Andreas Beck ist Vorstand des Instituts für Vermögensaufbau.
Warum scheitern Vermögensverwalter? Kurz gesagt aus demselben Grund, aus dem der FC Bayern gegen den FC Chelsea im Champions-League-Finale gescheitert ist.
Natürlich gibt es bei den Vermögensverwaltern immer Stars mit exzellenten Renditen. Nur kannte man die vor zehn Jahren nicht. Vielmehr gab es andere Stars und davor wieder andere. Ein ständig wechselndes Spiel, und der Star von gestern ist nicht der von heute. Unterm Strich kommt man nicht umhin anzuerkennen, dass die Resultate zu oft zu schlecht sind und immer mehr Investoren gemanagten Fonds oder der individuellen Vermögensverwaltung den Rücken kehren.
Zurück zum Champions-League-Finale - zu Arjen Robben am Elfmeterpunkt. Er muss sich entscheiden, ob er links, rechts oder in die Mitte schießt. Statistisch gesehen ist die optimale Wahl: hoch in die Mitte. Der Torwart entscheidet sich meist für eine der beiden Ecken. Robben schießt rechts. Der Torwart rät richtig und hält den Ball. Warum hat der Schütze den Ball nicht hoch in die Mitte geschossen, obwohl dies der Mannschaft am dienlichsten gewesen wäre? Er kann es nicht riskieren. Wenn es schiefgeht und der Torwart stehen bleibt, dann schaut der Schütze richtig dämlich aus. Das Reputationsrisiko ist so hoch, dass der Schütze die schlechtere Strategie wählen muss. Die tiefere Ursache ist das Publikum: Es erwartet einen strammen Schuss in ein Eck.
Beim Portfolio-Management ist das ein anderes Spiel, aber die Problematik ist identisch. Auch hier macht es eine falsche Erwartungshaltung der Kunden dem Manager nahezu unmöglich, optimale Strategien zu wählen. Betrachten wir zum Beispiel ein lang ausgerichtetes Depot mit 30 Prozent Aktien und 70 Prozent Zinspapieren. Wie beim Elfmeter gibt es für den Manager in jeder Marktsituation drei Möglichkeiten: Er stockt die Aktien auf, er macht nichts, er baut die Aktien ab. Die langfristig beste Strategie wäre, Aktien immer dann aufzustocken, wenn der Aktienmarkt überproportional eingebrochen ist, und Aktien immer dann abzubauen, wenn der Aktienmarkt überproportional gestiegen ist. Die Realität sieht anders aus: Sind die Aktienkurse viel deutlicher gefallen, als es fundamentale Veränderungen rechtfertigen würden, so wagen es Portfolio-Manager oft nicht, die jetzt günstigen Aktien aufzustocken. Fällt der Markt weiter, so ist das Reputationsrisiko zu groß: "Das hat doch jeder gesehen, dass es bergab geht!"
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Unsere Forschungsdaten über Erfolg und Misserfolg verschiedener Strategien zeigen, wie schädlich gerade die Handlungen sind, die nur aus dem Zwang einer Kundenrechtfertigung heraus gemacht werden. Das fängt beim Leistungsversprechen an: "Wir sorgen für langfristig attraktive Renditen, kurzfristig begrenzen wir aktiv Verluste." Das ist der Anfang vom Ende. Wenn ich langfristig attraktive Renditen erziele, muss ich Aktien nach einem Einbruch günstig aufstocken. Möchte ich für die Kunden kurzfristig Verlustrisiken eingrenzen, habe ich nach einem Einbruch kein Risikobudget mehr und muss den Aktienanteil auflösen. Es geht nicht, beide Ziele zugleich zu verfolgen.
Man kann nur hoffen, dass nach vielen Enttäuschungen irgendwann mehr Realismus in die Branche einkehrt. Hochwertige Vermögensverwaltung ist ein Grundbedürfnis langfristig orientierter Anleger. Diese sollten ihrem Verwalter die Möglichkeit geben, es langfristig ausgerichtet zu verwalten. Anleger, die kurzfristig keine Verluste akzeptieren, sollten hingegen keine Renditen oberhalb festverzinslicher Anlagen anstreben. Nur wenn die Ziele klar definiert sind, kann der Verwalter entsprechend arbeiten. Ein Reputationsrisiko aufgrund einer widersprechenden Kundenerwartung braucht er dann nicht zu fürchten.
Das ist wie bei Frank Lampard vom FC Chelsea. Sein Team liegt zurück, und die Erwartungshaltung an einen Engländer im Elfmeterschießen ist minimal, ein Reputationsrisiko gering. In diesem Kontext konnte er den Ball einfach in die Mitte ballern - und treffen.