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Merken   Drucken   16.11.2008, 09:00 Schriftgröße: AAA

Geldanlage: Wenn Fehler bares Geld kosten

Die Deutschen weisen in Sachen Geldanlage erstaunliche Wissenslücken auf. Ein neues Buch räumt mit den schlimmsten Irrtümern auf - und gibt Tipps. von Heino Reents
Zuggeben, hinterher ist man immer schlauer. Aber dass viele Privatinvestoren trotz der Erfahrungen immer die selben Fehler machen, ist schwer nachzuvollziehen. Doch die typischen Verhaltensmuster wie Herdentrieb kommen auch auf dem Parkett vor und werden von der Behavioral-Finance-Theorie beschrieben. Die Finanzmärkte sind demnach vor allem von Psychologie bestimmt; die wirtschaftlichen Fundamentaldaten spielen eine untergeordnete Rolle.
"Es gibt einige typische Anlegerfehler, deren Verluste in der Regel nicht eingeholt werden. Dazu gehört etwa das prozyklische Handeln, also im Top rein und im Tief raus", sagt Riklef von Schüssler, Geschäftsführender Partner bei Feri Wealth Management. Der Anlageprofi bemängelt: "Angst und Gier sind leider keine guten Ratgeber und verführen Anleger zu einem schlechten Timing."
Wenn die Investments gut laufen, sei der Glaube an den schnellen Erfolg groß. "Klar, man erhöht die Gewichtung solange bis das Glück einen verlässt. In der Regel führt diese Überschätzung zu empfindlichen Verlusten", so von Schüssler.
Das sind jedoch nur einige von vielen Fehlern, die Anleger regelmäßig begehen. Ein möglicher Grund: Fehlendes oder mangelhaftes Wissen rund um das Thema Geldanlage. "Der Beratungsbedarf in Sachen Geldanlage ist riesig", sagt Niels Nauhauser. "Und die Finanzkrise hat dies noch verschärft."
Als Finanzexperte der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg bekommt er nahezu täglich mit, dass es in bei der Finanzbildung hierzulande großen Nachholbedarf gibt. "Die Mehrzahl der Kunden und Anleger wissen gar nicht, welches Renditepotenzial sie verschenken, weil sie ihrem Berater blind vertrauen", berichtet Nauhauser.
"Eine Investition in Wissen bringt immer noch die besten Zinsen", sagte schon Benjamin Franklin. Experten raten deshalb, dass man sich gerade in Finanzfragen nicht auf scheinbar allgemeingültige Faustregeln und todsichere Insidertipps verlassen sollte. Denn die kosten unter Umständen bares Geld.
Zusammen mit Diplom-Betriebswirt Werner Bareis hat Nauhauser nun das "Lexikon der Finanzirrtümer - Teure Fehler und wie man sie vermeidet" (Econ Verlag, 16,90 Euro) aufgelegt. "Die Finanzkrise hat die Anleger zunehmend misstrauisch gemacht. Die Bereitschaft ist gestiegen, sich nun selbst mit dem Thema Geldanlage zu beschäftigen", sagt Verbraucherschützer und Buchautor Nauhauser. Im Folgenden stellen wir eine Auswahl an populären Irrtümer aus dem Buch in Kurzform vor.
"Es ist erstaunlich, wie verbreitet dieser Irrglauben ist", berichtet Nauhauser aus seinem täglichen Beratungsalltag. Dabei sind doch gerade die Kosten einer Geldanlage ausschlaggebend für den Anlageerfolg. Je niedriger die Gebühren, desto besser. Während sich die jährlichen Kosten bei gängigen Exchange Traded Funds, also den börsennotierten Indexfonds, auf rund 0,3 Prozent belaufen, sind es bei aktiv gemanagten Aktienfonds durchschnittlich 1,8 Prozent pro Jahr.
Bei einer Anlagesumme von 10.000 Euro und einer Rendite von fünf Prozent machen diese 1,5 Prozent Unterschied nach zehn Jahren 2200 Euro aus, nach 30 Jahren hat der ETF-Anleger 33.000 Euro Wertzuwachs, der Fonds-Anleger dagegen nur 18.000 Euro. Deshalb der Tipp der Experten: Wichtig ist, Anlageformen zu wählen, die bei ähnlichen Erfolgschancen niedrigere Kosten ausweisen.
Falsch, sagen Bareis und Nauhauser Richtig ist vielmehr, dass es für Geldanlagen einen langen Atem braucht, aber nicht viel Zeit. Zu viele Informationen sind für eine Aktienanlage sogar oft schädlich. Denn wer als Aktionär täglich alle Artikel über "sein" Unternehmen verschlingt, handelt möglicherweise überstürzt und voreilig. Und das hektische Hin und Her, also Kauf- und Verkaufsentscheidungen verursachen Kosten, die von der Rendite abgehen. Eine Reihe von Untersuchungen haben ergeben, dass schlechter informierte Anleger oft im Vorteil sind, denn sie lassen sich nicht so leicht von vermeintlich wichtigen Nachrichten fehlleiten.
Auch das ist ein weit verbreiteter Anlegerirrglaube. Richtig ist, dass das Investment um 25 Prozent zulegen muss, wie folgendes Rechenbeispiel verdeutlicht: Ein Wertpapier, das ein Anleger für 100 Euro gekauft hat, rutscht um 20 Prozent auf 80 Euro ab. 20 Prozent Kursgewinn von 80 machen jedoch nur 16 Euro aus. Das Papier muss also um 25 Prozent, sprich 20 Euro, steigen, um den ursprünglichen Kaufpreis zu erzielen.
Stimmt nicht, schreiben Nauhauser und Bareis. Zumindest nicht in der Vergangenheit. Die Steigerungen beim Goldpreis hätten vielmehr in den vergangenen 25 Jahren die Inflationsrate bei weitem nicht ausgeglichen. Allerdings könnte sich das künftig ändern, weil sich das Edelmetall in der Vergangenheit unterdurchschnittlich entwickelt hat.
Nein, feilschen kann sich unter Umständen lohnen, heißt es in dem Buch. Provisionen sind bei den meisten Finanzprodukten grundsätzlich verhandelbar. Durch einen reduzierten Ausgabeaufschlag bei Investmentfonds können Anleger einiges sparen. Einzige Ausnahme: Bei Versicherungen gibt es ein gesetzliches Provisionsabgabeverbot. Das stammt zwar im Wesentlichen aus zwei Verordnungen aus dem Dritten Reich - ein Verstoß gegen das Verbot stellt jedoch eine Ordnungswidrigkeit dar und könnte theoretisch sogar von der Finanzaufsicht BaFin verfolgt werden.
Über Provisionen verhandeln, ist aber auch anderswo sinnvoll, etwa bei Maklerverträgen. Eine Studie des Vereins Wohnen im Eigentum hat ergeben, dass die Mehrheit der Makler durchaus dazu bereit ist. Je nach Wert der Immobilie sind so Einsparungen von mehreren tausend Euro möglich.
Die kleine Auswahl zeigt: In Sachen Finanzbildung besteht hierzulande noch Nachholbedarf. Fakt ist aber auch, dass viele der Finanzirrtümer nicht nur weit verbreitet sind, sondern angesichts der zunehmenden Komplexität der Finanzmärkte auch ständig neue hinzukommen. Die Autoren rufen deshalb dazu auf, unter www.lexikon-der-finanzirrtuemer.de neue hinzuzufügen und darüber aufzuklären - damit es dubiose Berater künftig noch schwerer haben.
  • FTD.de, 16.11.2008
    © 2008 Financial Times Deutschland,
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