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Merken   Drucken   25.01.2011, 09:33 Schriftgröße: AAA

Gigantisches Defizit: IWF warnt USA vor Schuldenkrise

Nicht nur die Europäer, sondern auch die Vereinigten Staaten kämpfen mit gigantischen Haushaltslöchern. Steigende Refinanzierungskosten könnten für Washington ebenfalls zum Problem werden, meint IWF-Chef Strauss-Kahn. Die Wachstumsprognose für die USA fällt aber besser aus als für den alten Kontinent. von Christine Mai  und Barbara Schäder  Frankfurt
Die ausufernden Schulden der Industriestaaten gefährden nach Einschätzung des Internationalen Währungsfonds (IWF) die Erholung der Weltwirtschaft. Nicht nur die Euro-Länder, sondern auch die USA machten sich durch ihre hohe Staatsverschuldung angreifbar, warnte der IWF am Dienstag. Das Haushaltsdefizit der Vereinigten Staaten werde sich 2011 voraussichtlich auf 10,75 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP) ausweiten, schreibt der IWF in einer Aktualisierung seines weltwirtschaftlichen Ausblicks (World Economic Outlook) vom Oktober 2010.
US-Präsident Obama verlängerte Hilfen für Langzeitarbeitslose ...   US-Präsident Obama verlängerte Hilfen für Langzeitarbeitslose und Steuervergünstigungen
Die Neuverschuldung der Vereinigten Staaten liege damit mehr als doppelt so hoch wie in Europa, schreibt der IWF. Das Haushaltsdefizit der 17 Euro-Staaten dürfte sich nach Einschätzung der EU-Kommission 2011 auf durchschnittlich 4,6 Prozent der Wirtschaftsleistung belaufen, nach 6,3 Prozent im vergangenen Jahr.
Mit Blick auf die Ereignisse in Europa, wo das schwindende Vertrauen in hoch verschuldete Staaten deren Refinanzierungskosten in die Höhe treibt, warnt der IWF die USA vor einem ähnlichen Schicksal. "Je länger die fiskalische Stabilisierung aufgehalten wird, desto wahrscheinlicher wird ein abrupter Anstieg der Renditen auf US-Staatsanleihen, der zu Turbulenzen auf den globalen Finanzmärkten und in der Weltwirtschaft führen könnte“, schreibt der Währungsfonds in seinem Update zum Finanzmarktstabilisierungsbericht vom Oktober.
Wie bewegt sich der Euro 2011 gegenüber dem Dollar?

 

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Für die USA würden die Refinanzierungskosten in einem solchen Fall deutlich steigen, Anlegern, die in Treasuries investiert haben, drohten dann herbe Verluste. Kurse und Renditen bewegen sich bei Anleihen gegenläufig zueinander. Anfang Dezember waren die Renditen zwei Tage lang spürbar angestiegen, was eine Debatte über ein mögliches Ende der Phase äußerst niedriger Renditen auslöste. Im Zuge der Finanzkrise waren Investoren scharenweise in die als äußerst sicher geltenden US-Staatsanleihen geflohen, was die Renditen auf Tiefststände drückte.
Washington will Schuldengrenze anheben
Bislang arbeitet die US-Politik nicht ernsthaft an einer Reduzierung der Schulden. Finanzminister Timothy Geithner bat den Kongress vor einigen Wochen um eine Anhebung der Schuldengrenze - und warf damit ein Schlaglicht auf das Problem. Derzeit liegt die Staatsverschuldung laut Geithner bei 13.950 Mrd. Dollar.
Die Verbindlichkeiten nehmen seit Längerem stetig zu und sind im Zuge der Finanzkrise vor allem angesichts riesiger Konjunkturhilfen zuletzt noch einmal stark angestiegen. Die Schuldengrenze beläuft sich momentan auf 14.300 Mrd. Dollar. Dieser Wert wird laut Geithner zwischen Ende März und Mitte Mai erreicht. Die Prognosen sind düster: Das Office of Management and Budget (OMB) im Weißen Haus geht davon aus, dass die Bruttostaatsverschuldung bis 2015 auf 19.683 Mrd. Dollar anschwillt. Hinzu kommt die enorme Schuldenlast der Bundesstaaten, Kommunen und Bezirke.
Kritisch beurteilt der IWF in diesem Zusammenhang "das jüngste Konjunkturpaket" der USA. Gemeint ist offenbar die im Dezember beschlossene Verlängerung finanzieller Hilfen für Langzeitarbeitslose sowie von Steuervergünstigungen. Die Kosten des Gesetzespakets werden auf 700 bis 900 Mrd. Dollar geschätzt. Nach Einschätzung des IWF werden sie im laufenden Jahr aber nur einen halben Prozentpunkt zusätzliches Wirtschaftswachstum bringen, "eine relativ geringe Dividende zu erheblichen Kosten für den Haushalt". Insgesamt sagt der Währungsfonds den USA für 2011 ein Wirtschaftswachstum von drei Prozent voraus, er korrigierte damit seine Prognose vom Oktober um 0,7 Prozent nach oben.

Teil 2: Reformen zu beiden Seiten des Atlantiks gefordert

  • FTD.de, 25.01.2011
    © 2011 Financial Times Deutschland,
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