Die Krise schlägt voll auf die privaten Vermögen durch: Es geht bergab mit den Millionären und Milliardären. Jedenfalls im Westen. "Die Privatvermögen in Nordamerika, Westeuropa und in Japan sind 2011 zurückgegangen", meldet die Unternehmensberatung BCG in ihrem Global Wealth Report, der am Donnerstag in New York vorgestellt wurde. Zugleich stiegen die privaten Vermögen in den Schwellenländern weiter an.
Die zentralen Gründe für den Rückgang im Westen: niedrige Zinsen und schwache Aktienmärkte. Weltweit hat das Vermögen, das in Aktien angelegt ist, im vergangenen Jahr 3,4 Prozent an Wert verloren, rechnet BCG vor. Zugleich wuchs das Anleihevermögen um 3,3 Prozent.
Von 2009 auf 2010 hatten die Reichen weltweit - der Finanzkrise zum Trotz - ihr Geld noch vermehren können. Nun aber schlägt die Krise voll auf die Vermögensverwalter durch. Das gesamte Privatvermögen in den USA fiel 2011 um rund ein Prozent auf 38.000 Mrd. Dollar. In Westeuropa ist der Rückgang deutlich geringer: von 33.600 Mrd. auf 33.500 Mrd.
Am stärksten nach oben ging es wie in den Vorjahren in der Region Asien-Pazifik ohne Japan: um zehn Prozent auf 23.700 Mrd. Dollar. Ähnlich stark ist das Wachstum in Lateinamerika. Dort stieg das Gesamtvermögen der privaten Haushalte auf 3500 Mrd. Dollar.
In den USA, wo die meisten Millionäre und Milliardäre leben, können sich selbst die Superreichen dem Trend nicht mehr entziehen. Sie verloren im vergangenen Jahr 2,4 Prozent ihrer Vermögen. Zugleich ging auch die Zahl der Haushalte, die über ein Millionenvermögen verfügen, deutlich zurück: um 130.000 auf 5,1 Millionen. Zugleich stieg die Zahl reicher Haushalte in China um 200.000 auf gut 1,4 Millionen. Schon in diesem Jahr dürfte China erstmals mehr Millionäre haben als Japan - und damit auf Platz zwei der Weltrangliste aufsteigen. Auf Platz fünf hinter Großbritannien steht Deutschland. Hier wuchsen die Vermögen im Gegensatz zu vielen Nachbarländern 2011 weiter an. Die Zahl der Millionärshaushalte stieg um sieben Prozent auf 345.000.
In Relation zur Bevölkerung sieht die Weltrangliste der reichsten Länder freilich ganz anders aus. Mit 17 Prozent der Haushalte, die über Millionen verfügen, liegt Singapur an erster Stelle, gefolgt von Katar, Kuwait und der Schweiz.
Weltweit dürfte die Schuldenkrise in Europa in diesem Jahr tiefe Spuren hinterlassen - mittelfristig aber sieht BCG keinen Anlass zur Sorge. "Wir halten eine Erholung an den Aktienmärkten für wahrscheinlich", heißt es in der Studie. Damit dürften auch die Privatvermögen in Amerika und Europa wieder wachsen. Für 2016 sollen sie laut Prognose deutlich über den Werten von 2011 liegen. Zugleich werden die Vermögen in Asien-Pazifik in den kommenden fünf Jahren auf mehr als 40.000 Mrd. Dollar steigen, und damit zugleich über die 36.800 Mrd. aus Westeuropa.
"Das Management von Privatvermögen wird sich in den kommenden zehn Jahren fundamental ändern", sagt BCG voraus. Ein Trend zeichnet sich bereits ab: Viele Reiche verwalten ihr Vermögen über das Internet zunehmend selbst. Zugleich wird die Regulierung weltweit strenger. Aus einem kleinen Vermögen ein großes zu machen wird nicht leichter werden.