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Merken   Drucken   10.06.2012, 18:32 Schriftgröße: AAA

Geplanter IPO: Evonik-Börsengang vor dem Aus

Der DAX-Kandidat sollte mal wieder an die Börse. Doch es wird wohl wieder nichts. Ohne angemessene Bewertung werde "der IPO der Evonik abgebrochen", heißt es vom Mehrheitseigner RAG-Stiftung - mit Auswirkungen für weitere Unternehmen.

Die Pläne für den milliardenschweren Börsengang des Chemiekonzerns Evonik stehen vor dem Aus. Der Aufsichtsrat des Evonik-Mehrheitseigners RAG-Stiftung verzichtete am Sonntag anders als ursprünglich geplant darauf, eine Preisspanne für den Verkauf der Aktien festzuzurren. Am 25. Juni sollte die Aktie nach unbestätigten Berichten das erste Mal gehandelt werden.

Hintergrund ist offenbar, dass in den Gesprächen der Banken mit Investoren die angestrebte Mindestbewertung für den Gesamtkonzern von 15 Mrd. Euro bislang deutlich verfehlt worden sei. Das berichtet die Nachrichtenagentur Reuters.

"Die Entwicklung auf den Finanzmärkten seit Ende Mai bewirkt eine zunehmende Unsicherheit, ob Erlöse erreichbar sind, die dem Wert der Evonik gerecht werden", räumte die RAG-Stiftung ein. "Eine angemessene Bewertung der Evonik und Transaktionssicherheit sind Voraussetzungen für den Börsengang", betonte die Stiftung. Andernfalls "wird der IPO der Evonik abgebrochen". Noch in dieser Woche solle es weitere Gespräche mit Investoren geben.

Scheitert Evonik, dürfte das auch Auswirkungen auf die weiteren geplanten Börsengänge in Deutschland haben. Die Emission des Chemiekonzerns galt unter Investmentbankern allein schon wegen ihrer Größe als "Eisbrecher". Die prominentesten aktuellen Börsenkandidaten nach Evonik sind die Siemens-Lichtsparte Osram und der Versicherer Talanx sowie die frühere Bayer-Tochter H. C. Stark. Das letzte Jahr ohne Börsengang im regulierten Markt in Deutschland war 2003, 2009 gab es lediglich einen, 2011 immerhin zwölf.

Die RAG-Stiftung ist Mehrheitseigner von Evonik, die übrigen 25,01 Prozent der Anteile liegen beim Finanzinvestor CVC. Im Kuratorium sind unter anderem die Ministerpräsidentinnen Nordrhein-Westfalens und des Saarlands sowie Mitglieder der Bundesregierung und der Gewerkschaft IG BCE vertreten. Mitglieder sind unter anderem die Bundesminister Philipp Rösler (FDP, Wirtschaft) und Wolfgang Schäuble (CDU, Finanzen).

Die Erlöse sollten im wesentlichen nicht in das Unternehmen fließen, sondern zur Abdeckung der sogenannten Ewigkeitslasten des Steinkohlenbergbaus genutzt werden. Dazu zählt das dauerhafte Abpumpen von Wasser in den ehemaligen Abbaugebieten. Der Evonik-Konzern war 2007 aus dem Spezialchemieunternehmen Degussa und Teilen der einstigen Ruhrkohle AG neu formiert worden. In der Vergangenheit war der Gang an die Börse bereits mehrfach geplant und wieder abgesagt worden.

Wegen der Unsicherheiten um die Euro-Schuldenkrise und die Griechenland-Wahl - das südeuropäische Land wählt am 17. Juni, also gut eine Woche vor dem geplanten Evonik-Börsenstart, ein neues Parlament - haben die Eigner Finanzkreisen zufolge ein Sicherheitsnetz gespannt: Die eigentliche Entscheidung über den Börsengang könnte auch erst unmittelbar vor dem 25. Juni fallen, hatte es bereits in Kreisen des mächtigen Kuratoriums der RAG-Stiftung geheißen.

Stiftungschef Wilhelm Bonse-Geuking peilt nach früheren Informationen aus Finanzkreisen eine Mindestbewertung von Evonik von 15 Mrd. Euro an. Bei einem Verkauf von rund einem Drittel der Anteile würden damit rund 5 Mrd. Euro in die Kassen der Evonik-Eigner fließen. Deutsche Bank und Goldman Sachs sind führend an den Vorbereitungen für den Börsengang beteiligt.

  • dpa, 10.06.2012
    © 2012 Financial Times Deutschland
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