Seit Monaten wettern Sie gegen den chiÂnesischen Immobilienmarkt und warnen vor einem Desaster, das "tausendmal so schlimm wie Dubai" werden könne. Was haben Sie gegen China?
Chanos: Es gibt tatsächlich keinen vernünftigen Grund, 1,4 Milliarden Menschen gegen sich aufzubringen. Aber im Ernst: Ich bin überzeugt, dass sich da ein gewaltiges Gewitter zusammengebraut hat. Und wir wollen uns nicht vorwerfen lassen, wir hätten nicht frühzeitig gewarnt. Es mag noch eine Zeit lang funktionieren, den Immobilienmarkt mit billigen Krediten zu befeuern. Aber irgendwann ist unweigerlich Schluss damit - beste Beispiele sind Irland, Island oder die Vereinigten Staaten.
Während in Washington ÂRegierung und Notenbank den Boom lange anheizten, steuern die Verantwortlichen in Peking beherzt gegen. Sie beschränken die KreditÂvergabe und erhöhen die EigenkapitalÂanforderungen für Käufer. Das deutet eher auf eine sanfte Landung hin.
Chanos: Schön wär's. Wir beobachten, dass China auf Gedeih und Verderb vom Immobiliensektor abhängig ist. 60 Prozent des Bruttoinlandsprodukts hängen an der Bauwirtschaft.
Die Aufsichtsbehörden verlangen von den Banken, mehr Kapital als Reserve vorzuhalten. Das bremst die Kreditvergabe.
Chanos: Meiner Ansicht nach ist das viel zu spät geschehen. China wird letztlich eine riesige Menge fauler Kredite verstaatlichen und garantieren müssen. Dann dürfte mit den atemberaubenden Wachstumsraten Schluss sein.