Demnach schneiden Aktien, die sich in den vorangegangenen zwölf Monaten besonders stabil entwickelt haben, im darauffolgenden Monat besonders gut ab. Anders als immer wieder gepredigt, hat es sich also nicht ausgezahlt, auf schwankungsanfällige Aktien zu setzen.
Die Analysten der Hamburger Privatbank M.M. Warburg überprüften, wie gut sich von Investoren oft verwendete Kennzahlen zur Aktienanlage eignen und zogen hierfür die Titel des Stoxx 600 aus dem Euro-Raum heran. Für den Zeitraum von Ende 2001 bis Juni 2010 testeten sie auf Monatsbasis für jedes Kriterium ein gutes und ein schlechtes Portfolio.
Beispiel: Für das erwartete Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) wählten sie die günstigere Hälfte der Aktien als "gutes" und den Rest der Aktien als "schlechtes" Portfolio, den Erfolg maßen sie am Unterschied der Rendite im darauffolgenden Monat.
Aus den vielen Werten des gesamten Zeitraums bildeten sie dann den Durchschnitt. Ergebnis: Die KGV-Schnäppchen schnitten im Folgemonat nur 0,08 Prozent besser ab als die höher bewerteten Aktien. Eine magere Ausbeute - aufs Jahr hochgerechnet sind das gerade mal 0,96 Prozent.
Am besten fuhren Anleger bei der Geldanlega in dieser Systematik mit Aktien, die in den vorangegangenen zwölf Monaten besonders gut gelaufen waren. Ein solches auf Performance konzentrierte Portfolio brachte auf Monatssicht 0,23 Prozent mehr Rendite als Verliereraktien.
"Es hat uns überrascht, dass gerade eine technische Kennzahl vorne liegt", sagt Christian Jasperneite, Chef des Investmentteams bei M.M. Warburg. Erfolgsindikatoren waren auch eine hohe Veränderung der Gewinnschätzung im Vormonat und ein schnelles Wachstum der Umsatzmarge. Dann war die Rendite im Folgemonat 0,16 Prozent und 0,14 Prozent besser.
Der schlechteste Indikator war der Studie zufolge eine hohe Marktkapitalisierung. Die größten Unternehmen hinkten den kleinen Firmen im Folgemonat um 0,11 Prozent hinterher. Das passt zur Theorie: Nebenwerte gelten als riskanter, und dieses Risiko lassen sich Anleger bezahlen.
Auch Tobias Klein, Chef des Investmenthauses First Private, hat diesen Zusammenhang beobachtet: "Es gibt zwar regionale Unterschiede, aber durchschnittlich haben die kleineren die größeren Unternehmen im letzten Jahrzehnt um jährlich 3,5 bis sieben Prozent übertrumpft", sagt der Fondsmanager.
Mit Blick auf die Schwankungsbreite (Volatilität) der Aktien gilt für die Anlagestrategie die Beziehung zwischen Rendite und Risiko anscheinend aber nicht in der althergebrachten Form. Nicht das Portfolio mit der größeren Volatilität lieferte eine höhere Rendite, sondern das mit den Aktien, die weniger starke Ausschläge verzeichneten.
"Eigentlich ist das eine Kapitalmarktanomalie", sagt Jasperneite. "Aber bei dem, was in den letzten 20 Jahren an den Kapitalmärkten alles schiefgelaufen ist, muss man das langfristige Festhalten an einzelnen Faktoren sowieso hinterfragen." Jasperneite sieht sich daher auch eher als Taktiker denn als Stratege. "Echter Mehrwert kommt über die Taktik, Zyklen abzugreifen und auch mal mutig vom Vergleichsindex abzuweichen."