Monster bekämpfen und Welten retten sind immer noch die Renner der Videospiel-Fangemeinde. Die neuesten Kreationen lassen sich bis zum 19. August auf der Spielemesse Gamescom in Köln bestaunen. Auch wenn prominente Vertreter wie Microsoft und Nintendo fehlen, sind Wartezeiten von drei Stunden keine Ausnahme.
Ein Grund für den Ansturm ist leicht auszumachen: Die Branche befindet sich im Umbruch. "Der Trend geht weg von klassischen CDs und Konsolenspielen hin zu Online- und Mobile Games", sagt Portfoliomanager Christoph Hembacher von Schleber Finanz-Consult. Die Erklärung dafür ist simpel: Der Zugang zu den meisten Spielen auf Smartphones und Tablets ist gratis. "Bezahlt werden muss nur für zusätzliche Features", zeigt Hembacher den Vorteil auf.
Traditionelle Spieleentwickler wie Take Two Interactive hat das arg in die Bredouille gebracht. Als Folge der Umsatz- und Gewinnrückgänge in den vergangenen Quartalen rauschte der Aktienkurs in die Tiefe. Seit Jahresanfang stehen die Papiere um mehr als ein Drittel in den Miesen. Ebenso erging es Branchenkrösus Electronic Arts (EA), der mit seinem Ego-Shooter-Spiel "Battlefield 3" auf der Gamescom um Kunden wirbt. "Die traditionellen Konzerne haben ganz klar Schwierigkeiten mit den Onlinespieleanbietern", sagt Analyst Adrian Kowollik von Dr. Kalliwoda Research. Geschlagen geben sich die einstigen Stars der Branche aber nicht. "Sie versuchen zum Beispiel, ihre eigenen Blockbusterspiele in ein neues Onlinemodell zu überführen", sagt Experte Kowollik. Dass diese Taktik aufgehen kann, zeigt Ubisoft mit seinem Kultspiel "Die Siedler". Nach eigenen Angaben ist die Gratisvariante "Die Siedler Online" profitabler, als es der Klassiker je war. Auch EA möchte im Internet punkten. Die Kalifornier gehen davon aus, dass sie bereits in wenigen Jahren mehr Onlineumsatz machen als mit Spielen auf CD.
Die Marktentwicklung bestätigt den Trendwechsel. Nach Schätzungen der Marktforscher der NPD Group brachen die CD-Spiele-Verkäufe im Juli in den USA um ein Fünftel ein. Experten der Beratungsfirma PricewaterhouseCoopers (PwC) rechnen damit, dass Onlinespiele die Branche schon bald dominieren werden. Während der Markt für PC-Spiele schrumpft, sollen Online- und Mobile Games im zweistelligen Bereich wachsen. Insgesamt geht PwC von einem Anstieg der Erlöse von derzeit 55,5 Mrd. auf 82 Mrd. Dollar (66,8 Mrd. Euro) im Jahr 2015 aus. Am Zenit ist die Branche aber damit längst nicht. "Technologische Innovationen wie 3-D sowie eine erweiterte Zielgruppe sind entscheidende Wachstumstreiber", sagt Fondsmanager Hembacher.
Waren es früher nur junge Männer, die sich mit Games beschäftigten, finden inzwischen immer mehr Frauen Gefallen daran. "Auch das Durchschnittsalter der Spieler nimmt deutlich zu", sagt Analyst Kowollik.
Die Free-to-play-Titel spülen jede Menge Geld in die Kassen der Hersteller. Paradebeispiele sind der chinesische Highflyer Tencent und das französische Unternehmen Gameloft. Die Franzosen sind der größte Entwickler und Herausgeber von Spielen für mobile Geräte. 2011 verdiente Gameloft 24 Cent je Aktie, ein Drittel mehr als im Vorjahr. Das Wachstum hält an: Im zweiten Quartal dieses Jahres erzielten die Franzosen Rekorderlöse von 50,4 Mio. Euro, ein Plus von 35 Prozent zur Vorjahresperiode. Für das Gros der bei Bloomberg aufgeführten Analysten ist die Gameloft-Aktie ein Kauf, Kursziel im Schnitt: 5,50 Euro.
Auch Ubisoft ist einen Blick wert. Die Firma scheint den Sprung von "traditionell" zu "online" zu meistern, was auch dem Aktienkurs gut bekommt. Vorerst auf die Watchlist gehört EA. Die Amerikaner wollen zwar noch im laufenden Geschäftsjahr Handyspiele auf den Markt bringen, das Erfolgspotenzial ist aber noch ungewiss.
Weit weg vom Erfolg ist Zynga . Der einst hochgejubelte Onlinespielehersteller, der vor allem durch Angebote auf Facebook bekannt ist, schockierte zuletzt mit schlechten Quartalszahlen. Die Aktie verlor auf einen Schlag 40 Prozent. Der Entwickler musste einen Verlust von nahezu 23 Mio. Dollar ausweisen. Seit Emission Ende 2011 büßte der Titel rund 70 Prozent an Wert ein. Für Zynga gilt vorerst die alte Börsenregel: "Never catch a falling knife" - greife niemals in ein fallendes Messer.