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  FTD-Serie: Die Ursprünge der Finanzkrise

Sie begann bei einem kalifornischen Hypothekenanbieter und hat inzwischen Märkte in aller Welt erfasst: Die Subprime-Krise um schlecht besicherte US-Immobilienkredite betrifft längst auch andere Branchen. Unter den Opfern sind zunehmend deutsche Unternehmen.

Merken   Drucken   08.08.2008, 12:00 Schriftgröße: AAA

Geburtstag der Finanzkrise (Teil 2): Am Anfang war Bear Stearns  

Es war ziemlich genau vor einem Jahr - an einem Freitag: Die Finanzmärkte näherten sich ihrem Sommertief, und die Banker verabschiedeten sich alle nach und nach in den Urlaub. Nur bei Bear Stearns stand noch etwas Wichtiges auf der Tagesordnung: eine Telefonkonferenz mit den Investoren. von John Gapper
Die Aktie der fünfgrößten Investmentbank war zuvor drastisch eingebrochen, weil die Investoren verunsichert waren. Grund waren der Zusammenbruch zweier Hedge-Fonds der Bank und die Risiken auf dem angeschlagenen Immobilienmarkt. Dass Bear-Stearns-Finanzchef Sam Molinaro so offen sein würde, hatte wohl keiner von ihnen erwartet. Statt zu beschwichtigen und die Finanzstärke der Bank zu betonen, verschreckte der Manager die Investoren nur noch mehr: "Ich bin jetzt seit 22 Jahren im Geschäft. Und das ist so ziemlich das Schlimmste, was ich in dieser Zeit auf dem Rentenmarkt gesehen habe. ... Was wir in den vergangenen acht Wochen erlebt haben, ist schon ziemlich extrem."
Noch am selben Nachmittag schlug Jim Cramer in seiner Fernsehshow "Mad Money" Alarm. Der ehemalige Hedge-Fonds-Manager, dessen Show bei den amerikanischen Privatinvestoren bereits Kult war, kritisierte Bear Stearns dafür, öffentlich einzugestehen, dass die Bank kaum noch zurechtkam. Und wo er schon dabei war, holte Cramer gleich zum Rundumschlag aus. Notenbankchef Ben Bernanke warf er vor, die Zinsen nicht deutlich genug zu senken. Es sei schon so weit, dass sich Banker in ihrer Not an ihn wenden, sagte Cramer. "Das ist Armageddon. Was wir auf den Rentenmärkten erleben, ist Armageddon", schrie Cramer, während Co-Moderator Erin Burnett versuchte, ihn zu beruhigen.
Zutreffende Einschätzung des Chaos
Vor einem Jahr klang das noch nach Panikmache, heute wissen wir, dass es eine zutreffende Einschätzung des Chaos war, das auf den Finanzmärkten ausgebrochen ist, als die Liquidität in den USA und weltweit schlagartig versiegt war.
Immer mehr Amerikaner konnten ihre Hypotheken nicht mehr zurückzahlen, und an den Anleihenmärkten brach das Chaos aus. Die meisten solcher Subprime-Hypotheken wurden von Banken verbrieft und als komplexe Wertpapiere (CDOs) an Investoren verkauft. Ratingagenturen, allen voran Moody's und Standard & Poor's, bewerteten die strukturierten Produkte. Dass Tranchen mit niedrigem Rating bei einem Abschwung auf jeden Fall gefährdet sind, war den Investoren klar, aber die wenigsten sahen vorher, wie stark es selbst Wertpapiere mit Toprating erwischen würde.
Das Chaos auf dem amerikanischern Immobilienmarkt und bei den strukturierten Finanzprodukten erschütterte die Geldmärkte, auf denen sich die Banken kurzfristig finanzieren. Die Finanzinstitute horteten Barmittel und nahmen Kredite zurück. Das Vertrauen in der Branche löste sich in Luft auf. Der Londoner Interbankenzins Libor schnellte nach oben.
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