten auf Dauer nicht stemmen kann. "Wir glauben, dass Portugal sich gezwungen sehen könnte, die EU und den IWF um Hilfe zu bitten", schrieb die Ratingagentur Standard & Poor's vor einer Woche. Die sozialistische Minderheitsregierung will dies vermeiden, weil sie die mit einem Hilfspaket verknüpften Sparauflagen fürchtet. Deren Umsetzung würde sie vermutlich nicht überleben.
Portugal muss im April und Juni dieses Jahres insgesamt 9,5 Mrd. Euro an auslaufenden Staatsanleihen ablösen. Um die Sorgen der Märkte zu zerstreuen, hat die Regierung Investoren einen vorzeitigen Rückkauf der Papiere angeboten. Rechnet man die Neuverschuldung hinzu, wird Lissabon nach Berechnungen von Unicredit in diesem Jahr aber insgesamt 17 Mrd. Euro an den Märkten aufnehmen müssen.