Im Kampf gegen Staatsschulden und Wirtschaftsflaute übertreffen sich die Euro-Zone und die USA mit immer neuen Tabubrüchen.
Einen Tag nachdem EU-Politiker durchsickern ließen, griechische Anleihen am Markt zurückkaufen zu wollen, deutete US-Notenbankchef Ben Bernanke einen weiteren Stimulus für die amerikanische Konjunktur an. "Die Fed muss in Bezug auf eine weitere Lockerung der Geldpolitik alle Optionen auf dem Tisch lassen", sagte Bernanke am Mittwoch vor einem Kongressausschuss.
Explizit nannte er die Möglichkeit eines dritten Programms zum Kauf von US-Staatsanleihen mit Notenbankgeld (Quantitative Easing III).
Die Äußerungen Bernankes dokumentieren die ökonomische Ratlosigkeit von Politikern und Zentralbankern beiderseits des Atlantiks. Während die Europäer ihre Staatsschuldenkrise nicht in den Griff kriegen, kommt in den USA die Wirtschaft trotz billionenschwerer staatlicher Hilfsmaßnahmen nicht in Gang.
Erst Ende Juni war das jüngste Staatsanleihenkaufprogramm der Fed mit einem Volumen von 600 Mrd. Dollar ausgelaufen. Trotz dieser Intervention, die dazu diente, das Zinsniveau niedrig zu halten und damit Investitionen zu provozieren, war die US-Wirtschaft im zweiten Quartal wohl kaum gewachsen. Vorigen Freitag sorgten verheerende Zahlen vom amerikanischen Arbeitsmarkt dann erneut für Ernüchterung.
"Es besteht die Möglichkeit, dass sich die jüngste wirtschaftliche Schwäche als beständiger erweisen wird als angenommen", sagte Bernanke. Optimistische Ökonomen hegen gleichwohl weiter die Hoffnung, dass der Wirtschaftseinbruch im Frühjahrsquartal auf Sondereffekte wie das Japan-Beben zurückzuführen ist. Dieser Lesart zufolge springt die Konjunktur bald wieder an - eine weitere Fed-Spritze wäre verzichtbar.
Die Märkte reagierten am Mittwoch erfreut auf die Andeutungen Bernankes. Der deutsche Leitindex DAX, der auch von einer Beruhigung in der Euro-Krise profitierte, stieg um 1,3 Prozent auf 7268 Punkte. Der Dow Jones notierte am Abend mit 0,9 Prozent im Plus.
Allerdings: Auch der Goldpreis legte zwischenzeitlich kräftig zu auf ein neues Rekordhoch von 1587 Dollar je Feinunze. Das lässt den Schluss zu, dass die krisengeplagten Anleger momentan weder dem Euro noch dem Dollar trauen - und stattdessen ins Gold flüchten.