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Merken   Drucken   09.11.2008, 10:00 Schriftgröße: AAA

Geldanlage: Wenn Inflation Renditen auffrisst

Im Frühjahr 2008 spukte das altbekannte Schreckgespenst Inflation an den Kapitalmärkten herum. Das Thema Kaufkrafterhaltung wird bei Investments von vielen Anlegern vernachlässigt. Zu Unrecht. Dabei gibt es guten Schutz. von Heino Reents
Plötzlich stieg die Geldentwertung im Euroraum bis auf über vier Prozent - das entspricht etwa der Rendite zehnjähriger Bundesanleihen. Die Finanzkrise hat das Thema Inflation jedoch seitdem stark in den Hintergrund gedrückt. Die Inflationsrate ist zudem zuletzt wieder etwas gesunken.
"Das Gelddrucken der Regierungen wird keinen Inflationsdruck verursachen", meint etwa Alexander Scurlock von Fidelity Investments. "Denn obwohl die Regierungen derzeit Liquidität in Hülle und Fülle bereitstellen, leihen die Banken sie nicht aus." Außerdem dürfe laut Scurlock nicht unterschätzt werden, in welchem Maße die Konjunkturabkühlung den Inflationsdruck bremsen werde.
Auch Markus Zschaber, Portfoliomanager der V.M.Z. Vermögensverwaltung aus Köln rechnet wegen der massiven Reduktion der Geldmenge nicht mit einer exzessiven Ausweitung der Inflations-Entwicklung. "Im Gegenteil, mittelfristig sollte sich die Inflation sogar weiter abschwächen." Der renommierte Vermögensverwalter erwartet, dass sich das inflationäre Niveau in Deutschland beziehungsweise in Europa bereits im kommenden Jahr wieder um die 2-Prozent-Marke einpendeln wird.
Sparbuchzins statt attraktiver Rendite
Doch zumindest langfristig denkende Anleger sollten das Thema Inflationsschutz bei ihren Investments beachten. Denn selbst die - historisch gesehen eher niedrige - Teuerungsrate von 2,0 Prozent kann eine attraktive Rendite schnell zum mickrigen Sparbuchzins verkümmern lassen.
So verliert bei einer Inflationsrate von beispielsweise jährlich zwei Prozent ein unverzinslich angelegtes Anfangskapital nach 20 Jahren etwa 33 Prozent seines realen Kaufkraftwertes. Der Ausgleich der Inflationsrate - und somit die reale Kapitalerhaltung - sollte also oberstes Ziel bei der Planung der Altersvorsorge sein.
"Das jüngste Inflationswachstum ist ein nützlicher Hinweis, dass besonders langfristig ausgerichtete Investoren wie Pensionskassen sich in ihrer Asset Allokation gegen Inflation absichern müssen", sagt Richard Urwin, Global Head of Economics und Asset Allocation beim Investmenthaus BlackRock. Das Vorgehen hänge stark von individuellen Umständen wie dem regulatorischen Umfeld oder dem speziellen Profil der Zahlungsverpflichtungen ab.
"Generell sollten Anleger Investitionen in Anlageklassen prüfen, die inflationsbezogene Eigenschaften haben - beispielsweise Immobilien, vor allem solche mit inflationsbezogenen Mietverträgen, Aktien, Rohstoffe einschließlich Gold und andere alternative Anlagen in Infrastruktur oder Forstwirtschaft", rät der Anlageexperte. Dort, wo eine direkte Absicherung nötig sei, könnten auch inflationsbezogene Staatsanleihen genutzt werden, einen angemessenen Absicherungsgrad zu erreichen.
Schutz vor Preissteigerungen
Im Unterschied zu traditionellen Rentenpapieren, die eine Nominalrendite ausweisen, bieten inflationsgeschützte Anleihen eine "reale" Rendite, bei der der Wert des zurückbezahlten Kapitalbetrags den tatsächlichen Inflationsbedingungen angepasst wird. Der Emittent garantiert dem Anleger einen festen, realen Zinssatz über die gesamte Laufzeit. Die Inflationsrate wird ausgeglichen, und zwar einmal im Jahr.
Der Preis für diese Sicherheit: Der garantierte Zinssatz liegt unter dem von normalen Anleihen. "Inflationsgebundene Papiere können einen Schutz vor Preissteigerungen bieten, da sich sowohl der investierte Betrag als auch die Erträge in Übereinstimmung mit den Verbraucherpreisen bewegen", erläutert Nick Gartside, Manager für weltweite festverzinsliche Wertpapiere bei Schroders.
Die Anleihen werden auch "Linker" genannt, weil Zinszahlungen und der Nennwert an einen Inflationsindex gebunden (linked) sind. Käufer erwerben damit Anleihen, deren Zinszahlung und Nennwert einen Inflationsausgleich umfasst. Abgesehen vom Kaufkrafterhalt spricht die geringe Korrelation mit herkömmlichen Anleihen oder Aktien für inflationsgesicherten Anleihen. Auch was die Schwankungsanfälligkeit angeht, sind sie über längere Zeiträume überlegen. Kurzfristig können sie allerdings volatiler reagieren.

Teil 2: Gradmesser für Inflationserwatung

  • FTD.de, 09.11.2008
    © 2008 Financial Times Deutschland,
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