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Merken   Drucken   18.09.2012, 17:08 Schriftgröße: AAA

Geldanlage: Anlagestrategien der Experten

Mit Blick auf Aktien sind Analysten bei der Geldanlage uneins, aber Anleihen aus Südeuropa gewinnen an Attraktivität und Bedeutung bei der Anlagestrategie.
© Bild: 2012 Getty Images
Mit Blick auf Aktien sind Analysten bei der Geldanlage uneins, aber Anleihen aus Südeuropa gewinnen an Attraktivität und Bedeutung bei der Anlagestrategie.
von Richard Haimann

Drei historische Entscheidungen haben den Aktienmärkten in den vergangenen Tagen einen kräftigen Schub verliehen: Zuerst gab die Europäische Zentralbank (EZB) grünes Licht für den unbegrenzten Aufkauf von Staatsanleihen hoch verschuldeter Staaten am Sekundärmarkt. Dann machte das Bundesverfassungsgericht den Weg frei für den Euro-Rettungsschirm ESM. Schließlich beschloss am Donnerstag die US-Notenbank weitere massive Interventionen zur Stützung der amerikanischen Wirtschaft. Trotz der zunächst deutlichen Kurssignale - der DAX  legte vergangene Woche 2,7 Prozent zu - sind die Analysten uneins, wie es an den Märkten weitergeht.

Für Christian von Engelbrechten, Fondsmanager bei Fidelity, dürfte die Party an den Aktienmärkten anhalten. Er prognostiziert weiter steigende Aktienkurse und empfiehlt deutsche Werte für die Geldanlage. "Die EZB-Maßnahmen und die Entscheidung zugunsten des ESM sollten das Wachstum in Deutschland wieder voranbringen." Zwar werde sich die Wirtschaft zunächst nur moderat entwickeln. Dennoch dürften Aktien hiesiger Unternehmen in nächster Zeit attraktive Renditen abwerfen. "Die Papiere sind derzeit sehr günstig, weil in ihrer Bewertung noch immer ein sehr pessimistisches Konjunkturszenario eingepreist ist", sagt von Engelbrechten. Zudem würden die Unternehmen 2013 hohe Dividenden ausschütten.

Fokus auf Europa: ausgewählte Aktien auf den Kauflisten der Analysten   Fokus auf Europa: ausgewählte Aktien auf den Kauflisten der Analysten

Experten uneins bei Anlagestrategie

Jeffrey Morrison, Portfoliomanager bei MFS Investment Management, empfiehlt, auch in Aktien aus anderen europäischen Ländern einzusteigen. "Europäische Papiere sind niedriger bewertet als US-Aktien und bieten deshalb mehr Kurspotenzial." Insbesondere die Kurse zyklischer Papiere wie Automobilwerte würden kräftig steigen, wenn die Wirtschaft wieder Fahrt aufnimmt. Zudem, so Morrison, würden Kursgewinne bei US-Aktien zum Teil aufgefressen, legt der Euro  weiter gegen den Dollar  zu. Seit Juli verlor die US-Währung bereits mehr als acht Prozent gegen den Euro. "Das gegenwärtige Szenario an den Kapitalmärkten favorisiert den Euro gegenüber dem Dollar", sagt Folker Hellmeyer, Chefvolkswirt der Bremer Landesbank.

Trevor Greetham, Leiter Asset Allocation bei Fidelity Worldwide Investment, sieht die Aktienmärkte zwar langfristig optimistisch. Kurzfristig könnte es an den Börsen aber Rückschläge geben, wenn Investoren Anlässe suchten, um zunächst Gewinne mitzunehmen. "Schwäche Wirtschaftsdaten könnten in den nächsten Monaten zu Kaufgelegenheiten führen", sagt Greetham.

Michael Beck, Leiter Portfoliomanagement bei der Privatbank Ellwanger & Geiger, rät hingegen generell von Aktienkäufen ab. "Alle Daten zeigen, dass sich die Weltkonjunktur abkühlt." Zuletzt kappte vergangene Woche die Welthandelsorganisation WTO ihre Frühjahrsprognose zur Entwicklung im globalen Warenverkehr. Statt um 3,7 Prozent werde der Welthandel dieses Jahr um weniger als drei Prozent wachsen. Beck erwartet deshalb, dass die Börsen bald wieder auf Talfahrt gehen. "Anleger sollten 25 Prozent ihres Vermögens in bar halten, um in Aktien einzusteigen, wenn deren Kurse eingebrochen sind."

Geldanlage in südeuropäische Staatspapiere

Die DZ Bank hat den Anteil der DAX-Werte in ihrem Musterdepot bereits in der Vorwoche von 16 Prozent auf 7,5 Prozent reduziert. "Diese Aktien haben seit Januar 25 Prozent zugelegt und sind damit so gut gelaufen, dass weitere Kurssteigerungen kaum zu erwarten sind", sagt Christian Kahler, Chefstratege Aktien der DZ Bank. Bei den Anleihen übersteigt der Anteil italienischer Staatspapiere im Musterdepot mit 23 Prozent inzwischen den der Bundesanleihen von 22 Prozent. Auf spanische Bonds entfallen zehn Prozent. "Die Maßnahmen der EZB werden die Kurse der Anleihen dieser Länder steigen lassen, während die Notierungen der Bundesanleihen tendenziell nachgeben dürften", sagt Kahler.

Seit Anfang 2011 waren Investoren massiv aus Papieren südeuropäischer Staaten in Bundesanleihen geflüchtet. Das hatte die Kurse in die Höhe und die Renditen entsprechend in den Keller getrieben. Weil die Gefahr von Staatspleiten in Südeuropa gebannt scheint, stiegen die Kurse vergangene Woche wieder. Dadurch sanken die Renditen zehnjähriger italienischer und spanischer Papiere von 5,1 auf fünf Prozent beziehungsweise von 5,7 auf 5,6 Prozent. Zum Vergleich: Zehnjährige Bundesanleihen rentierten am Freitag nur knapp über 1,6 Prozent. Das könnte Investoren dazu verleiten, bei ihrer Geldanlage und Anlagestrategie aus deutschen in südeuropäische Papiere umzuschichten.

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