Börsenlegende André Kostolany stellte einst die Regel für die Geldanlage auf: "Kaufen Sie Aktien, nehmen Sie Schlaftabletten und schauen Sie die Papiere nicht mehr an. Nach vielen Jahren werden Sie sehen: Sie sind reich." Viele Investoren richteten sich jahrzehntelang danach: Wer sein Aktiendepot sorgfältig auf Basis von Ertrags- und Risikokennzahlen ausgewählt und diversifiziert hatte, ließ danach möglichst lange die Finger von den Wertpapieren. Trotz zwischenzeitlicher Schwankungen konnten Anleger am Ende ein ordentliches Plus verzeichnen.
Inzwischen verlassen sich immer weniger Anleger auf Erfahrungswerte aus der Vergangenheit und auf einfache Faustformeln. Stark schwankende Kurse und die Bärenmärkte der vergangenen Jahre haben Investoren den Mut genommen und ihre Sinne für Risiko geschärft. Eine aktuelle Umfrage von Allianz Global Investors unter institutionellen Investoren zeigt: Portfoliomanager fürchten die Folgen der zunehmenden Volatilität und das mögliche Eintreten von Extremereignissen. Deshalb legen sie bei der Portfoliogestaltung den Fokus auf eine risikobasierte Auswahl von Vermögenswerten.
"Anleger registrieren mit wachsendem Unbehagen, dass die Vernetzung der Risiken vor dem Hintergrund extremer Marktbewegungen zu bisher undenkbaren, systemischen Risiken führen kann", sagt Thomas Wiesemann, Chief Market Officer von Allianz Global Investors (AGI) in Europa.
Aber was tun, wenn die Erfahrungswerte der Vergangenheit keinen Anhaltspunkt mehr für zukünftige Marktrisiken bieten? Institutionelle Investoren setzen auf komplexe, dynamische Risikomanagementstrategien mit regelmäßigen Umschichtungen des Portfolios, belegt die Umfrage. "Dynamische Risikomanagementstrategien sind für Anleger, die diese schwierige Marktphase mit einem begrenzten Risikobudget überwinden müssen, schlichtweg eine Notwendigkeit geworden", sagt Wiesemann.
Für eine solche risikogesteuerte Investitionsstrategie nutzen Profianleger verschiedene Modelle. Wer sich als Privatanleger daran versuchen möchte, sollte allerdings genau aufpassen, nach welchem Modell er sein Portfolio aufbauen will. Nicht jede Strategie der Profis lässt sich so einfach umsetzen.
Am meisten können private Investoren von den Profis bei der Risikomanagementstrategie "Equally Weighted Portfolio" lernen. Bei diesem Modell verzichten Anleger auf komplexe Voraussagen zu Marktschwankungen und setzen auf einfache Streuung bei den Anlageklassen: Sie investieren in jede Aktie im Portfolio den gleichen Betrag und stellen diese Situation regelmäßig wieder her - indem sie Aktien nachkaufen, deren Kurs gefallen ist, und Aktien verkaufen, deren Kurs angezogen hat.
Die Übertragung anderer Modelle ist da schon deutlich schwieriger. Der "Equal Risk Budget"-Ansatz etwa versucht eine Gleichverteilung des Risikos im Portfolio zu erzielen, indem Aktien mit einer höheren Schwankung niedriger gewichtet werden als solche mit einer geringen Schwankungsbreite. Verfechter der "Equal Risk Contribution"-Strategie hingegen wählen die Wertpapiere so aus, dass sie je den gleichen Risikobeitrag ins Portfolio einbringen. Bei diesem Ansatz werden nicht nur Volatilitäten berücksichtigt, sondern auch Zusammenhänge zwischen den Papieren: Aktien mit einer höheren Korrelation gelten als riskant und werden im Portfolio niedrig gewichtet. Noch komplexer ist das "Maximum Diversification"-Modell. Diese Strategie vergleicht das Risikobudget für jede einzelne Aktie mit der aktuellen Schwankungsbreite des Portfolios. Ziel ist ein möglichst geringes Gesamtrisiko.
Laut einer Simulation von BNP Paribas Investment Partners für die Jahre 1995 bis 2010 bieten die komplexen Risikomanagementstrategien bei einer vierteljährlichen Neugewichtung des Portfolios eine bessere Performance und eine niedrigere Schwankung als der Marktdurchschnitt. Für die Investoren bietet die regelmäßige Neugewichtung der Vermögenswerte nach diesem Prinzip also mehr Sicherheit. "Dynamische Risikomanagementstrategien, die über eine reine Diversifikation hinausgehen, haben sich in der Finanzkrise bewährt und werden weiter an Bedeutung gewinnen", urteilt Reinhold Hafner, CEO der Allianz-Tochter Risklab.
Privatanlegern fehlen bei der Geldanlage und zur Umsetzung der komplexeren Anlagestrategien allerdings in der Regel Zeit und Ressourcen, um die optimale Gewichtung der Aktien im Portfolio zu berechnen und regelmäßig anzupassen. Die Streuung mit festen Investitionsbeiträgen je Papier erweist sich dagegen als vergleichsweise leicht durchführbar.
| Sehr gewagt |
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| Für Profis Institutionelle Anleger setzen zunehmend auf dynamische Risikomanagementstrategien, die über eine reine Diversifikation hinausgehen und auch zukünftige extreme Risiken einkalkulieren. |
| Für alle Nicht alle Strategien lassen sich für Privatanleger gleich gut umsetzen. Die einfachste ist, vorab einen Geldbetrag festzulegen, den man je Aktie investieren will, und die Papiere so je nach Kurs zu kaufen oder zu verkaufen. |