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Merken   Drucken   01.05.2011, 08:00 Schriftgröße: AAA

Hedge-Fonds-Chef im Interview: Der Leerverkäufer, der auf den China-Crash wartet

Er prognostiziert dem Immobilienmarkt der Volksrepublik ein Desaster "tausendmal schlimmer als Dubai". James Chanos, Manager bei Kynikos Associates, ist der wohl berühmteste Leerverkäufer der Welt. Dem Wirtschaftsmagazin Capital erklärt er, wie er seine Opfer findet.
© Bild: 2011 FTD/Dima Gavrysh
Interview Er prognostiziert dem Immobilienmarkt der Volksrepublik ein Desaster "tausendmal schlimmer als Dubai". James Chanos, Manager bei Kynikos Associates, ist der wohl berühmteste Leerverkäufer der Welt. Dem Wirtschaftsmagazin Capital erklärt er, wie er seine Opfer findet.
James Chanos, geboren 1958 als Sohn griechischer Einwanderer in Milwaukee, arbeitete als junger Analyst an der Wall Street. Dort fahndete er etwa für die Deutsche Bank nach überbewerteten Unternehmen. 1985 gründete er die Hedge-Fonds-Firma ­Kynikos Associates. Berühmt wurde Chanos Ende 2000: Damals machte er beim Energiehändler Enron Bilanz­ungereimtheiten aus und wettete auf einen Absturz der Aktie, die 2001 von 80 auf 1 Dollar fiel. Seither gilt er als "weltgrößter Leerverkäufer".
Herr Chanos, Hedge-Fonds-Manager operieren üblicherweise im Verborgenen. Sie hingegen fahren eine regelrechte Kampagne gegen China. Wollen Sie damit Ihre eigenen Investments absichern?
Chanos: (lacht) Es sind ja Reporter wie Sie, die bei mir anrufen und nach bestimmten Dingen fragen - nicht andersherum. Natürlich könnte ich mit einem gezielt lancierten Gerücht den Preis einer Aktie oder einer Anleihe beeinflussen ...
... was strafbar ist ...
Chanos: ... und nach zwei Tagen verpuffen würde.
Die Grenze zwischen Markteinschätzung und absichtlichem Runterreden ist bei einem wie Ihnen, der auf fallende Kurse spekuliert, fließend.
Chanos: Wer zu solchen Mitteln greift, verliert schnell seine Glaubwürdigkeit.
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Seit Monaten wettern Sie gegen den chi­nesischen Immobilienmarkt und warnen vor einem Desaster, das "tausendmal so schlimm wie Dubai" werden könne. Was haben Sie gegen China?
Chanos: Es gibt tatsächlich keinen vernünftigen Grund, 1,4 Milliarden Menschen gegen sich aufzubringen. Aber im Ernst: Ich bin überzeugt, dass sich da ein gewaltiges Gewitter zusammengebraut hat. Und wir wollen uns nicht vorwerfen lassen, wir hätten nicht frühzeitig gewarnt. Es mag noch eine Zeit lang funktionieren, den Immobilienmarkt mit billigen Krediten zu befeuern. Aber irgendwann ist unweigerlich Schluss damit - beste Beispiele sind Irland, Island oder die Vereinigten Staaten.
Während in Washington ­Regierung und Notenbank den Boom lange anheizten, steuern die Verantwortlichen in Peking beherzt gegen. Sie beschränken die Kredit­vergabe und erhöhen die Eigenkapital­anforderungen für Käufer. Das deutet eher auf eine sanfte Landung hin.
Chanos: Schön wär's. Wir beobachten, dass China auf Gedeih und Verderb vom Immobiliensektor abhängig ist. 60 Prozent des Bruttoinlandsprodukts hängen an der Bauwirtschaft.
Die Aufsichtsbehörden verlangen von den Banken, mehr Kapital als Reserve vorzuhalten. Das bremst die Kreditvergabe.
Chanos: Meiner Ansicht nach ist das viel zu spät geschehen. China wird letztlich eine riesige Menge fauler Kredite verstaatlichen und garantieren müssen. Dann dürfte mit den atemberaubenden Wachstumsraten Schluss sein.

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Gefunden bei: capital.de

  • capital.de, 01.05.2011
    © 2011 Financial Times Deutschland,
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