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Merken   Drucken   03.11.2008, 10:00 Schriftgröße: AAA

Geldanlage: Flexibilität schützt vor Verlusten

Mischfonds erfreuen sich dank der Abgeltungsteuer großer Beliebtheit. Doch wer langfristig investiert, sollte sich die Körbe genau ansehen. Denn die Resultate fallen sehr unterschiedlich aus. von Gerd Hübner
Die Marketingaktivitäten der Fondsgesellschaften im Zuge der nahenden Abgeltungsteuer scheinen zu wirken. Dach- und Mischfonds erfreuten sich im ersten Halbjahr 2008 großen Zuspruchs. Mit 6,7 Mrd. Euro verbuchten Dachfonds die höchsten Zuflüsse aller Fondskategorien, Mischfonds stehen mit 5,2 Mrd. Euro an zweiter Stelle. Offensichtlich sind viele Anleger überzeugt von der Idee, ihr Geld noch in diesem Jahr in einem bestimmten Produkt anzulegen, um die dann erzielten Kursgewinne nach zehn oder 20 Jahren steuerfrei zu vereinnahmen.
Sofern es dann Kursgewinne gibt. Der Aktienindex Dax zum Beispiel notiert derzeit unter dem Stand von 1999. Wer damals in den Index investierte und nach der nun so oft propagierten Buy-and-Hold-Strategie verfuhr, stellt heute fest, dass er, abgesehen von möglichen Dividendenzahlungen, nun auf Kursverlusten sitzt. Macht es angesichts dieser Entwicklung überhaupt Sinn, sein Geld langfristig in einem Mischfonds anzulegen?
Für diese Fondskategorie spricht, dass die Manager die Möglichkeit haben, in Zeiten, in denen die Aktienkurse fallen, auf sichere Anleihen oder den Geldmarkt auszuweichen. Das gelang recht vielen Mischfondsmanagern. Insgesamt werden bei dem Fondsanalysehaus Morningstar 172 Euro-Mischfonds geführt, die seit mehr als zehn Jahren am Markt sind. Davon notieren derzeit 139 Körbe auf Sicht von zehn Jahren im Plus, nur 33 verloren an Wert. Das heißt, die weit überwiegende Mehrheit der Manager erzielte nach Kosten ein positives Ergebnis.
Große Qualitätsunterschiede zu erkennen
Doch bei näherer Betrachtung fallen die Ergebnisse sehr unterschiedlich aus. Bei vielen Fonds steht nach zehn Jahren nur ein leichtes Plus von unter einem Prozent pro Jahr zu Buche. Zwischen dem besten und dem schlechtesten Mischfonds liegt gar eine Differenz von rund 14 Prozentpunkten pro Jahr.
"Es ist möglich, dass einigen Fondsmanagern das frühzeitige Umschichten in sichere Anlagen besser gelang als anderen", sagt Simon Nöth, Fondsanalyst von Morningstar. Allerdings könne dies auch Glück gewesen sein.
Seiner Ansicht nach ist es vor allem die richtige Aufteilung zwischen den einzelnen Vermögensklassen, die entscheidend war für die divergierenden Ergebnisse. "Während in der Finanzkrise vermutlich einige Manager in sichere Staatsanleihen und Tagesgeld gingen, dürften andere stärker auf Unternehmensanleihen gesetzt haben", sagt Nöth. Die aber brachten nur vermeintliche Sicherheit. Denn im Zuge der zuletzt gestiegenen Risikoaversion haben sie starke Kursverluste hinnehmen müssen.
Den richtigen Weg scheint Edouard Carmignac, Manager des ausgewogene Mischfonds Carmignac Patrimoine, gefunden zu haben. Ihm gelang es mit dem Fonds auf Sicht von zehn Jahren einen jährlichen Wertzuwachs von 9,7 Prozent zu erzielen. Dabei hat er bereits die Krise zu Beginn dieses Jahrzehnts gut überstanden. Während des Kurseinbruchs in 2002 brachte der Fonds ein Plus von knapp fünf Prozent. "Wir hatten damals unsere Aktien- und Dollarpositionen abgesichert", sagt Carmignac.
Manager setzt auf Wachstumsthemen
Dann, mit Beginn der Aufwärtsphase ab Mitte 2003, hat der Experte Wachstumsthemen wie Schwellenländer, Rohstoffe oder alternative Energien stärker gewichtet. Das Resultat: 2005 brachte der Mischfonds, der stets zu mindestens 50 Prozent in Anleihen oder den Geldmarkt investiert sein muss, ein Plus von 21,5 Prozent.
Auch auf die aktuelle Situation, vor allem die Pleite der Investmentbank Lehman Brothers hat er frühzeitig reagiert. "Waren wir Anfang September 2008 noch zu 23,5 Prozent in Aktien investiert, so haben wir diese Position bis Monatsmitte komplett gegen Kursverluste abgesichert", sagt Carmignac.
Ob und wie ein Mischfondsmanager auf ein verändertes Marktumfeld reagiert, sei ein Punkt, so Fondsanalyst Nöth, worauf Anlegern achten sollten. "Wer gute von schlechten Mischfonds unterscheiden möchte, sollte nicht nur die Wertentwicklung beachten, sondern auch, auf welche Vermögensklassen ein Fondsmanager in schwierigen Marktphasen und in Zeiten steigender Aktienkurse setzt", sagt der Experte. Also, ob er in guten Phasen am Aufwärtstrend partizipiert, und ob er in schwierigen Phasen in der Lage war, größere Verluste zu vermeiden.

Teil 2: Fondsmanagement favorisiert derzeit Anleihen

  • FTD.de, 03.11.2008
    © 2008 Financial Times Deutschland,
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